Abendblatt-Aktion

Trainer, Rinder-Züchterin, Politiker: Menschen des Monats

Wer ist wichtig in Hamburg und Umgebung? Diese Menschen sind der Abendblatt-Redaktion im November besonders aufgefallen.

Hamburg. Die Abendblatt-Aktion „Menschen des Monats“. geht in die nächste Runde. Alle vier Wochen präsentieren wir Ihnen Frauen und Männer, die uns im Vormonat aufgefallen sind. Dabei wählt jedes der genannten Abendblatt-Ressorts seinen „Menschen des Monats“.

So entsteht im Verlauf eines Jahres eine große Auswahl an Persönlichkeiten, über die wir dann unsere Leserinnen und Leser abstimmen lassen wollen. Sie entscheiden schließlich Anfang des kommenden Jahres, wer die „Menschen des Jahres 2018“ werden.

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Ronald Hinz

Früher hat er erfolgreich Fußball gespielt, auch Marathons und Radrennen hat der blinde Jurist Ronald Hinz (52) absolviert. 2017 hörte der sportliche Richter am Hamburger Landgericht erstmals von Blindentennis, nahm an einem Workshop teil und gründete gegen etliche Widerstände den ersten Hamburger Verein für Blindentennis. Er musste dazu Trainer finden, Hallenplätze und Mitglieder. All das gelang ihm. Wegen dieser Zielstrebigkeit ist er für die Lokalredaktion der „Hamburger des Monats“. Im Moment gibt es nur erwachsene Mitglieder, doch Hinz möchte das Angebot auch gern für Kinder öffnen. Für sie sei es ideal, mal ohne Blindenstock schnell zu laufen.

Dennis Thering

Der Erfolg eines Oppositionspolitikers bemisst sich auch daran, wie sehr sich Regierende über ihn ärgern. Danach ist Dennis Thering einer der erfolgreichsten Bürgerschaftsabgeordneten. Und für das Ressort Landespolitik der „Mensch des Monats“. Der CDU-Verkehrspolitiker treibt Rot-Grün wie kein anderer mit Anträgen und Anfragen zur Weißglut – zu Unfallzahlen, Baustellen oder Parkplätzen. Seine Gegner behaupten, er widerspreche sich, fordere Sicherheit, kritisiere aber Blitzer als Abzocke. Das ficht den 34-Jährigen nicht an. Sein Fleiß hat Vorbilder: In den 2000ern stellte keiner mehr Anfragen an CDU-Senate und war in Medien präsenter als ... SPD-Mann Andreas Dressel, der heutige Finanzsenator.

Abdelmoneim

Abdelmoneim, wie er meist genannt wird, würde am liebsten gar nicht in der Zeitung stehen. Der 19 Jahre alte Ägypter will seinen Job machen. Im August sollte er eine Ausbildung bei der Bäckerei Junge beginnen. Aber die Ausländerbehörde lehnte eine Ausbildungsduldung ab, weil der Flüchtling eine Frist zur Abgabe seiner Geburtsurkunde versäumt hatte. Ihm droht nun die Abschiebung, trotz bester Zeugnisse und Lehrstelle. Letzte Hoffnung ist eine Eingabe an die Bürgerschaft, deren Behandlung noch aussteht. Schon mehr als 2000 Unterstützer haben eine Online-Petition unterschrieben. Im Moment geht er zur Schule, arbeitet als Praktikant bei Junge – der „Mensch des Monats“ für das Wirtschaftsressort.

Hannes Wolf

Sieben Spiele ohne Niederlage – so erfolgreich wie HSV-Trainer Hannes Wolf startete keiner seiner zahlreichen Vorgänger. Der Ex-Stuttgarter führte den Hamburger Zweitligisten in Rekordzeit von Rang fünf an die Tabellenspitze. Dank seiner kleinen, aber entscheidenden taktischen Veränderungen spielen die Hamburger in der Offensive wieder variabler – und erfolgreicher. Wolf hat die Rotation nahezu abgeschafft und seinen Spielern dadurch zu mehr Sicherheit verholfen. Unter seiner Regie wurde der Vorsprung auf den Relegationsplatz sowie den ersten Nichtaufstiegsplatz, den St. Pauli belegt, auf sechs Punkte ausgebaut. Für die Chefredaktion ist Hannes Wolf deshalb der „Mensch des Monats“.

