Leihräder

20 Lastenesel und 138 neue Stadtrad-Stationen für Hamburg

Hamburgs erstes Lasten Pedelec wird vorgestellt. Von links: Jürgen Gudd  vom Stadtrad-Betreiber Deutsche Bahn Connect , Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Radverkehrskoordinatorin Kirsten Pfaue (parteilos)

Hamburgs erstes Lasten Pedelec wird vorgestellt. Von links: Jürgen Gudd vom Stadtrad-Betreiber Deutsche Bahn Connect , Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Radverkehrskoordinatorin Kirsten Pfaue (parteilos)

Foto: MICHAEL RAUHE

Der Lastenpedelec fährt gut, elektrisch und sauber geradeaus. Er steht an 20 Stationen zur Verfügung und kann 45 Kilo laden.

Hamburg. Nach zehn Jahren Erfolgsgeschichte und vier Wochen Pause im Januar startet das Radverleihsystem Stadtrad in Hamburg neu durch. In den kommenden zehn Jahren Vertragslaufzeit zwischen der Stadt Hamburg und dem Anbieter, einer Tochter der Deutschen Bahn, sollen die derzeit 222 Ausleihstationen auf 350 wachsen, die Fahrradflotte von 2630 Rädern auf dann 4500. Es sollen alle S- und U-Bahnhöfe angebunden und alle Stadtteilzentren angeschlossen werden, sagten Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und Radverkehrskoordinatorin Kirsten Pfaue (parteilos)

Heute Mittag stellten sie die von der Bahn selbst entwickelten neuen Räder vor, die an den Stationen der Stadt vom 1. Februar an bereitstehen. Der Hingucker ist das neue Lastenrad mit unterstützendem E-Motor, das ab 1. April entleihbar sein wird.

An zunächst 20 Stationen soll es zur Verfügung stehen und 45 Kilo zuladen können. Dafür wurde das normale Modell verlängert, um vor dem Lenker eine Kiste aus wasserfest verleimtem Sperrholz unterbringen zu können. Die erste Probefahrt zeigte: Die Fuhre ist zwar schwer, lässt sich aber gut lenken und ist wesentlich beweglicher als sie aussieht. Immerhin soll die Kiste 45 Kilo schlucken, wahlweise können auf einer Klappbank zwei Kinder in Fahrtrichtung sitzen. Zwei Sicherheitsgurte sind dafür installiert.

Bei 22 Stundenkilometern schaltet der E-Antrieb ab

Der permanent zugeschaltete E-Motor unterstützt gut, so dass sich der Kraftaufwand für den Fahrer in Grenzen hält. Aber so richtig zügig vorwärts geht es auch wieder nicht. Da spielen Sicherheitserwägungen eine Rolle, schließlich ist nicht jeder Stadtrad-Kunde ein routinierter Beweger von Lastenrädern. Bei 22 Stundenkilometern schaltet der E-Antrieb ab und überlässt das weitere Beschleunigen der Muskelkraft des Fahrers.

Die Bremsen (vorn Scheibe, hinten Trommel) sind gut, der Wendekreis klein, die Shimano-Nabenschaltung hat sieben Gänge. An der Rückwand der Kiste sind zwei kräftige Griffe angebracht, die das Rangieren erleichtern. Eine Plane schützt die Ladung vor Regen. Die Lenkung funktioniert über Gestänge und dämpft die bauartbedingte Pendelneigung des einspurigen Lastenesels sehr gut ab.

Die 20 Lastenesel sollen zunächst „im A-A-Verkehr“ eingesetzt werden, das heißt: Sie müssen immer da abgegeben werden, wo sie entliehen wurden. Dort werden sie mit dem Anschließen an die Station zugleich an der Ladestation angedockt. Wenn die Kunden das System gut annehmen, will die Bahn bis zu 70 Lasten-Pedelecs in Dienst stellen.

