Brunsbüttel – Cuxhaven

Die neue Elbfähre soll im April starten

Noch ist die Fähre "Fanafjord" im Bjornafjorden in Norwegen unterwegs. Bald dürfte sie auf der Elbe verkehren.

Noch ist die Fähre "Fanafjord" im Bjornafjorden in Norwegen unterwegs. Bald dürfte sie auf der Elbe verkehren.

Foto: imago stock / imago/GFC Collection

Das 130 Meter lange Schiff schlägt ein neues Kapital im Fährverkehr in der Elbmündung auf. Besonders der Antrieb ist bemerkenswert.

Brunsbüttel. Irgendwann Ende April könnte es so weit sein: Die „Elbeexpress“ legt zu ihrer ersten Fahrt über die Elbmündung ab. Und wenn es nach Heinrich Ahlers ginge, wäre sie randvoll mit Lastwagen und Pkw. Ahlers, Geschäftsführer der Elbferry GmbH, hätte dann ein neues Kapitel in der Geschichte der Fährverbindung zwischen Brunsbüttel in Schleswig-Holstein und Cuxhaven in Niedersachsen aufgeschlagen. „Die Sache ist zu 99 Prozent in trockenen Tüchern“, sagt er. „Aber dieses eine Prozent fehlt eben noch.“

Was fehlt, ist die Unterschrift unter dem Kaufvertrag für die norwegische Fähre „Fanafjord“, die unter dem neuen Namen „Elbeexpress“ die beiden Bundesländern miteinander verbinden soll. In den kommenden Tagen, so hofft Ahlers, dürfte auch diese Hürde genommen werden. Dann kann Ahlers loslegen. Er übernimmt das „nackte Schiff“, wie er es formuliert, von dem Hamburger Unternehmen Green Cruises, das die Fähre erwirbt. „Danach werden ein paar Umbauten vorgenommen, damit die Fähre an die Anleger in Cuxhaven und Brunsbüttel passt.“ Unter anderem müssten Abstandhalter montiert werden.

Reederei Elb-Link musste Insolvenz anmelden

Mit der „Elbeexpress“ will Ahlers ein paar Dinge besser machen als diejenigen, die 2017 mit dem vorerst letzten Versuch scheiterten, im Mündungsgebiet der Elbe eine Fährverbindung wirtschaftlich zu betreiben. Damals hatte die Reederei Elb-Link Insolvenz anmelden müssen. Sie war mit zwei kleinen und langsamen Fähren unterwegs gewesen. Damit waren hohe Kosten verbunden, die Reederei brauchte zwei Crews, außerdem war die Fahrzeit recht lang. „Mit unserem Schiff werden wir es schaffen, in einer Stunde von Hafen zu Hafen zu kommen“, sagt Ahlers. „Das bedeutet: in jedem Hafen gibt es alle drei Stunden eine Abfahrt.“

Noch in diesem Monat soll die Internetseite an den Start gehen. Dann sind Buchungen möglich. Ahlers hofft, dass der gewerbliche Güterverkehr die wirtschaftliche Basis liefert. „Mit den Lastwagen muss ich da Schiff finanzieren“, sagt er. 28 Lkw kann die 130 Meter lange „Elbeexpress“ mitnehmen, dazu kommen mehr als 200 Pkw.

Das Schiff ist deutschlandweit die erste größere Fähre, die mit Flüssigerdgas betrieben wird. In der Elbemündung ist also eine technische Neuerung unterwegs, in der viele die Zukunft bei Schiffsantrieben sehen. Flüssigerdgas LNG ist erheblicher umweltfreundlicher als herkömmlicher Schiffsdiesel. LNG-Schiffe stoßen rund 20 Prozent weniger Kohlendioxid und rund 90 Prozent weniger Stickstoffdioxid aus. Würden im Hamburger Hafen nur noch Schiffe mit LNG-Antrieb unterwegs sein, wäre es vermutlich kein Problem mehr, an hafennahen Messstationen den Stickstoffdioxid-Grenzwert einzuhalten.

Betankt wird das Schiff in Brunsbüttel

Aufgetankt wird das Schiff in Brunsbüttel. Dazu werden die nächtlichen Liegezeiten genutzt. Die letzte Fahrt startet um 21.30 Uhr ab Cuxhaven, nach der Ankunft in Brunsbüttel können dann die Erdgastanks aufgefüllt werden. Etwa viermal in der Woche muss getankt werden, schätzt Ahlers.

Die Elbe ist ein schwieriges Seegebiet. Der Tidenhub sorgt für starke Strömungen. Sie spielen gerade bei der Verbindung Brunsbüttel-Cuxhafen eine große Rolle. Je nach Abfahrtzeit kann das Schiff der vollen Gegenströmung ausgesetzt sein. Wie dann noch pünktlich sein, wenn man rund 15 Seemeilen lang gegen das ablaufende oder auflaufende Wasser kämpft? Die Vorgängerreederei waren an diesem Problem gescheitert. Ahlers will es mit der „Elbeexpress“, die noch „Fanafjord heißt, besser machen. „Das Schiff kann notfalls etwas mehr als 21 Knoten laufen, damit halten wir den Fahrplan locker ein.“ Zuverlässsigkeit ist besonders für die Speditionen wichtig.

Die einfache Fahrt für Autos kostet 28 Euro

Die Preise stehen schon fest. Für die einfache Fahrt werden 28 Euro pro Pkw verlangt, ein Standard-Lkw wird rund 110 Euro zahlen müssen. Passagiere kommen für etwa 8 Euro mit, ein Rad kostet 3,50 Euro. Ahlers findet, dass die Überfahrt einer „Minikreuzfahrt“ gleiche. Er verspricht ein „schönes Catering“. Auch nicht ganz unwichtig: Das Schiff hat einen Fahrstuhl, der die Decks verbindet. Doch zunächst müssen nun aus 99 Prozent 100 Prozent werden.