Hamburg

Krugkoppelbrücke: Sperrung bringt Händler in Not

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Friederike Ulrich
Marc Sämann, Inhaber von Bobby Reich, ärgert sich über die lange Sperrung – und darüber, dass durch die Bauarbeiten viele Parkplätze wegfallen werden.

Marc Sämann, Inhaber von Bobby Reich, ärgert sich über die lange Sperrung – und darüber, dass durch die Bauarbeiten viele Parkplätze wegfallen werden.

Foto: Marcelo Hernandez

Die CDU Hamburg-Nord fordert Öffnung auch während der Bauarbeiten. Läden und Restaurants in Winterhude klagen über Umsatzeinbußen.

Hamburg. Die Sanierungsarbeiten an der denkmalgeschützten Krugkoppelbrücke stehen kurz vor dem Abschluss. Doch die viel Die Sanierungsarbeiten an der denkmalgeschützten Krugkoppelbrücke stehen kurz vor dem Abschluss. Doch die viel genutzte Verbindung zwischen Eppendorf, Harvestehude und Winterhude soll trotzdem noch monatelang gesperrt bleiben: Statt ursprünglich im Oktober 2018 wird die Brücke nun wohl erst Ende November dieses Jahres wieder frei gegeben. Wie berichtet, hängt das unter anderem mit dem Bau des geplanten Verkehrskreisels neben der Brücke am Harvestehuder Weg zusammen: Weil dafür zunächst keine Baufirma gefunden wurde, kann damit erst Ende des Monats begonnen werden.

Für mindestens 13 Monate bleibt die Brücke also für den Autoverkehr gesperrt. Das bedeutet Umwege für die rund 13.000 Autofahrer, die täglich über die Krugkoppelbrücke rollen. Und Umsatzrückgänge für die Gewerbetreibende in der Nähe.

Sie fordern jetzt, die Brücke nach Abschluss der Sanierung bis zu Beginn der Kreisel-Arbeiten freizugeben, und während der Bauarbeiten einen Fahrstreifen für Autofahrer in Richtung Winterhude zur Verfügung zu stellen.

„Die Gewerbetreibenden von Poelchaukamp und Mühlenkamp leiden immens unter der Sperrung, weil die Kunden ausbleiben,“, sagt Philipp Kroll von der CDU Hamburg-Nord, der unter anderem im Wirtschaftsausschuss der Bezirksversammlung sitzt. Er will das Bezirksamt daher auffordern, sich für eine schnelle Freigabe der Krugkoppelbrücke und eine Öffnung Richtung Winterhude auch während der Bauarbeiten einzusetzen. Einen entsprechenden Antrag wird er nächste Woche im Regionalausschuss Eppendorf-Winterhude einbringen.

Gewerbetreibende befürchten Ladensterben

Während Kroll die Lebendigkeit des Quartieres um Mühlenkamp und Poelchaukamp noch nicht gefährdet sieht, kann sich Ina Katharina Köllner einen Zusammenhang zwischen der Brückensperrung und dem Ladensterben um sich herum gut vorstellen. In unmittelbarer Nähe ihrer Boutique Ina Style am Poelchaukamp haben vor Kurzem ein Friseur, ein Wein- und Keramikgeschäft sowie eine Boutique geschlossen. „Die Klagen hier auf der Ecke sind sehr groß“, sagt Ina Köllner. „Ich habe meinen Laden erst vor wenigen Monaten eröffnet, und habe mit einem Online-Handel und einer weiteren Boutique weitere Standbeine – aber ich möchte auch nicht zusehen, wie hier ein Laden nach dem anderem stirbt.“ Deshalb mobilisiert sie gerade ihre Nachbarn, bei der Regionalausschuss-Sitzung anwesend zu sein und dort die Dringlichkeit einer Öffnung der Brücke, wenn auch nur in eine Richtung, deutlich zu machen.