Hier können Sie die Karte der Lastenradstandorte herunterladen

Sie kosten im Wesentlichen dasselbe wir normale Stadträder (erste 30 Minuten kostenlos, danach zehn Cent pro Minute bzw. verbilligt acht Cent) Nur die Tagesgebühr ist mit 24 Euro höher als die für normale Räder (15 Euro). Und die Lastenesel kosten drei Euro Reservierungsgebühr (bei normalen Rädern ist das gratis).

Alle Änderungen gehen auf Kundenwünsche zurück

Auch das Normal-Rad wurde renoviert und fährt jetzt leichter. Die Sitzposition ist dank neuem Lenker besser, der Sattel bequemer. Die sieben-Gang Nabenschaltung versieht ihren Dienst effektiv und unspektakulär. Der tiefer liegende Einstieg zahlt auf die Bequemlichkeit ein. Das Schloss wanderte nach oben und ist jetzt konzipiert wie ein gängiges Rahmenschloss unter dem Sattel. An der Sattelstütze zeigt eine Skala die Sattelhöhe an, so dass sich der Fahrer seinen Idealwert merken kann. Im Lenkerdreieck prangt eine große Armatur mit dem Display für die Eingabe des Entriegelungscodes.

Alle Änderungen gehen auf Kundenwünsche zurück. Nicht umgebaut wurde der Gepäckträger, weil das Echo auf das runde Blech am Heck nicht eindeutig genug war. Einige beanstandeten die Form, die andere gerade schätzten, weil sie die Mitnahme selbst von Koffern erlaubt.

CDU moniert zu langsamen Ausbau

Tschentscher lobte die neuen Räder und sprach von einem Gewinn an Flexibilität und Erlebniskultur für die Stadt. Stadtrad verbessere Lebensqualtät und Mobilität. „Das Fahrrad entwickelt sich immer mehr zu einem leistungsfähigen Verkehrsmittel.“ Jeder neue Ausbauschritt vergrößere seine Bedeutung. Der verkehrspolitische Sprecher der Grünen-Franktion, Martin Bill, sprach von einem „ weiteren Baustein auf dem Weg zur Fahrradstadt“.

Dagegen forderte der verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, Dennis Thering, mehr Tempo: „Die Aufnahme von Pedelecs in die Stadtrad-Flotte haben wir schon vor über zwei Jahren beantragt.“ Die Erfolgsgeschichte des Stadtrad-Systems sei kein Selbstläufer, das Angebot müsse ständig erweitert und verbessert werden. „Deshalb lehnen wir auch die von Rot-Grün beschlossenen Preiserhöhungen ab. Zur Refinanzierung sollten Werbeflächen auf den Rädern vermarktet werden.“ Stadtrad verlangt jetzt eine jährliche Grundgebühr von 5 Euro und hat auch die Minutenpreise um 2 Cent angehoben.

2019 sollen 25 neue Stationen entstehen

Die Stadt zahlt der Deutsche Bahn Connect jährlich derzeit etwa 1 Million Euro für den Betrieb der Stadträder. Mit dem Ausbau des Systems wird das mehr werden. 2019 sollen 25 neue Stationen kommen in den folgenden Jahren bis 2022 bis zu 40 im Jahr. Auswahlkriterien sind die Einwohnerdichte, die Zahl der Arbeitsplätze und die Resonanz bei den Bürgerbefragungen. Die nächsten Stadtrad-Stationen entstehen in Rahlstedt, am Flughafen und in der Straßburger Straße.

Einen „Quantensprung“ feierte der Bürgermeister, als er den Stadtrad-Schlüsselanhänger erläutert bekam. Prompt orderte er das ca. vier Zentimeter lange Gerät, das einmalig neun Euro kostet. In ihm verbirgt sich ein kleiner ID-Chip, mit dem das Rad ganz ohne App und Smartphone entriegelt werden kann. Nicht-Bürgermeister müssen das Gerät per Mail oder telefonisch bei Stadtrad bestellen. Es kostet einmalig neun Euro.