Hamburg

Revisionen verworfen – Verbrecher hinter Gittern

In diesem Haus entdeckten Ermittler
die Frauenleiche im Koffer.

In diesem Haus entdeckten Ermittler die Frauenleiche im Koffer.

Foto: picture alliance / dpa

Gericht hatte Haft für Vergewaltiger Musa K. und Reno G., der eine Frauenleiche im Koffer versteckte, ausgesetzt.

Hamburg.  Den Leichnam seiner Freundin verfrachtete er schlicht in einen Rollkoffer. Umgebracht aber, so hatte Reno G. immer wieder beteuert, habe er seine Lebensgefährtin nicht. Doch das Gericht, das über den Fall um die „Kofferleiche“ zu entscheiden hatte, verhängte acht Jahre Haft wegen Totschlags gegen den 51-Jährigen. Drei Monate nach der Urteilsverkündung vom Juli 2017 geriet der spektakuläre Fall erneut in die Schlagzeilen: Der Verurteilte wurde trotz seiner langjährigen Freiheitsstrafe aus der Untersuchungshaft entlassen und auf freien Fuß gesetzt. Es war eine Entscheidung, die in Teilen der Öffentlichkeit und insbesondere bei den Angehörigen des Opfers für Fassungslosigkeit gesorgt hatte. Ein Mann, der als Totschläger gilt, läuft frei herum?

Auch der Fall des Rockers Musa K., der am 20. Oktober 2017 zu sechseinhalb Jahren Freiheitsstrafe unter anderem wegen besonders schwerer Vergewaltigung und Geiselnahme verurteilt wurde und wenig später aus der Untersuchungshaft freikam, sorgte für Empörung. Doch jetzt sind die Verurteilten in den beiden Fällen, der Mann mit der sogenannten Kofferleiche sowie der brutale Vergewaltiger, wieder im Gefängnis. Beide sitzen mittlerweile ihre Haftstrafen ab, erfuhr das Abendblatt auf Anfrage. Musa K. ist seit Januar hinter Gittern, und zuvor musste schon Reno G. seine Gefängnisstrafe antreten.

Reno G. hatte im Prozess um den Tod seiner Freundin zwar eingeräumt, den Leichnam der 49-Jährigen in einem Koffer verstaut zu haben. „Aber ich habe sie über alles geliebt und nicht getötet“, hatte der 51-Jährige versichert. Die Frau war am 8. Mai 2016 durch einen Stich ins Herz umgekommen. Danach hatte ihr Partner sie zunächst auf einem Stuhl sitzen lassen, den Körper mit Waschpulver überschüttet und schließlich in den Koffer gepfercht. Dass sie Suizid begangen habe, wie der Angeklagte behauptet hatte, glaubte das Gericht nicht.

Früher Mitglied einer Rockergruppe

Nach der Verurteilung von Reno G. zu acht Jahren Freiheitsstrafe war die Verteidigung in Revision gegangen. Und gegen einen weiteren Vollzug der Untersuchungshaft legte Reno G. schließlich Beschwerde ein. Das Oberlandesgericht entschied daraufhin, dass eine Fortdauer der Untersuchungshaft unverhältnismäßig sei. Reno G. war freigekommen. Später verwarf der Bundesgerichtshof die Revision. Nachdem das Urteil rechtskräftig wurde, musste der 51-Jährige schließlich seine Haft antreten.

Auch Musa K., ehemals Mitglied einer Rockergruppe, hatte ein schweres Verbrechen begangen. Er hatte unter anderem ein Opfer mehrfach brutal vergewaltigt und war schließlich im Oktober 2017 zu sechseinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Eigentlich hätte er nach dem Schuldspruch in Untersuchungshaft bleiben sollen. Doch nachdem das Urteil wegen der Revisionen von Verteidigung und Staatsanwaltschaft über längere Zeit nicht rechtskräftig wurde, hatte ein Gericht entschieden, dass eine weitere Vollstreckung der Untersuchungshaft nicht mehr verhältnismäßig sei. Deshalb kam der Mann Ende März 2018 vorläufig frei.

Ausschlaggebend dafür war in erster Linie, dass die Fertigstellung des Protokolls sich wegen einer starken Beanspruchung der Kammer in mehreren parallel laufenden Hauptverhandlungen verzögert hatte, sodass das Urteil erst sehr spät zugestellt werden konnte. Nachdem der Bundesgerichtshof die Revisionen im Oktober vergangenen Jahres im Wesentlichen verworfen hat und die verhängte Haftstrafe bestehen blieb, wurden die Akten im Dezember an die Staatsanwaltschaft Hamburg zurückgeleitet. Dort wurde die Vollstreckung eingeleitet und der Verurteilte zum Haftantritt geladen.