Parfum

Wen Panikrocker Udo Lindenberg gut riechen kann

Niko Kazal, Udo Lindenbergs Stylistin, hat jetzt auch ein Parfüm kreiert. Sie hat eine Vitrine im Hotel Atlantic.

Niko Kazal, Udo Lindenbergs Stylistin, hat jetzt auch ein Parfüm kreiert. Sie hat eine Vitrine im Hotel Atlantic.

Foto: Andreas Laible / HA

Niko Kazal ist Stylistin des Musikers– nun macht sie (auch) ihr eigenes Ding. Was Patrick Süskind mit der Idee zu tun hat.

Hamburg.  In ihrem Job dreht sich naturgemäß immer alles um die anderen. Um deren Aussehen, Styling, Attitüde. Niko Kazal macht beruflich prominente Künstler bühnen- und fotofein, mit Hingabe. Seit Jahrzehnten ist sie es, die für Udo Lindenberg die eigens in Italien gewebten und gefertigten schmalen „Schlipse“ auswählt, die Augen hinter der dunklen Brille schminkt und ihm Vorschläge für seine Outfits für Konzerte, Dreharbeiten oder öffentliche Auftritte macht. Nicht umsonst nennt er sie „die Zarin“ (wegen „russischer Anmut und entfernter Verwandtschaft“), sie ist Teil seiner so- genannten Panikfamilie.

Und ist man da einmal drin, so gehört neben bester Arbeit zu allen Stunden des Tages (oder der Nacht) Loyalität und eine gute Prise Verschwiegenheit. Deshalb druckst die sonst so gar nicht mundfaule Niko Kazal etwas herum und lässt sich kaum hinreißen, ein wenig über ihr neues „Ding“ und den Panikrocker-Chef Lindenberg zu erzählen. Jüngst hat sie zwei intensive Duft-Elixiere gemeinsam mit einem Parfümeur in Hamburg kreiert. „Ja, Udo hat bei der Namensfindung mitgemacht“, sagt die „Zarin“.

Schwere Essenz

„Black Blessing“ heißt die schwere Essenz, die aus „gefährlich-exzentrischem schwarzen Cannabis und einigen anderen Geheim-Zutaten“ besteht. „White Blessing“ nennt sie die Gegenvariante, „mein frischer, blonder Duft, der ist wie ein Seidentuch um dich rum mit Bergamotte, Absinth und Sternenstaub“, sagt Kazal. Lindenberg, der ihr freundschaftlich das „Blessing“ (engl. für Segnung) hinnuschelte, nutze übrigens den weißen Duft. „Erst hätte ich es nicht gedacht, dass er diesen trägt, dachte, es sei ihm zu psychedelic, aber es passt natürlich, denn er ist ein sehr sportlicher Mann“, sagt Niko Kazal, die Udo Lindenberg als 16-Jährige kennenlernte.

Entstanden ist die Idee des eigenen Nischen-„Paföngs“ jedoch erst später, durch Patrick Süskinds Buchverfilmung „Das Parfüm“ und dadurch, dass die Hamburgerin mit Ladengeschäft auf der Langen Reihe 45 aufgrund ihrer Arbeit immer sehr nah an die Menschen herankommt – etwa beim Schminken oder Haareschneiden. „Ich bin da extrem sensibel und nehme sogar Medikamente mit der Nase wahr“, sagt Kazal.

Doch den perfekten Duft fand sie beim Schnüffeln nie, „konventionelle Düfte haben mich angeekelt“, sagt die Mutter der 31-jährigen Sarah Lalenia mit einnehmender Offenheit. Schon als junges Mädchen habe sie sich als „Hippie-Kind“ der Kunstszene zugehörig gefühlt. „Und die rochen da alle nach Cannabis und irgendwie noch anders, jedenfalls nicht nach Maiglöckchen“, sagt Kazal.

Es ging nicht in erster Linie um Geld

Deshalb mischte die Frau mit den stets schwarz umrandeten Augen schon immer Öle, Essenzen und Duftstoffe „direkt aus dem Abendland“ für sich selbst. „Mich riecht man schon im Aufzug, wenn es in Richtung Bühne geht“, sagt sie keck, „wenn ich komme, fallen wegen der Duftwolke, die ich hinter mir herziehe, alle in Ohnmacht.“ Kazal kichert, lebt und liebt sie doch das Extrovertierte der Show-Welt, der sie angehört. Und diejenigen, die sie fesch für ihre Auftritte macht – das sind aktuell der Sänger Clueso, An­dreas Bourani, Schauspielerin Maria Furtwängler, Yvonne Catterfeld und die Künstlerin Deine Cousine.

Nun gibt es die beiden Duft-Essenzen der Zarin, ihre „Lockstoffe“, abgefüllt in länglichen 10-Milliliter-Fläschchen, auch zu kaufen, je 50 Euro. „Momentan in Berlin in den Hackeschen Höfen bei Auerbach Manufaktur und im Hotel Atlantic im Energy Spa“, sagt Kazal. Die Hamburger Meister-Parfümerie ist im Frühjahr 2019 ihr erster Hamburger Abnehmer. „Ans Geldverdienen damit habe ich in erster Linie wirklich nicht gedacht“, so Kazal, „ich mache das alles ganz langsam, bin ja mein eigener Vertrieb.“

So lässt sie sich auch beim Thema Verpackung nicht reinreden, verzichtet darauf, in die gängigen Regale zu passen, weil sie anders einpackt: „Ich will keine Kartons plus umweltschädliches Plastik um meine Flakons haben.“ Sie verpackt in einem edlen Samtsäckchen und passt mit ihrem Produkt deshalb wahrscheinlich nicht in jedes genormte Parfümerie-Regal.

Und genau das möchte sie auch gar nicht. Feenstaub könne ja nun sowieso nicht jeder tragen.

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