So schippern Sie schön günstig durch den Hamburger Hafen

Die Hadag-Fähre „Hamburgensie“ (Baujahr 2013) auf der Elbe. Sie befördert auf der Linie 62 bis zu 250 Passagiere von den St. Pauli-Landungsbrücken nach Finkenwerder und zurück.

Die Hadag-Fähre „Hamburgensie“ (Baujahr 2013) auf der Elbe. Sie befördert auf der Linie 62 bis zu 250 Passagiere von den St. Pauli-Landungsbrücken nach Finkenwerder und zurück.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Ab 1,70 Euro geht’s los: Das Abendblatt stellt die besten Touren mit Fähren vor – ins Alte Land, nach Blankenese oder Wilhelmsburg.

Hamburg.  Wer die letzten Ferien­tage am liebsten auf dem Wasser verbringen möchte, aber weder Zeit noch Geld für eine Kreuzfahrt übrig hat, ist hier genau richtig: In Hamburg laden mehrere Fähren zu günstigen Törns durch den Hafen und über die Elbe ein – spannende und überraschende Landausflüge inklusive! Das Abendblatt stellt besonders schöne Routen und Ziele vor:


FRS Hanse Ferry: Für 18 Euro von den Landungsbrücken nach Blankenese und zurück: Dreimal am Tag pendelt die 30 Meter lange „Kleine Freiheit“ in der Wintersaison (bis 31. März). Nach 25 Minuten legt das Schiff in Teufelsbrück an. Wer hier aussteigt, kann den Jenischpark besuchen und mit der nächsten Fähre weiter nach Blankenese fahren. Im Jenischpark wachsen die ältesten Bäume Hamburgs, darunter ein 200 Jahre alter Ginkgobaum und eine 500 Jahre alte Stieleiche, die es auf einen Umfang von mehr als acht Metern bringt.

Insgesamt 45 Minuten dauert der gemütliche Törn von den Landungsbrücken zum Anleger Blankenese. Wer das „Dorf“ in aller Ruhe erkunden will, ist mit den elektrisch betriebenen „Bergziegen“ vom HVV bestens beraten. Die Linien tragen seit Dezember die Nummern 488 und 588 und sind zuschlagfrei an den HVV angebunden. Die Haltestellen der geräuschlosen und umweltfreundlichen „Bergziege“ heißen Strandtreppe, Krögers Treppe und Charitas-Bischoff-Treppe. Im berühmten Treppenviertel gibt es 58 Treppen mit 5000 Stufen. Über allem thront der 74 Meter hohe Süllberg. Passagiere der „Kleinen Freiheit“ haben bei entsprechender Planung gut fünf Stunden Aufenthalt, bis es wieder nach St. Pauli zurückgeht.

Lea Marquardt und Katharina Wein, beide aus München, sind begeistert. „Die Fahrt hat mir richtig gut gefallen. Ich habe wieder festgestellt: Hamburg wäre die einzige Stadt, für die ich mein München verlassen würde“, sagt Lea Marquardt.

Und Katharina Wein ergänzt: „Die Fahrt war sehr ruhig und nicht so überfüllt wie bei den Hadag-Fähren. Es ist großartig, ein bisschen mehr als nur den Hamburger Hafen zu sehen.“ Zudem seien die Informationen über die Lautsprecher „präzise und ausreichend“ gewesen. An Bord gibt es zudem einen Multimedia Guide in acht Sprachen, der zielgenaue Informationen bereithält.

Seit April 2017 betreibt eine Tochterfirma der Förde Reederei Seetouristik (FRS), die auch den Helgoland-Katamaran besitzt, die einzige Fährverbindung zwischen der City und den Elbvororten. „Die Passagiere können eine abwechslungsreiche Hafen- und Elbfahrt erleben und Hop-on/Hop-off auf Tour gehen“, sagt Helgoline-Betriebsleiter Christian Schmidt. Es gibt dabei Abstecher zum Containerhafen und zur Elbphilharmonie. Die Fahrpreise beginnen bei 4 Euro für eine einfache Fahrt von Blankenese nach Teufelsbrück. Die Fahrpläne von Hanse Ferry: www.frs-hanseferry.de

Die Hadag-Fähren: sieben Linien, 100 Mitarbeiter und ein 30 Kilometer langes Streckennetz: Die Hadag Seetouristik und Fährdienst AG verbindet seit 1888 das Elbufer mit Zielen im Hafen. Seit November sind 26 Schiffe im Einsatz. „Wir befördern jährlich neun Millionen Fahrgäste“, sagt Hadag-Vorstand Tobias Haack. Auch bei Sturm und Eis werde der Betrieb nicht eingestellt.


Linie 62 und 64:
Während die Linie 64 von Teufelsbrück nach Finkenwerder vorwiegend Airbus-Mitarbeiter befördert, nutzen insbesondere Touristen die Linie 62 von den Landungsbrücken nach Finkenwerder für eine kurze Hafenkreuzfahrt zum HVV-Tarif. Die 7,3 Kilometer lange Strecke legen die modernen „Bügeleisen-Hafenfähren“ in gut 30 Minuten zurück. Sie fahren im 15-Minuten-Takt. Allein auf dieser Route werden jährlich 4,5 Millionen Gäste gezählt – die Hälfte des gesamten Passagieraufkommens. Wer mit seinem Fahrrad auf Tour gehen will, kann vom Anleger Finkenwerder durch den Ort, an Airbus vorbei bis zu den Toren der abgeriegelten Gefängnisinsel Hahnöfersand fahren – mit traumhaftem Blick auf die Naturschutzinsel Neßsand.

