Hamburg

Frédéric von Anhalt: Autounfall nach Abendblatt-Gespräch

Frédéric Prinz von Anhalt (75) am Mittwoch an der Außenalster.

Frédéric Prinz von Anhalt (75) am Mittwoch an der Außenalster.

Foto: ANDREAS LAIBLE

Hamburg statt Hollywood? Der adoptierte Prinz sucht einen Zweitwohnsitz. Zwischen Hamburg und Berlin verunglückte er auf der A24.

Hamburg. Schreck für Frédéric Prinz von Anhalt. Der Witwer der Hollywood-Schauspielerin Zsa Zsa Gabor ist heute auf dem Weg von Hamburg nach Berlin auf der A24 mit dem Auto verunfallt. Von Anhalt wurde von einem Reisebus so geschnitten, dass er eine Vollbremsung machen musste. Der 75-Jährige touchierte mit seinem Wagen die Leitplanke. Er selbst kam bei dem Vorfall mit einem Schrecken davon. Sein Auto wurde allerdings beschädigt. Der Außenspiegel brach ab, die Tür wurde eingedrückt. Zuvor war Frédéric Prinz von Anhalt im Hotel Atlantic zum Abendblatt-Gespräch verabredet.

Der Prinz hat verschlafen. Und erscheint zum vereinbarten Zeitpunkt im Hotel Atlantic nicht. Die Dame an der Rezeption ist so nett und ruft auf seinem Zimmer an. Herr von Anhalt lässt sich entschuldigen, er sei gerade erst wach geworden. Eine halbe Stunde brauche er etwa noch, es täte ihm unheimlich leid. Am Tag zuvor war die große Gala „Hamburger des Jahres“, da kann es schon mal etwas später werden.

Schlichte Cordhose, dicker Pulli – und eine Gucci-Mütze auf dem Kopf

Am Ende dauert es nur zehn Minuten, bis er kommt. Eine schlichte Cordhose, dazu ein dicker Pulli – und eine Gucci-Mütze auf dem Kopf. Im Frühstücksraum möchte von Anhalt nicht gleich erkannt werden. Er sucht einen Platz weiter hinten aus, ordert drei Pancakes, dazu eine Kanne Kaffee. Dann kann es losgehen, das Gespräch über sein Leben, seine Pläne, die USA – und über die Frage, ob seine Zukunft nicht vielleicht in Hamburg liegt.

Frédéric Prinz von Anhalt, der ursprünglich Hans-Robert Lichtenberg hieß und sich 1980 von Marie Auguste Prinzessin von Anhalt adoptieren ließ, ist ein unterhaltsamer Gesprächspartner. Zu jedem Thema hat er eine Meinung und viel aus den 36 Jahren zu erzählen, die er in den USA verbrachte. Die meisten von ihnen an der Seite seiner Frau Zsa Zsa Gabor, der berühmten Schauspielerin.

Der Prinz bleibt noch eine Weile in Deutschland

Und von der ist auch gleich die Rede. Seit dem Tod der damals 99 Jahre alten Filmdiva Ende 2016 sei nichts mehr so, wie es war, sagt er. Das sei auch der Grund, warum er sich viel mehr in Deutschland aufhalte. „Künftig möchte ich fünf Monate im Jahr hier verbringen.“ In welcher Stadt, das hat er noch nicht endgültig entschieden: „Hamburg, Berlin oder München soll es werden“, sagt der Prinz und: „Wenn ich weiterhin hier so tolle Feste wie gestern Abend erleben kann und so viele gute Leute treffe, dann hat Hamburg gute Chancen.“ Die HafenCity gefalle ihm genauso wie die Gegend rund um die Alster. „Hier langzulaufen ist wirklich schön.“ Und das schlechtere Wetter störe ihn überhaupt nicht. Heiße Sommer habe er an der US-Westküste ja genug.

Bis Anfang 2019 wird von Anhalt in Deutschland bleiben. Gestern schon ging es mit dem Auto nach Berlin.

Über die Feiertage wird er im Hotel Adlon am Brandenburger Tor absteigen. „Aus der Zeit mit meiner Frau habe ich daran viele gute Erinnerungen“, sagt der Mann, der aus dem gemeinsamen Haus in Bel Air in den USA inzwischen ausgezogen ist.

Eine Wohnung in Beverly Hills mit 320 Quadratmetern

„Das konnte ich alleine ja gar nicht bewohnen.“ Nur drei Zimmer habe er zuletzt genutzt, die übrigen seien verschlossen gewesen. 25.000 Dollar habe ihn die Villa mit ihren 28 Räumen monatlich gekostet. „Wenn man da nicht vereinsamen will, muss man Partys geben. Das habe ich früher für meine Frau gemacht, aber warum sollte ich das jetzt noch tun?“ Inzwischen habe er sich eine Wohnung in Beverly Hills gekauft, immerhin mit 320 Quadratmetern. 14.000 Dollar bezahle er dafür monatlich und habe Nachbarn wie Sylvester Stallone. „Wenn man ehrlich ist, bin ich dort nur zum Schlafen, eigentlich ist die zu groß.“ Deshalb reiche ihm für Deutschland auch eine „kleinere Bleibe“, vielleicht so um die 160 Quadratmeter. „Nur einen Concierge und Security möchte ich gern haben“, so von Anhalt. „Ich möchte mich selbst um nichts kümmern müssen.“ Schließlich habe er im kommenden Jahr so viel zu tun.

Das Leben seiner verstorbenen Frau ist es, das ihn 2019 so beschäftigen wird. Im Februar wird der Sender Arte einen Dokumentarfilm über die Schauspiel-Diva ausstrahlen. Gedreht wurde er mithilfe des Prinzen. „Niemand anders kann ja die ganzen Geschichten sonst noch erzählen“, sagt er. Ein weiterer Film des US-Senders HBO sei gerade in Planung, die Dreharbeiten sollen 2019 beginnen. „Dann haben mich einige Verlage wegen eines Buches angefragt. Es gibt also viel zu tun.“ Und dafür habe er nicht mehr so viel Zeit, sagt von Anhalt. Schließlich sei er bereits 75, „und man weiß ja in diesem Alter nie, wie lange man noch körperlich und geistig fit bleibt“. Also wolle er alle Projekte schnell angehen. Dafür müsse er dann viel in Deutschland sein, vielleicht in Hamburg. „Spätestens im Februar wissen wir mehr“, sagt von Anhalt. Er sei ein Mensch schneller Entscheidungen.

Kurz vor der Verabschiedung wird es noch einmal politisch. Von Anhalt bekennt: „Ich bin Republikaner, schon seit vielen Jahren.“ Deshalb sehe er den US-Präsidenten Donald Trump nicht so kritisch wie viele andere. „Er hat schon viel bewegt in diesem Land.“ Aber der Präsident werde oft schlechter dargestellt, als er wirklich sei. Es sei ja oft so, dass im Ausland die Medien eine andere Sicht auf die Dinge hätten. „Wenn sie die Berichte über Deutschland in den USA verfolgen würden, könnten Sie auch denken: so viel Hetze, so viel Kriminalität.“ Dabei sei es doch wirklich schön hier. Deshalb komme er jetzt ja auch zurück, „zumindest zum Teil“.