Fischerei

Für Hamburgs 120.000 Angler gelten künftig neue Regeln

Ein Angler mit seinem Fang (Archivbild).

Ein Angler mit seinem Fang (Archivbild).

Foto: Imago/Lars Berg

Weil das Freizeit-Fischen zunehmend zum Massenphänomen wird, legt der Senat jetzt Höchstfangmengen fest.

Hamburg.  Stolz hält der bärtige Mann mit der Wollmütze seinen silbrig glänzenden Fang mit den charakteristischen Stacheln auf dem Rücken in die Kamera: ein stattlicher Zander, mehr als einen halben Meter lang. So weit ist das nicht ungewöhnlich: Die Barsch-Art ist in Norddeutschland und ganz Europa weit verbreitet, bei Anglern beliebt und kann durchaus noch größer werden. Was an dem Filmchen auf den ersten Blick irritieren könnte, ist der urbane Hintergrund, der erkennen lässt, wo der Fisch gefangen wurde: die HafenCity, mitten in Hamburg.

Doch tatsächlich ist auch das keineswegs ungewöhnlich. Im Internet kursieren Dutzende Filme und Berichte wie dieser über „Zander angeln in Hamburg“. Und die Zahlen, die die Wirtschaftsbehörde am Dienstag präsentierte, belegen, dass die Jagd auf Fische auch – oder gerade – in der Großstadt Hamburg keine Skurrilität ist, sondern ein Massenphänomen. 120.000 Angler seien in der Stadt registriert, das ist jeder 15. Hamburger, berichtete Wirtschafts-Staatsrat Andreas Rieckhof.

Hamburg beherberge die größte „Street-Fishing-Szene“ Europas

Während die letzten Berufsfischer ums Überleben kämpfen – wie das Abendblatt in der gestrigen Ausgabe berichtete –, hat sich die Hansestadt „unbestreitbar zur Hauptstadt des Freizeitangelns“ entwickelt, so Rieckhof. Sogar touristisch sei die Branche mittlerweile bedeutend für die Stadt. Hamburg beherberge die größte „Street-Fishing-Szene“ Europas, Zehntausende Angeltouristen aus dem In- und Ausland kämen jedes Jahr in die Hansestadt, viele ließen sich von mehr oder wenigen professionellen „Angelguides“ mit modernen Booten zu den besten Fangplätzen bringen. Auch die Hotels in der Stadt würden davon profitieren, und nicht zuletzt auch die Stadt selbst: Rund 1600 Euro gibt ein Angler durchschnittlich im Jahr für sein Hobby aus – etwa in einem der 40 Angelfachgeschäfte der Hansestadt. Das sichert Arbeitsplätze und bringt Steuereinnahmen.

Angesichts dieser Entwicklung und der zunehmenden Probleme der letzten verbliebenen Berufsfischer hat der rot-grüne Senat nun die Gesetzeslage angepasst, das wird schon im Namen deutlich: Aus dem „Fischereigesetz“ von 1986 wird das „Fischerei- und Angelgesetz“, das etliche Neuerungen mit sich bringt.

Angler dürfen in Hamburg nur noch zwei Zander pro Tag fangen

So müssen künftig auch auswärtige Angler in Hamburg eine Fischereiabgabe leisten, und diese steigt von fünf auf zehn Euro pro Jahr. Zweitens wurden die Schonzeiten und „Entnahmefenster“ für die einzelnen Fischarten angepasst. So gibt es künftig nicht nur Untergrenzen, um kleine, noch nicht geschlechtsreife Fische zu schützen, sondern auch Obergrenzen: Hintergrund ist die Erkenntnis, dass auch besonders große Fische wichtig für den Erhalt des ökologischen Gleichgewichts in den Gewässern sind.

So müssen beispielsweise Aale, die kürzer als 45 oder länger als 75 Zentimeter sind, zurück ins Wasser gesetzt werden. Die gleichen Grenzwerte gelten für Zander und Hecht. Bachforellen dürfen nur getötet und verzehrt werden, wenn sie zwischen 20 und 40 Zentimeter groß sind. Die „Hälterung“, also die Aufbewahrung lebender Fischer in Eimern oder Tüten, ist künftig gänzlich untersagt. Außerdem gelten für viele Fischarten künftig Tageshöchstfangmengen: Mehr als ein Rapfen, drei Aale sowie je zwei Hechte , Meerforellen und Zander pro Angler sind tabu. Bachforelle, Flussbarsch, Karpfen und Schleie unterliegen dagegen keiner Beschränkung.

Kritik von der CDU: Anglervereine nun stärker belastet

Gerade diese Höchstfangmengen seien wichtig, wenn man es mit dem Erhalt der Fischbestände ernst meine, sagte Rieckhof. Der Staatsrat hofft, dass die Bürgerschaft das Gesetz im Mai und damit rechtzeitig zur neuen Fangsaison beschließen wird. Der Berufsangler Jörg Strelow, der für die Behörde unter anderem das Magazin „Angeln in Hamburg“ gestaltet, lobte den Entwurf als „mutigstes und innovativstes Fischereigesetz“, das es derzeit in Deutschland gebe.

Kritik kam dagegen von der CDU: „Es gibt bereits deutlich vernehmbaren Widerstand aus der Anglerschaft und den Anglervereinen“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Dennis Thering: „Diese leisten viel für den Erhalt und die Pflege der Hamburger Gewässer und der Umwelt. Es kann nicht sein, dass diese durch die rot-grüne Neuregelung jetzt deutlich stärker belastet werden sollen.“