Ermittlungen

Wie Hamburger Polizei die Dach-Einbrecherbande aufspürte

Dacheinsteiger flüchten aus Villa (Repro)

Dacheinsteiger flüchten aus Villa (Repro)

Foto: André Zand-Vakili

Ein DNA-Treffer führte zu moldawischer Bande, die 22 Taten vor allem in Walddörfern und Blankenese beging.

Hamburg.  Es war ein DNA-Treffer, der einen der größten Erfolge der Polizei im Kampf gegen die Einbruchskriminalität möglich machte. Durch ihn konnten alle 22 Dacheinstiege in Hamburg der vergangenen zwei Jahre – also Einbrüche, bei denen die Täter gewaltsam durch das Dach eindrangen – einer Gruppierung zugeordnet werden. Allein bei diesen Taten entstand ein Schaden von rund 20 Millionen Euro. Der Fall belegt auch die mittlerweile gute Zusammenarbeit zwischen den Strafverfolgungsbehörden über die Grenzen Deutschlands hinaus.

Den genetischen Fingerabdruck konnten die Spurensicherer der Kriminaltechnik an einem aufgebrochenen Dach direkt am Einstieg sichern. Zunächst schien die Spur nutzlos. Die Datenbank des Bundeskriminalamts, in der bundesweit die DNA von Tätern archiviert ist, zeigte keinen Treffer an. Der kam aus Frankreich. Die DNA dort stammte von einem 35 Jahre alten Moldawier, der wegen Diebstählen festgenommen worden war.

Oberstaatsanwalt verfolgte Einsatz hautnah

Die Staatsanwaltschaft und das LKA nahmen Kontakt zu den Behörden im Heimatland des Täters auf. Dort ermittelte man bereits gegen eine Gruppierung, zu der der 35-Jährige gezählt wurde, wegen der Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche.

„Die Zusammenarbeit war wirklich gut“, sagt Oberstaatsanwalt Dr. Lars Röhrig, der mit vier Ermittlern des LKA 19 eineinhalb Tage in Moldawien war und hautnah den Einsatz gegen die Gruppierung verfolgte. „Wir hatten bereits einen guten Draht, weil die Ermittlungsbeamten aus Moldau auch schon bei uns zu Vorbesprechungen waren. Wir kannten uns also. Das hat vieles erleichtert. Wir waren bei den Einsatzbesprechungen dabei. Ich selbst und die Kollegen vom LKA 19 waren an den Durchsuchungsorten mit dabei. Das war wirklich eine ideale Zusammenarbeit.“

Größere Mengen Beute in der Wohnung zweier Brüder

Das Ergebnis auch. Vor allem in den Wohnungen von zwei 22 und 36 Jahre alten Brüdern, die der mittleren Führungsebene der Gruppierung zugerechnet werden, fand man größere Mengen Beute. Die Brüder selbst lebten in nach hiesigen Maßstäben gutbürgerlichen, nach moldawischen Maßstäben luxuriösen Verhältnissen. Sie fuhren große Autos wie Porsche.

Ganz anders lebte der 35-Jährige, dessen DNA die Polizei zu der Gruppe geführt hatte. Der Handlanger, der für die eigentliche Tat nach Deutschland reiste, wohnte in einer bescheidenen kleinen Wohnung. Der Mann wird als „Fußsoldat“, als Angehöriger der unteren Hierarchieebene der Bande eingestuft.

Uhren der Luxusmarken Patek Philipp, IWC oder Rolex

Sichergestellt wurden in Moldawien Uhren der Luxusmarken Patek Philipp, IWC oder Rolex – einige im Wert von mehr als 100.000 Euro. Dazu Bargeld, Schmuck und selbst Orden wie ein Eisernes Kreuz 1. Klasse, das vermutlich aus Familienbesitz stammt. Aber es wurden auch Schusswaffen, mehrere Pistolen und Revolver gefunden. Sie werden nicht als Beute betrachtet, sondern waren „Ausstattung“ der Täter. „Das ist natürlich besorgniserregend“, sagt ein Beamter. „Bei Einbrechern geht man davon aus, dass sie bei einem Kontakt mit Haus- oder Wohnungseigentümern sofort flüchten. Eine solche Bewaffnung birgt ein ganz anderes Gefahrenpotenzial für Betroffene, aber auch für die Polizei.“

Dass die Täter so hohe Beute machten, ist mit der Tatbegehungsweise zu begründen. In einem Fall stahlen sie Gegenstände im Wert von sieben Millionen Euro. Es waren ausgesuchte Villen, vor allem in den Walddörfern, aber auch in Blankenese, die Ziel der Dacheinsteiger wurden. Die Tatorte waren gut ausgespäht, Bewohner zum Tatzeitpunkt nie im Haus. Die Täter blieben oft im ersten Stock, weil dort im Gegensatz zum Erdgeschoss keine Alarmsicherung wie Bewegungsmelder vermutet wurde.

Verantworten müssen sich die Täter in Moldawien. Sie werden nicht nach Deutschland ausgeliefert. Die Staatsanwaltschaft will aber versuchen, das Hamburger Verfahren dorthin abzugeben. Dann käme Wohnungseinbruch in mehreren Fällen hinzu.