Verbraucherschutz

Schlüsseldienst zockt Hamburger ab – so schützen Sie sich

Dauert meist nur kurze Zeit:  Türöffnen mit dem Profi

Dauert meist nur kurze Zeit: Türöffnen mit dem Profi

Foto: picture alliance / dpa Themendienst

Fünffache Mutter sperrte sich und ihre Kinder aus. Ein Handwerker öffnet die Tür in wenigen Minuten und verlangt viel Geld – zu viel.

Hamburg.  640 Euro für drei Minuten Arbeit. So viel sollte Marina Kneer dem von ihr beauftragten Schlüsseldienst für das Öffnen eines Standardschlosses bezahlen, nachdem die fünffache Mutter sich aus ihrer Wohnung ausgesperrt hatte. Den Dienstleister hatte sie im Internet gefunden. „Ich habe bei Google die Begriffe Hamburg und Schlüsseldienst eingegeben“, sagt Kneer.

An oberster Stelle auf der Seite erschien schlossauf.de und warb mit Preisen ab fünf Euro. Auf den ersten Blick ein seriöser Anbieter. „Normalerweise nehme ich mir bei Internet-Annoncen die nötige Zeit, um Bewertungen zu recherchieren“, sagt Kneer. Aber es sei kalt gewesen, die Kinder wollten ins Haus und in so einer Situation falle es schwer, klar zu denken.

„Genau solche Umstände nutzen unseriöse Anbieter aus“, sagt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg. Die Kunden seien aufgeregt und würden schnell zurück in die Wohnung wollen, weshalb im Regelfall einfach gezahlt werde. „Die Fälle nehmen in Hamburg wieder zu“, sagt Rehberg.

Jede Woche mehrere Beschwerden

Jede Woche beschwerten sich mehrere Betroffene bei der Verbraucherzentrale über zu hohe Rechnungen von Schlüsseldiensten. „Erst am Dienstag hatte ich eine Verbraucherin, die für eine von schlossauf.de vermittelte Türöffnung 1200 Euro zahlte“, sagt Rehberg.

Angemessen seien rund 90 Euro für die Türöffnung – Anfahrt inklusive. „Am Wochenende muss mit etwa 180 Euro gerechnet werden, abends bis 22 Uhr mit einem Aufschlag von 50 Prozent und nachts von 100 Prozent“, erklärt Rehberg. Wird nicht vorher über den Preis gesprochen, dürfe der übliche Tarif trotzdem nicht wesentlich überschritten werden. Verlangt der Monteur mehr, sollten Kunden sich nicht darauf einlassen, den gesamten Betrag zu zahlen.

Denn sobald alles bezahlt ist, wird es schwer, das Geld wiederzubekommen. Zwar stehe dem Verbraucher bei Wucher eine teilweise Rückerstattung zu, aber: „Ich tue mich schwer, den Rechtsweg zu empfehlen“, sagt Rehberg. Ein Prozess dauere oft lange, die Kosten seien hoch. Werde dagegen nur gezahlt, was angemessen erscheint, müsse der Rechnungssteller nachweisen, dass seine Forderungen rechtens sind.

Identische Internetauftritte für viele deutsche Städte

Wie Menschen, die sich ausgeschlossen haben, unter Druck gesetzt werden, lässt sich am Beispiel von Marina Kneer gut erzählen. Der Monteur war erst nach getaner Arbeit mit dem Preis rausgerückt. „Er hatte behauptet, dass es vorher nicht möglich sei“, sagte Kneer. Dafür konnte er die geforderten 640 Euro genau aufschlüsseln: eine Pauschale für die Anfahrt, ein Fixbetrag für jede angefangene Viertelstunde (!), ein Fixbetrag für die Türöffnung, ein 100-Prozent-Aufschlag für den Sonnabend - und bitte: Zahlung in bar.

Als Kneer fragte, ob der Herr eine EC-Karte nehmen würde, sagte er: „Das Lesegerät ist leider defekt. Aber ich begleite sie gern zur Bank, wenn sie das Geld abheben wollen.“ Das wollte die Mutter nicht: Am Ende bot sie dem Monteur die 200 Euro an, die sie bar vorrätig hatte. Er akzeptierte und kündigte an, sich den Rest persönlich am Dienstag zu holen. Als er sich dann zwei Tage später telefonisch meldete, erklärte Kneer, nicht mehr als die 200 Euro zahlen zu wollen und bat um den Namen des Handwerkers. Der legte auf.

Auf der Homepage von schlossauf.de lächelt den Besucher ein sympathisch aussehender Monteur im Blaumann an, dessen Name angeblich Ronald Bergmann ist. Bergmann führe in Hamburg und Umgebung preiswerte Türöffnungen durch. Wer ins Impressum der Seite schaut, dem offenbart sich ein anderes Bild. Dort steht, schlossauf.de sei lediglich eine Vermittlungsfirma und nicht verantwortlich für die Ausführung seiner Partnerfirmen. Die Firma hat identische Internetauftritte für viele deutsche Städte geschaltet.

Unzählige negative Erfahrungsberichte im Internet

„Der Vermittler haftet im Normalfall nicht für die vertragliche Vereinbarung zwischen Kunde und ausführendem Unternehmen“, sagt Verbraucherschützerin Rehberg. Wenn aber nur zum Schein vermittelt und stattdessen an der Abzocke kräftig verdient werde, könne das Konsequenzen haben. Vergangenes Jahr seien in Nordrhein-Westfalen zwei Betreiber einer solchen Seite zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden. „Die beiden haben bundesweit Handwerker vermittelt, die oft völlig überzogene Preise verlangt haben“, sagt Rehberg. Ihre Masche scheinen nun andere nachzuahmen.

Bei Bewertungsportalen im Internet finden sich unzählige negative Erfahrungsberichte über von der Seite schlossauf.de vermittelte Monteure. Von „Abzocke“ und „Betrug“ ist die Rede, teilweise wurden Kunden auch bedrängt, bedroht und sogar bestohlen. Auf Anfrage wollten sich die Betreiber nicht äußern. Auch bei der Hamburger Polizei ist die Firma schlossauf.de bereits bekannt. Polizeisprecher Rene Schönhardt rät dazu, sich bei der Suche nach einem Schlüsseldienst etwas Zeit zu lassen und nicht das erste, scheinbar günstigste Angebot zu wählen.

„Das kann eine Menge Ärger ersparen“, sagt Schönhardt. Außerdem solle mit dem Handwerker vor Beginn der Arbeiten ein Festpreis ausgehandelt werden. Sei das nicht möglich, könne der Verbraucher vom Vertrag zurücktreten, den Handwerker „einfach wieder wegschicken“. Bei der Suche nach einem seriösen Anbieter helfe auch eine von der Polizei geführte Liste seriöser Anbieter von Sicherungstechnik. Viele der dort gelisteten Firmen böten auch Schlüsselnotdienste an.