Hamburg

Nach Therapeuten-Demo: Schulgeld wird bald abgeschafft

Therapeuten demonstrierten für die Abschaffung des Schulgelds und bessere Verdienstmöglichkeiten.

Therapeuten demonstrierten für die Abschaffung des Schulgelds und bessere Verdienstmöglichkeiten.

Foto: Thoya Urbach

300 angehende Therapeuten hatten am Donnerstag auf dem Rathausmarkt mehr Gehalt und eine kostenfreie Ausbildung gefordert – mit Erfolg.

Hamburg.  Sie fordern die Abschaffung des Schulgelds und bessere Bezahlung. Am Donnerstagnachmittag demonstrierten rund 300 Therapeuten vor dem Hamburger Rathaus. Das Vorhaben der Stadt, die Schulkosten für angehende Physio- und Ergotherapeuten sowie Logopäden zu erlassen, reicht ihnen nicht. „Wir wollen, dass auch Diätassistenten, Masseure und medizinische Bademeister und Fußpfleger kein Geld mehr für ihre Ausbildung zahlen müssen“, sagte Rieke Guhl, Organisatorin der Demonstration.

Die angehenden Therapeuten hielten Plakate hoch und riefen „Schulgeldfreiheit jetzt!“ Sie forderten zudem eine höhere Vergütung von den Krankenkassen. „Es kann nicht sein, dass wir für unsere Ausbildung bezahlen müssen und dann so schlechte Verdienstmöglichkeiten haben“, sagte der Ergotherapeut Michael Schiewack vom Aktionsbündnis „Therapeuten am Limit“. Durchschnittlich verdiene ein Therapeut in Vollzeit 2100 Euro brutto.

Auch Yulia Ognisteva, angehende Physiotherapeutin, demonstrierte mit. Sie macht im Sommer ihr Examen. „Das ist ein schöner Beruf, aber er hat einen bitteren Beigeschmack. Weil man weiß, dass er nicht wertgeschätzt wird“, sagte sie. Sophie Klein, Schulsprecherin an der Berufsfachschule für Logopädie in Alsterdorf, klagte: „Es kann nicht sein, dass wir einen so vollen Stundenplan haben, Patienten behandeln und dazu noch arbeiten müssen. Und dann die Nächte durchlernen müssen, damit wir klarkommen“, sagt sie.

Schulgeldfreiheit schon von April an

Einen ersten Erfolg konnten die Demonstranten umgehend verbuchen. So soll die Schulgeldfreiheit nach dem neuen Plan von Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) bereits im April kommen. "Das war notwendig, weil Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hier zwar Versprechungen für die Bundesländer gemacht, aber nicht geliefert hat", sagte Christiane Blömeke (Die Grünen), Vorsitzende des Gesundheitsausschusses der Bürgerschaft: "Mit der Schulgeldfreiheit ab April liegt Hamburg im Vergleich der Bundesländer vorn."

Die Erlassung des Schulgelds in Hamburg war ursprünglich für das kommende Schuljahr vorgesehen. Bis 2020 ist eine bundeseinheitliche Regelung mit Schulgeldfreiheit der Therapeutenausbildungen geplant. Zurzeit bezahlen die Schüler 440 Euro monatlich. Niedersachsen und Schleswig-Holstein hatten diese Schulgebühren zu Beginn dieses Jahres gestrichen.