Obdachlosenhilfe

30 „Wooligans“ stricken für die Obdachlosen

Vier der Wooligans (v. l.): Anne (39), Johanna (28), Meike (44), Sarah (40)

Vier der Wooligans (v. l.): Anne (39), Johanna (28), Meike (44), Sarah (40)

Foto: Privat

Hamburger helfen mit selbst gemachter Kleidung und wollen Vorurteile abbauen. Schon 4.500 Stücke verteilt.

Hamburg.  Seit Oktober 2017 helfen Sarah McHardy und ihre drei Freundinnen Obdachlosen in ganz Hamburg. Doch die Wooligans sind keine herkömmliche Hilfsorganisation: Sie stricken und häkeln Mützen, Socken und Ähnliches und verteilen sie mithilfe anderer Institutionen an Obdachlose. Und das längst nicht mehr zu viert, denn mittlerweile kommen zu den monatlichen Treffen regelmäßig 30 bis 40 Mithelfer.

„Das Thema Obdachlosigkeit beschäftigte mich schon länger“, sagt Sarah McHardy (40), eine der vier Gründerinnen der Wooligans. Mit 15 Jahren hat sie zum ersten Mal für eine Schularbeit darüber recherchiert. Die Idee, mit gestrickten und gehäkelten Dingen selber zu helfen, hatte sie deshalb schon früh. Doch erst im Herbst 2017 wurde dieser Plan in die Tat umgesetzt. Mit Erfolg: Zum Treff der Arbeiterwohlfahrt (AWO) in Altona (Gefionstraße 3) kommen an jedem dritten Sonntag im Monat zwischen 30 und 40 Menschen, manchmal auch mehr.

Der Renner sind Socken

Mit deren Hilfe konnten so insgesamt schon über 4500 Stücke an Hamburgs Obdachlose verteilt werden. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Frauen, aber auch einige wenige Männer sind dabei. Jeder ist herzlich eingeladen, mitzuhelfen. Denn neben der Hilfe für Obdachlose ist den Wooligans noch etwas anderes wichtig: Man will auch „Berührungsängste und Vorurteile abbauen“, wie es auf ihrer Internetseite heißt. „Brücken zwischen Menschen jeden Alters und jeder Herkunft schlagen und das mit Stricken und Häkeln.“

Zu den Treffen muss nichts mitgebracht werden, Nadeln und vor allem auch Wolle werden bereitgestellt. Sie stammt ausschließlich aus Spenden, die die Wooligans aus ganz Deutschland erreichen. „Im Moment kommen teilweise bis zu zehn Pakete mit Wolle pro Tag an“, so McHardy. Die aktuell stark wachsende Beteiligung begeistert sie natürlich: „Das ist wirklich unglaublich!“ Wer will, kann sich übrigens auch Wolle bei den Treffen abholen und das Gestrickte oder Gehäkelte dann per Post zurückschicken. Was am meisten gebraucht werden würde? „Socken ab Größe 42.“

Die Aktion läuft nicht nur im Winter, das ganze Jahr über wird fleißig gestrickt und gehäkelt. Dann als Vorbereitung auf die kalten Monate. Bei der Verteilung arbeitet man unter anderem mit dem Bergedorfer Engel e.V. und dem Hamburger Gabenzaun zusammen. Im Moment wird außerdem überlegt, die Initative auf Standorte außerhalb Hamburgs auszudehnen, konkrete Pläne gibt es allerdings noch nicht. Aber vielleicht ja potenzielle Mitstreiter aus dem Umland. Wer Kontakt aufnehmen möchte, kann sich per Mail unter netzwerk@wooligans.net an die Initiative wenden.