Marieluise Beck

Expertin warnt vor Putin: Die Nato muss eingreifen

Marieluise Beck, Christian Jacobs (l.) und Edzard Schmidt-Jortzig.

Marieluise Beck, Christian Jacobs (l.) und Edzard Schmidt-Jortzig.

Foto: Roland Magunia/Hamburger Abendblatt / Roland Magunia

Überseeclub: Osteuropa-Expertin Beck besorgt über Ukraine-Konflikt und Baltikum. Wladimir Putin wolle zum russischen Imperium zurück.

Hamburg.  Der bewaffnete Konflikt um die Ostukraine spielt sich nur gut 2000 Kilometer östlich von Hamburg ab. Dennoch bewegt oder beunruhigt er die Deutschen nicht sonderlich – sollte er aber. Das forderte jedenfalls die Osteuropa-Expertin Marieluise Beck bei einer Veranstaltung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) im Übersee-Club. Geladen war dazu auch der aus Hamburg stammende Außen-Staatsminister Niels Annen (SPD), der jedoch wegen eines defekten Flugzeugs in Brüssel passen musste.

Doch Marieluise Beck, viele Jahre Bundestagsabgeordnete der Grünen und heute Direktorin des Zentrums für die Liberale Moderne, füllte den Abend vor rund 70 fachkundigen Zuhörern im proppevollem Club-Raum auch solo spielend. Eindringlich warnte die 66-Jährige vor den Motiven des russischen Präsidenten Wladimir Putin: Für den „KGB-Agenten aus Dresden“ (Beck) seien keineswegs die beiden Weltkriege die größten Katastrophen des 20. Jahrhunderts gewesen, sondern der Zerfall der Sowjetunion, den er versuche, rückgängig zu machen: „Es geht ihm um die Restauration des Imperiums.“

Putin könnte Soldaten auch nach Estland schicken

Putin werde versuchen, so viele Gebiete wie möglich an Russland zu binden. Nach der Annexion der Krim und der Intervention in der Ostukraine fürchte sie nun um Weißrussland, das wirtschaftlich von Russland abhängig sei und darüber möglicherweise in eine Art Union gedrängt werden könnte. Vorstellbar sei für sie auch, dass Putin seine Soldaten mal ein paar Kilometer nach Estland hineinschicke, um zu testen, wie der Westen reagiert.

So einen Affront gegen ein Nato-Land dürfe sich die Gemeinschaft auf keinen Fall gefallen lassen, warnte Beck. Werde in so einem Fall nicht der Bündnisfall nach Artikel 5 der Nato-Statuten ausgerufen, sehe sie schwarz für den Frieden in Europa: „Wenn die Nato im Baltikum nicht eingreift, wenn Artikel 5 nicht gilt, dann ist die Nato kaputt. Dann weiß der Kreml, dass er so weitermachen kann.“ Europa könne Putin nur geeint entgegentreten, sagte Beck. Die Brexit-Kampagne zeige, wie „das Brecheisen“ an die EU gelegt werde.