Auch Brigitte Uhlmann, die am Mühlenkamp ein Dessous-Geschäft betreibt, wird hingehen. Ihr macht die Brückensperrung ebenfalls zu schaffen. „Viele meiner Kunden scheuen den Umweg und bleiben weg“, sagt sie. Daran trügen auch weitere Baustellen in der Umgebung bei, etwa an Hofweg und Mittelweg. „Mir und anderen Gewerbetreibenden kommt es vor, als sei Winterhude momentan vom Rest der Welt abgeschnitten.“ Die Umsatzeinbußen träfen alle hart. „Wir sind größtenteils Einzelhändler“, so die Geschäftsinhaberin. „Hinter uns stehen keine Ketten, die das auffangen können.“

Umsatzrückgänge bei Bobby Reich

Einer, den die Sperrung der Krugkoppelbrücke ebenfalls hart trifft, ist Marc Sämann, Inhaber von „Bobby Reich“. Sein Restaurant am Nordufer der Außenalster wird seit dem Beginn der Bauarbeiten im vergangenen Sommer von deutlich weniger Gästen besucht als zuvor. Dabei ist es über Nebenstraßen wie Leinpfad und Agnesstraße immer noch gut erreichbar. „Viele wissen das aber nicht“, sagt der Gastronom. „Das größte Ärgernis ist aber, dass es nach den Baumaßnahmen kaum noch Parkplätze geben wird. Von 28 bleiben sechs bis acht, und eine Ladebucht für Lieferanten.“ Die für seine Gäste wichtigen Stellflächen fallen dem Ausbau der Radwege zum Opfer, die mit der Brücken- und der begleitenden Fahrbahnsanierung neu angelegt werden und die Alsterfahrradachsen verbinden sollen. „Schon bei einer Brückensanierung vor etwa 20 Jahren fielen sämtliche Parkplätze auf Krugkoppelbrücke und Fernsichtbrücke weg.“

Auch über die damit verbundenen Baumfällungen regt sich Sämann auf. „Ich bin eigentlich nicht so ein Grüner. Aber wie hier Bäume, die über Jahrzehnte als standsicher galten, im Zuge der Bauvorbereitung plötzlich für morsch erklärt wurden, ist schon sehr bedenklich.“ Insgesamt 27 Bäume werden gefällt, lies der Senat kürzlich verlauten, 17 würden nachgepflanzt.

Für Taxifahrer ist die verlängerte Sperrung offenbar kein Problem. „Die Strecke über Agnes- und Blumenstraße ist nur ein kurzer Umweg. Und da sich kaum Staus bilden, zahlen die Fahrgäste am Ende nur ein paar Cent mehr“, sagt Holger Brandt von Hansa-Taxi.

Grün- und Straßenarbeiten jetzt parallel

Bis Ende März soll die Sanierung der Krugkoppelbrücke abgeschlossen sein, heißt es aus der Verkehrsbehörde. Anschießend werde in den Straßen Krugkoppel und Harvestehuder Weg sowie Bellevue und Fernsicht gebaut,. „Ziel ist es, die Brücke im Herbst wieder für den Autoverkehr freizugeben“, sagt Dominic Völz aus der Pressestelle.

Die Arbeiten rechts und links der Brücke sind Teil des Projekts Alsterfahrradachsen. Ursprünglich sollte es mit der Sanierung der Krugkoppelbrücke planerisch und terminlich koordiniert und gleichzeitig gebaut werden. Die Maßnahmen mussten jedoch getrennt ausgeschrieben werden. „Das Vergaberecht sieht zur Förderung des Mittelstandes vor, Baumaßnahmen in fachspezifische Gewerke zu unterteilen“, so Völz. „Aus diesem Grund werden die Baumaßnahmen in mehreren Teillosen wie Brückenbau und Straßenbau ausgeschrieben und vergeben.“ Während für die Brückenarbeiten eine Baufirma beauftragt werden konnte, blieb die im Sommer 2018 veröffentlichte Ausschreibung für die Straßenbauarbeiten im Bereich der Brücken-Anschlussflächen wegen der hohen Auslastung der Baufirmen ohne Angebote. Ab Ende März sollen auch die Grünanlagen im Bereich der Böschungen und der angrenzenden Parksituationen neu gestaltet und bepflanzt werden. „Diese Arbeiten finden dann parallel zu den Straßenbauarbeiten statt“, verspricht der Behörden-Sprecher.

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