Oliver Wurm

Der gelernte Sportjournalist überrascht immer wieder mit ungewöhnlichen Ideen. Bereits mit dem Neuen Testament, aufgemacht als hochwertiges Magazin, sorgte Oliver Wurm für Aufsehen. Jetzt ist das Grundgesetz in ähnlich edler Aufmachung erschienen, ergänzt mit spannenden Infografiken. „Das Magazin macht Lust darauf, unser höchstes Gesetz genauer kennenzulernen“, lobt Wolfgang Kubicki, Vizepräsident des Bundestages. Oliver Wurm finanziert seine Projekte selbst – ohne den Rückhalt eines Verlages. Auch für diesen Mut ist der Hamburger für die Online-Redaktion „Mensch des Monats“.

Alexander Zverev

Ja, er hat seinen Wohnsitz nach Monte Carlo verlegt. Dort, wo so viele Sportstars wohnen. Und ja, er spielt nicht mehr am Rothenbaum, seit er unaufhörlich in der Weltrangliste hinaufgeklettert ist. Doch Deutschlands bester Tennisspieler Alexander Zverev (21) ist gebürtiger Hamburger. Am Ende dieses Jahres hat er sich mit dem Gewinn der Tennis-Weltmeisterschaft in London als Herausforderer der Besten seiner Zunft präsentiert. Beeindruckende Siege gegen die Altstars Roger Federer (Weltranglisten-Dritter) und im Endspiel gegen die Nummer eins der Welt, Novak Djokovic, haben dies untermauert. Deshalb hat sich die Sportredaktion entschlossen, Alexander Zverev als „Mensch des Monats“ zu ehren.

Sabine Schulze

In den zehn Jahren ihrer Amtszeit als Direktorin hat Sabine Schulze (64) das Museum für Kunst und Gewerbe – kurz MKG – am Hauptbahnhof mächtig entstaubt. Sie öffnete ihr Haus für populäre Themen wie Turnschuhe und den Technologiegiganten Apple, machte Ausstellungen zu Otto, Udo Lindenberg und Loriot. An publikumswirksamen Ideen hat es der Kunsthistorikerin, die Ende November in den Ruhestand gegangen ist, nie gemangelt. Für die Kulturredaktion ist sie der „Mensch des Monats“. Der Kampf um Gelder sei oft mühsam gewesen, sagte sie dem Abendblatt im Abschiedsinterview. Eine Bürde, die nun ihre Nachfolgerin Tulga Beyerle trägt.

Peter Schuldt

Wenn er sich eine Rolle zuschreiben würde, wäre es „Der Rattenfänger von Hameln“, denn Peter Schuldt, jüngst beim Hamburger Bürgerpreis ausgezeichnet, reißt alle mit. Tausende Kids hat der Chorleiter im Projekt „Young ClassX“ an Musik herangeführt. Dank seines Engagements singen aktuell 3000 Schüler in 56 Chören. Aus seinem Chor Gospel Train hat der Pädagoge einen der namhaftesten Kulturbotschafter der Stadt gemacht. Das Beste aber ist, dass er aus jungen Menschen Persönlichkeiten formt, die sich für andere einsetzen. Jüngst sangen die Jugendlichen auf der Obdachlosen-Weihnachtsfeier „Mehr als eine warme Mahlzeit“ für 400 Bedürftige. Für die Regionalausgaben ist Schuldt der „Mensch des Monats“.

Franziska Wellner

„Herzlich willkommen! Schön, dass du da bist!“ Seit Mitte November werden Neugeborene mit diesen Worten und mit einer extra komponierten Hymne über Lautsprecher in Mümmelmannsberg begrüßt. Es ist ein Projekt, bei dem sich viele Bewohner, Chöre und Bands engagiert haben – und Franziska Wellner (36) vom Stadtteilmarketing, die die Leitung hatte. Für die Ressorts Layout, Magazin, Von Mensch zu Mensch und Seite 1 ist sie der Mensch des Monats. Ihr ganzer Einsatz gilt Mümmelmannsberg – einem Stadtteil, der viele Stärken habe. „Er ist sehr bunt, vielfältig und familienfreundlich!“

Anna Butz

Anna Butz ernährt sich vegan. Und dennoch züchtet sie seit zwei Jahren Rinder, die sie schlachten lässt. Sie selbst verzichtet seit 15 Jahren auf tierische Produkte. Ein Widerspruch? „Nein. Ein Rind im Monat muss gehen, damit die anderen ein gutes Leben führen können. Das ist mein System“, sagt Anna Butz. Der Rinderhof Alster Wagyus ist ein Gegenentwurf zur Massentierhaltung. Anstatt sich in engen Ställen zu drängen, bewegen sich die Tiere auf einer 25 Hektar großen Fläche aus Behausung und Weide. Sie werden mit Heu und Äpfeln gefüttert. Butz: „Meine Kühe werden mehr gekuschelt als die meisten Hunde.“ Für die Fotoredaktion­ ist sie der Mensch des Monats.