Atemwegskrankheiten

Warum Mitte Februar so viele Hamburger krank sind

Eine junge Frau liegt krank im Bett (Symbolbild)

Eine junge Frau liegt krank im Bett (Symbolbild)

Foto: picture alliance / blickwinkel/McPHOTO/viennaslide

Ärzte bestätigen einen auffälligen Anstieg. Ein Erklärungsmodell: In diesen Tagen kommen zwei Phänomene zusammen.

Hamburg. 

Schniefen, Husten, schmerzende Glieder und bleierne Müdigkeit: Auffällig viele Hamburger schleppen sich in diesen Tagen mit Krankheitssymptomen herum – und das ist kein Zufall.

Der Februar ist neben dem November im langjährigen Vergleich der Monat mit der höchsten Zahl an Krankschreibungen in Hamburg. Das zeigen Statistiken der Techniker Krankenkasse (TK), die die meisten gesetzlich Versicherten in der Stadt hat. Nach dem Winter ist der Körper wegen des fehlenden Sonnenlichts und der geringen Bewegung häufig geschwächt. Hinzu kommt, dass auch die Seele in der trüben Jahreszeit oft angeknackst ist.

Eine TK-Sprecherin sagte dem Abendblatt, in diesem Februar 2019 kämen genau jetzt zur Monatsmitte zwei Phänomene zusammen: Zum einen gebe es viele Patienten, die an Erkältungen und grippalen Infekten litten – zum anderen begünstige das warme, sonnige Wetter nun den Pollenflug. In den Hamburger Arztpraxen geben sich also gerade die Erkältungsopfer und die Allergiker die Klinke in die Hand.

Für eine Grippeimpfung wird es jetzt höchste Zeit

Außerdem erreicht jetzt auch die alljährliche Grippewelle den Norden, nachdem sie bereits in anderen Regionen ausgebrochen war. „Wir haben schon darauf gewartet und sind gut vorbereitet“, sagt Dr. Stefan Schmiedel, Oberarzt im Zentrum für Innere Medizin am UKE. Er könne „das Phänomen“ bestätigen, dass „die akuten Atemwegserkrankungen jedes Jahr um die sechste Kalenderwoche herum stark ansteigen“.

Die Atemwegsschleimhäute würden über die kalten Wochen und Monate austrocknen, sodass deren Barrierefunktion über einen längeren Zeitraum stark gereizt sei. Auch die psychische Belastung durch die kalten und dunklen Monate spiele bei bestimmten Menschen eine Rolle. Um sich gegen die jetzt eintreffende Virusgrippe zu schützen, empfehle er auch jetzt noch eine Impfung.

Eine Impfung sei auch seinen Mitmenschen gegenüber eine „sehr dienliche“ Maßnahme. Denn „über die Hälfte“ aller Atemwegserkrankten seien typische Influenza-Fälle. Schmiedele rät außerdem, „lieber einmal früher zu Hause bleiben“ um sich und vor allem sein Umfeld zu schützen. Mit einer Grippeimpfung sollte man allerdings nicht zu lange warten.

Viren haben in den Wintermonaten „höhere Vermehrungstendenz“

Denn „die Grippewelle startet jetzt erst so richtig“, sagt Dr. Susanne Huggett, Leiterin für Hygienemedizin bei Asklepios. Sie bekräftigt das Impfen als einen „sehr wichtigen Schutz“, empfiehlt aber auch andere präventive Maßnahmen: Der „Anfängerfehler“ sei es, in seine eigenen ungeschützten Hände zu niesen. Besser wäre die eigene Ellenbeuge oder – im Idealfall – ein unbenutztes Taschentuch.

Warum eine Grippewelle bzw. der menschliche Erschöpfungszustand im Februar besonders ausgeprägt sind, hänge mit den Eigenschaften der einfallenden Viren zusammen. Diese hätten in den Wintermonaten eine „höhere Vermehrungstendenz“ und erreichten dementsprechend mehr Menschen als im Sommer. Daher könnten die nächsten zwei Wochen, in denen es laut Wetterprognosen öfter zu zweistelligen Plusgraden kommen kann, „alles etwas eindämpfen“, so Huggett. Wetterunabhängig gelte in jedem Fall die These: „Das Immunsystem ist besser, wenn ich mit Energíe am Leben teilnehme“.