Hamburg

Mädchen sexuell missbraucht: Täter erhält Bewährungsstrafe

Das Landgericht Hamburg: Der 22-Jährige erhielt 21 Monate Haft mit Bewährung (Symbolbild).

Das Landgericht Hamburg: Der 22-Jährige erhielt 21 Monate Haft mit Bewährung (Symbolbild).

Foto: imago/Strussfoto

Die Prozessbeteiligten erzielten einen Deal. Das Geständnis des 22-Jährigen wirkte sich zu seinen Gunsten aus.

Hamburg.  Das Mädchen ahnte nichts Böses. Es war gerade damit beschäftigt, ein Bild zu malen, in dem Wohnwagen, der dem Kind einer Schaustellerfamilie als Kinderzimmer diente. Da hörte die Zwölfjährige, wie ein fremder Mann in ihr Zuhause eindrang. Der Typ durchwühlte die Schränke, versteckte eine Playstation, um sie zu stehlen, unter seinem Pulli – dann erst bemerkte er die Zwölfjährige. „Da hat er mich gepackt“, erzählte die kleine Anna (Name geändert) später. „Und er hat mich aufs Bett geschmissen.“

Damit begann ein Übergriff, den das Mädchen in einer Aussage bei der Polizei zunächst als „Vergewaltigung“ bezeichnete. Der Täter habe ihr über ihren Leggings an den Po und unter ihrem T-Shirt an den Bauch gefasst, präzisierte die Zwölfjährige schließlich. „Ich schrie um Hilfe, er hielt mir den Mund zu.“ Wegen dieser Tat vom 17. September muss sich jetzt Kristofer B. vor dem Hamburger Landgericht verantworten.

Er konsumierte am Tattag Kokain und Cannabis

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 22 Jahre alten Ungar sexuelle Nötigung, sexuellen Missbrauch von Kindern sowie versuchten Diebstahl vor. Der Großvater des Opfers hatte den Übergriff bemerkt und war seiner Enkelin zu Hilfe geeilt.

Die Prozessbeteiligten erzielen eine Verständigung, landläufig Deal genannt: Bei einem umfassenden Geständnis stellt das Gericht eine Bewährungsstrafe in Aussicht. „Ich bereue es sehr, diese Tat begangen zu haben, und möchte mich dafür entschuldigen“, räumt der Angeklagte über seinen Anwalt ein. Ein Bekannter habe ihn mit dem Versprechen, er könne hier in einer Autowaschanlage viel Geld verdienen, nach Deutschland gelockt, so Kristofer B. Das habe sich dann zerschlagen. Nachdem er an jenem Tag Kokain und Cannabis konsumierte, beging er schließlich die Taten.

Rat der Richterin: Angeklagte soll in sein Heimatland zurückreisen

Das Urteil gegen Kristofer B.: Er erhält 21 Monate Haft mit Bewährung. „Es war eine völlig sinnlose, absurde Tat“, sagt die Vorsitzende Richterin. Entscheidend zugunsten des Angeklagten wirke sich sein Geständnis aus, mit dem er dem Opfer eine Aussage im Prozess ersparte. Schwer wiege indes, dass sich der Übergriff im privatesten Bereich ereignet hat.

„Wenn sich ein Kind irgendwo sicher fühlen können muss, dann ist es sein eigenes Zimmer“, so die Vorsitzende Richterin. Dem Angeklagten rät die Richterin dringend, direkt in sein Heimatland Ungarn zurückzureisen. „Sie sprechen kein Deutsch, hier haben Sie keine vernünftige Perspektive. Das würde Sie nur wieder zu Straftaten verleiten.“