Hamburg

Sanierung des CCH wird deutlich teurer – und dauert länger

Ein Blick auf die CCH-Baustelle am Dammtor. Die Wiedereröffnung wird sich deutlich verzögern.

Ein Blick auf die CCH-Baustelle am Dammtor. Die Wiedereröffnung wird sich deutlich verzögern.

Foto: Michael Rauhe / HA

Das Congress Center Hamburg sollte in diesem Jahr wiedereröffnet werden. Doch weder Zeit- noch Kostenplan sind zu halten.

Hamburg.  Schon für dieses Jahr war die Fertigstellung geplant – doch daraus wird nichts: Die Sanierung und der Teilneubau des seit Ende 2016 geschlossenen CCH (Congress Center Hamburg) werden 36,2 Millionen Euro teurer und dauern etwa ein Jahr länger als geplant.

Das geht aus einer „Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft“ hervor, die dem Abendblatt vorliegt. Die Summe wird auf zwei Posten verteilt: 18 Millionen Euro werden für „verzögerungsbedingte Mehrkosten“ fällig und noch einmal 18,2 Millionen Euro für ein „Zusatzbudget“. Zu den Gründen für die erhebliche Teuerung – die Bürgerschaft hatte 194 Millionen Euro für die CCH-Sanierung bewilligt – steht in der Drucksache: „Durch den Fund von asbesthaltigen Teilen im Betonabbruch ist es zu einer massiven Störung des geplanten Bauablaufs gekommen. Ferner sind aufseiten des für die gebäudetechnische Ausführungsplanung und Realisierung beauftragten Unternehmens Terminverzüge aufgetreten.“

Immer wieder Probleme bei Sanierung des CCH

Auf Abendblatt-Anfrage sagte Projektleiter Hellmut Körner: „Wir führen intensive Gespräche mit dem Bauunternehmen, um überhaupt eine Übergabe des CCH im Sommer 2020, leider ein Jahr später als geplant, gewährleisten zu können. Eine weitere rechtliche Prüfung läuft.“ Zudem werde auch geprüft, warum der Gutachter, der den 1973 eröffneten Gebäudekomplex auf Asbest untersucht hatte, nicht die eigentlichen Ausmaße der belasteten Bauteile erkannt habe, so Körner weiter. Dass es immer wieder Probleme auf der Baustelle gab, darüber hatte das Abendblatt mehrfach berichtet.

Zuletzt war im Oktober 2018 bekannt geworden, dass im Zuge der Bauarbeiten „gravierende Mängel an der Bausubstanz“ in der Tiefgarage des Altbaus entdeckt wurden. Durch Tausalze war der Stahl im Beton geschädigt worden. Die Decke sowie die Säulen und Wände müssen jetzt aufwendig saniert werden. Allein dadurch sind Mehrkosten von 7,3 Millionen Euro entstanden. In dem Neubau auf der Ostseite des CCH entsteht ein repräsentatives Foyer mit spektakulärer Glasfassade. In 50 Sälen stehen dann Kapazitäten für bis zu 12.000 Besucher zur Verfügung. Die erste Veranstaltung wird ein internationaler Medizinkongress vom 26. bis 29. August 2020 sein.

SPD hält CCH-Mehrkosten für vertretbar

Kritik kommt vom FDP-Fraktionschef Michael Kruse: „Die Kostensteigerungen beim CCH übertreffen meine Befürchtungen noch einmal deutlich. Das muss dem Senat ein Warnsignal sein.“ Kruse stellte fest: „Die Baukosten laufen derzeit bei vielen Projekten aus dem Ruder. Die Kurzfristigkeit rot-grüner Finanzplanung fällt Hamburg in den nächsten Jahren auf die Füße, weshalb jetzt mehr Vorsorge getroffen werden muss.“ Der CDU-Haushaltsexperte Thilo Kleibauer sagte: „Mit den massiven Mehrkosten für das CCH bricht der Senat das eigene Versprechen vom kostenstabilen Bauen. Viel zu spät hat Rot-Grün die Probleme eingeräumt.“

Für SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf steht fest: „Die Neugestaltung des CCH ist ein komplexes Bauvorhaben. Natürlich ist es ärgerlich, dass nun Mehrkosten von rund 36 Millionen Euro bewilligt werden müssen, aber bei einem Projekt dieser Größenordnung ist das zu vertreten.“ Für die SPD sei es wichtig, dass die Gründe für die Mehrkosten im Rahmen der bürgerschaftlichen Beratungen umfassend dargestellt würden.

Auch die Glasfassade des erst 2007 in Betrieb genommenen Bauteils West muss instand gesetzt werden. Von einem „Konstruktionsmangel“ ist die Rede. Die 2,4 Millionen Euro für die neue Fassade muss die Stadt bezahlen. Die Gewährleistung der bauausführenden Firma betrug nur fünf Jahre.