Missbrauchsverdacht

Proteste gegen geplanten Auftritt von R. Kelly in Hamburg

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Tino Lange
US-R-’n’-B-Sänger
R. Kelly (52),
hier 2013 in Los
Angeles, soll am
14. April in der
Hamburger Sporthalle auftreten.

US-R-’n’-B-Sänger R. Kelly (52), hier 2013 in Los Angeles, soll am 14. April in der Hamburger Sporthalle auftreten.

Foto: Frank Micelotta / dpa

Der unter Missbrauchsverdacht stehende US-Star will in der Sporthalle singen. Bereits seit 1994 gibt es Vorwürfe.

Hamburg.  Es war nur eine Frage der Zeit, bis die #MeToo-Debatte nicht nur das Filmgeschäft, sondern auch die ebenso eitle, männerdominierte Glitzerwelt der Popmusik erreichte – und im Falle des US-amerikanischen R-’n’-B-Superstars Robert Sylvester Kelly alias R. Kelly (52, „I Believe I Can Fly“) auch die Hansestadt. Am 14. April ist ein Konzert in der Sporthalle geplant, davor am 12. April in Ludwigsburg. Dagegen erhebt sich derzeit in den sozialen Netzwerken wachsender Widerstand.

Bereits seit 1994 sieht sich R. Kelly wiederholt mit Gerüchten, Vorwürfen und Anklagen im Zusammenhang mit Sex mit Minderjährigen, Besitz von Kinderpornografie, Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Vergewaltigung konfrontiert, verurteilt wurde Kelly bislang nicht. Eine durch #MeToo inspirierte Protestbewegung unter dem Hashtag #MuteRKelly (#RKellystummschalten) erhielt 2018 viel Zulauf, darauf folgte vom 3. Januar 2019 an die sechsteilige TV-Dokumentation „Surviving R. Kelly“ des US-Bezahlsenders Lifetime. Sie ließ zahlreiche mutmaßliche Opfer, Mitbetroffene und Zeugen aus R. Kellys nächstem Umfeld zu Wort kommen. Neue Verfahren wurden eingeleitet und Kellys Plattenfirma RCA Records beendete umgehend die Zusammenarbeit.

Absage der Auftritte gefordert

„Wie kann es sein, dass ausgerechnet in Deutschland diesem Sexualverbrecher eine Bühne gegeben werden soll, welche auch noch von öffentlichen Institutionen vorangetrieben wird?“, fragen das DJ-Duo Hoe__Mies und die Moderatorin Salwa Houmsi, Initiatoren einer Online-Petition auf change.org gegen Kellys Deutschland-Konzerte, die bislang knapp 5000 Unterzeichner sammelten. Sie fordern den Boykott und die Absage der Auftritte. Aber das Bezirksamt Hamburg-Nord als Betreiber der Sporthalle „ist vertraglich gebunden und sieht derzeit keine rechtliche Handhabe, den Vertrag einseitig zu kündigen“, teilte Bezirksamtssprecher Daniel Gritz mit. Es obliege dem Veranstalter, zu entscheiden, ob es opportun erscheint, das Konzert stattfinden zu lassen.

Der in Hamburger Musikkreisen nahezu unbekannte Konzert- und Party-Veranstalter Thomas Bernard von Bernard Events/Invaders Entertainment mit Sitz in Schorndorf bei Stuttgart, der im Vorverkauf 95 Euro pro Ticket für das Konzert von R. Kellyaufruft, war für ein Statement bislang nicht zu erreichen. Aber am 5. Januar schrieb er auf Facebook: „Sie sind der Größte, Mr. R. Kelly, komme was wolle.“

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