„Achtung Anstaltsgelände! Unbefugten ist das Betreten strengstens verboten“, steht warnend auf einem Schild. Keine Hamburger Insel wird so gut bewacht wie Hahnöfersand, wo rund 150 Jugendliche ihre Haft absitzen. Auch für Literaturfreunde von Siegfried Lenz ist der Ausflug zur abgesperrten Halbinsel mit Naturschutzgebiet ein Muss: Sein Roman „Deutschstunde“ spielt unter anderem auf Hahnhöfersand.

Wer mit der Linie 62 unterwegs ist, kann neben Fischmarkt und Docklands im Museumshafen Oevelgönne aussteigen und zum „Alten Schweden“ spazieren. Der steinerne Riese mit einem Umfang von 20 Metern gilt als der älteste Großfindling Deutschlands. Er ist 1,8 Milliarden Jahre alt, wiegt 217 Tonnen und gelangte per Gletschertransport vor 400.000 Jahren von Südschweden über die Ostseesenke in die Elbregion.


Linie 73:
Wer an Bord der MS „Nala“ (Linie 73) geht, fährt 15 Minuten lang durch den Reiherstieg, einen Seitenarm der Elbe, bis zur Ernst-August-Schleuse. Auf der Steuerbordseite liegt die Norderwerft mit einem 450 Meter langen Kai und drei Liegeplätzen. Auf der Rückfahrt von der für 26 Millionen Euro modernisierten Ernst-August-Schleuse kommt das Beste zum Schluss: Es ist einer der schönsten Blicke auf Hamburg mit dem Fernsehturm und der Elbphilharmonie am Horizont. Kaum hat die „Nala“ den Shell-Schiffsanleger und das „Theater am Hafen“ passiert, macht das Schiff wieder an den Landungsbrücken fest.


Linie 61: Von Brücke 2 startet die „Neuenfelde“ (Linie 61) über Dockland (Fischereihafen) bis nach Neuhof. Am Köhlbrand liegt das Klärwerk Köhlbrandhöft. Passagiere mit feiner Nase bemerken einen leichten Fäkalien-Geruch. In den zehn eiförmigen Faulbehältern findet die Schlammbehandlung zur Faulgasgewinnung statt. Unvergesslich ist der Blick von Neuhof auf die Köhlbrandbrücke, in deren Schatten die Fähre hält. Die 54 Meter hohe Trasse verbindet die Elbinsel Wilhelmsburg mit der Autobahn 7, Waltershof und Steinwerder. Hoch oben über dem Hafendampfer donnern Lastwagen und Autos entlang – 36.000 Fahrzeuge pro Tag.


Fähre Blankenese–Cranz: Wer Seehunde auf Sandbänken oder mit ein wenig Glück auch Seeadler sehen will, ist bei Hamburgs romantischster Hafentour von Blankenese nach Cranz im Alten Land genau richtig. Selbst wenn es stürmt, die Hadag-Linie nach Neuenfelde und Cranz verkehrt bei fast jedem Wetter. Die 2800 Meter lange Tour vom Blankeneser Anleger Op’n Bulln bis nach Neuenfelde bietet zu jeder Jahreszeit ein magisches Naturschauspiel. In Neuenfelde lohnt ein Besuch der auf einer Düne errichteten barocken St.-Pankratius-Kirche mit der 1688 fertiggestellten Arp-Schnitger-Orgel.


Linie 75:
Diese Hadag-Linie braucht von den Landungsbrücken nur fünf Minuten nach Steinwerder. Dort befindet sich Hamburgs leistungsstärkstes Kreuzfahrtterminal. Pro Tag können bis zu 8000 an- und abreisende Gäste abgefertigt werden. Auf Steinwerder können Schiffe bis zu einer Gesamtlänge von 350 Metern anlegen – genug Platz also für die „Queen Mary 2“.

Linie 72: Diese Hadag-Fähre pendelt zwischen Elbphilharmonie und Landungsbrücken (Brücke 1). Die Fahrt dauert sechs Minuten und kostet 1,70 Euro. Die Hadag-Hafenfähren können mit dem HVV-Ticket genutzt werden. Mehr Informationen auf hadag.de.


Maritime Circle Line:
Während des Winterfahrplans (bis 31. März) lädt die Barkasse an den Wochenenden zu Hafenrundfahrten mit sieben Ein- und Ausstiegsmöglichkeiten ein („Hop-on Hop-off“). Empfehlenswert ist ein Zwischenstopp in der BallinStadt mit dem Auswanderermuseum. Weil um das Jahr 1900 immer mehr Menschen nach Hamburg strömten, um über den Atlantik zu reisen und in der „Neuen Welt“ Amerika ihr Glück zu suchen, ließ der Reeder Albert Ballin zwischen 1901 und 1907 auf der Veddel eine Kleinstadt für Auswanderer bauen. Drei Hallen sind inzwischen im Originalzustand wieder aufgebaut – sie lohnen einen Besuch.

Die Hop-on- und Hop-off-Fahrt kostet 18 Euro für Erwachsene. Er gilt für die gesamte Runde, unabhängig davon, wie oft die Fahrt zwischendurch unterbrochen wird. Weitere Haltepunkte sind die „Cap San Diego“, die Speicherstadt, der Traditionsschiffhafen, die Elbphilharmonie, das Internationale Maritime Museum und die Elbinsel Wilhelmsburg. Weitere Infos: maritime-circle-line.de