Hamburg

Vater soll eigene Tochter fast getötet haben: Prozessbeginn

Als er erfuhr, dass die 14-Jährige einen Freund hat, soll er sie massiv gewürgt haben. Nun startet der Prozess gegen den Vater.

Hamburg.  Die 14-Jährige muss Todesängste ausgestanden haben: Ihr eigener Vater soll sie so stark gewürgt haben, dass das Mädchen einnässte und in akuter Lebensgefahr schwebte. Und das ist nur ein Teil des Martyriums, das die 14-Jährige erleiden musste. Ihr Vater, der 44-jährige Ibrahim S., muss sich nun ab kommenden Donnerstag vor Gericht verantworten. Ihm wird gefährliche Körperverletzung, Misshandlung von Schutzbefohlenen, versuchte Nötigung vorgeworfen.

Dem Vater sollen am 6. Juli 2018 die Sicherungen durchgebrannt sein, als er erfuhr, dass seine Tochter einen Freund hat. Er stellte die Jugendliche im Haus der Familie in Billstedt zur Rede und es kam zum Streit, der eskalierte. Aus Wut soll Ibrahim S. seiner Tochter ins Gesicht geschlagen, sie an den Haaren ins Wohnzimmer gezogen und dort massiv gewürgt haben.

Vater schlug mit Elektrokabel zu

Auch nach der brutalen Attacke ließ der Ägypter nicht ab von seinem Kind. Laut Staatsanwaltschaft schlug er den Kopf der 14-Jährigen mehrfach auf den Boden und „setzte seine Schläge mit einem Holzstuhl fort“. Anschließend zwang er das Mädchen, ins dunkle Badezimmer zu gehen und dort zu bleiben.

Einige Zeit später soll er ihr mit einem Elektrokabel mehrmals wuchtig auf den Oberschenkel geschlagen haben. Der 14-Jährigen gelang schließlich die Flucht aus der Wohnung, wie die Polizei damals mitgeteilt hatte. Sie hatte Freunde angerufen, die wiederum die Polizei und Rettungskräfte alarmierten. Schwer verletzt wurde sie am ZOB-Billstedt angetroffen. Das Mädchen hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft diverse Hämatome, eine Beule am Kopf, Einblutungen der Bindehäute und Augenlider sowie Schleimhautverletzungen im Mund erlitten.

Auch seine Nichte hatte er gewürgt

Es war nicht das erste Mal, dass Ibrahim S. die Kontrolle verloren hatte. Denn die Staatsanwaltschaft wirft dem 44-Jährigen auch vor, am 19. Mai 2018 in einem Gemüseladen an der Billstedter Hauptstraße seine 18-jährige Nichte am Hals gepackt und so stark gewürgt zu haben, dass die junge Frau kaum noch sprechen konnte.

Zudem soll er der 18-Jährigen, die sich in dem Laden mit zwei ihrer Cousinen aufhielt, mit der Faust auf den Rücken geschlagen haben. Und Ibrahim S. ging noch einen Schritt weiter: Er soll seiner Nichte damit gedroht haben, sie zu töten, falls er sie noch einmal mit ihren Cousinen sehe. Der 17-jährigen Cousine verpasste er eine Ohrfeige und verbot zudem beiden Mädchen, weiterhin Kontakt zu seiner Nichte zu haben. Auch den Cousinen drohte er mit dem Tode.

Kurz nach der Attacke auf seine Tochter im Juli 2018 hatten schwer bewaffnete Elitepolizisten des Mobilen Einsatzkommandos (MEK) ein Einfamilienhaus mit weißer Fassade in Billstedt gestürmt und den 44-Jährigen dort festgenommen. Der Ermittlungsrichter erließ damals einen Haftbefehl wegen versuchten Mordes.