Hamburg

Nina Bott: "Es gab gute und schlechte Zeiten"

Heimathafen Hamburg: Schauspielerin und Moderatorin Nina Bott in ihrer Küche, in der auch ihr selbst gebackenes Weihnachtsgebäck entsteht.

Heimathafen Hamburg: Schauspielerin und Moderatorin Nina Bott in ihrer Küche, in der auch ihr selbst gebackenes Weihnachtsgebäck entsteht.

Foto: ANDREAS LAIBLE

Die frühere „GZSZ“-Schauspielerin erwartet ihr drittes Kind. Sie spricht über eine Fehlgeburt und die Rolle ihres Lebens.

Hamburg.  Manchmal, wenn jemand „Cora“ ruft, dreht sie sich noch um. Denn acht Jahre lang, von 1997 bis 2005, war das ihr Name. Nina Bott war eines der bekanntesten und beliebtesten Gesichter der RTL-Seifenoper „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. An manchen Abenden schalteten mehr als sechs Millionen Zuschauer ein. „Das schafft heute vielleicht noch ein Länderspiel“, sagt die gebürtige Hamburgerin. „Ich bin sehr dankbar für diese Zeit. Und natürlich ist das bis heute meine bekannteste Rolle.“

Ihre schönste Rolle sei aber längst eine andere, sagt sie, während sie einen Teller mit selbst gebackenen Weihnachtskeksen und ihren Lieblings­kuchen, Karotten-Cheesecake, serviert. „Am liebsten bin ich Mama.“ Und zwar bald dreifache. Mitte Januar erwartet die 40-Jährige ihr drittes Kind, einen Jungen. Sohn Lennox, aus einer früheren Beziehung, ist 14 Jahre alt, Tochter Luna, die sie mit ihrem Lebenspartner Benjamin Baarz hat, feiert in wenigen Tagen ihren dritten Geburtstag. Kurz vor Weihnachten verabschiedet sich die Schauspielerin, die in den vergangenen Jahren immer wieder in der Komödie Winterhuder Fährhaus auf der Bühne stand und auch als Moderatorin, unter anderem des Vox-Boulevardmagazins „Prominent!“, erfolgreich ist, in die Babypause.

Schwangerschaft läuft nebenbei

„Bis dahin gibt es noch viel zu tun“, sagt Nina Bott, während sie entspannt im Wohlfühlpulli und natürlich schön und ungeschminkt am Esstisch ihres Hauses unweit des Niendorfer Geheges sitzt. Das sei auch das Besondere an dieser dritten Schwangerschaft, mit zwei größeren Kindern sei eben immer etwas los. „Als ich das erste Mal schwanger war, damals mit 25, habe ich auf alles genau geachtet. Wenn ich jetzt gefragt werde, in der wie vielten Woche ich bin, muss ich erst mal in der App nachschauen“, sagt Nina Bott und lacht.

Das solle aber nicht heißen, dass sie sich weniger freue. Im Gegenteil. Denn im vergangenen Jahr erlitt sie eine Fehlgeburt. „Das Thema ist immer noch ein großes Tabu, dabei passiert es leider mehr Frauen; als man denkt.“ Die Erfahrung sei sehr schmerzhaft gewesen. „Wenn ich nicht einen so tollen Partner, so wunderbare Freundinnen und schon zwei gesunde Kinder gehabt hätte, ich glaube, es hätte mich komplett aus der Bahn geworfen.“

Dabei lässt sich Nina Bott, die mit ihrem jüngeren Bruder Tobias in Lok­stedt aufgewachsen ist, nicht leicht unterkriegen. Weil die Geschwister früh erfahren mussten, dass das Leben gute und schlechte Zeiten bereithält. Die Mutter litt an Depressionen, fing irgendwann an zu trinken. „Als Kinder haben wir das zunächst nicht so mitbekommen, unsere Eltern waren sehr liebevoll. Aber irgendwann, als wir älter wurden und unsere Mutter im Supermarkt immer mal wieder eine Flasche Korn aufs Kassenband legte, da wurde uns schon klar, dass da etwas nicht stimmt.“ Sie selbst trinke so gut wie gar keinen Alkohol, sagt Nina Bott. „Vielleicht alle drei Jahre mal ein Glas Rosé. Ich mache mir einfach nichts daraus.“

Gesicht des Otto-Katalogs

Als der Vater, selbstständig mit einem Malereibetrieb, Insolvenz anmelden musste, wurde es für die Familie noch schwieriger. „Das muss für meine Eltern eine sehr harte Zeit gewesen sein, wenn sie an manchen Tagen nicht wussten, wie sie den Kühlschrank füllen sollten.“ Da sei es hilfreich gewesen, dass sie schon als Kind immer ein bisschen was verdient habe: Sieben Jahre war Nina Bott das Gesicht des Otto-Kinderkatalogs. Entdeckt wurde sie von einer Kindermodelagentin in deren Surfgeschäft. Ihr Vater war leidenschaftlicher Surfer. In den Ferien fuhren sie nach Fehmarn oder St. Peter-Ording, erzählt Nina Bott, die 1995 dann Hamburger Jugendmeisterin im Windsurfen wurde. „Danach war für mich aber Schluss“, sagt sie. „Ich bin daran interessiert, besser zu werden. Aber ums Gewinnen geht es mir nie.“ Das sei auch in der RTL-Tanzshow „Let’s Dance“ so gewesen, bei der sie 2010 Dritte wurde.

Das Wichtigste ist für Nina Bott die Familie. Das liege auch daran, dass ihre Eltern beide schon tot seien. Die Mutter starb an Ninas 27. Geburtstag, der Vater acht Jahre später an Lungenkrebs. „Meine Lieben, auch mein Bruder, sind hier in Hamburg, und deshalb könnte ich nicht woanders leben“, sagt Nina Bott, die auch ein sehr enges Verhältnis zur Familie ihres Freundes Benjamin hat. Selbst als sie nach dem Abitur am Corveygymnasium (Schnitt: 2,3) fürs Fernsehen entdeckt wurde und in Berlin „GZSZ“ drehte, sei sie in jeder freien Minute zurück nach Hamburg gefahren. „Das hatte ich mir zusichern lassen.“

Eis aus Muttermilch

Auch wenn sie sich bald kurz etwas aus der Öffentlichkeit zurückzieht, lässt Nina Bott weiter einen Einblick in ihr Familienleben zu. Seit 2015 schreibt sie „Mutterrolle“, einen der erfolgreichsten deutschen Mama-Blogs. Allein auf Instagram­ folgen ihr knapp 90.000 Fans. Sie schreibt über Lunas ersten Tag in der Kita oder postet, wie man aus Muttermilch Eis herstellt. „Das hat eine echte Kontroverse ausgelöst“, so Nina Bott.

Wahrscheinlich eine größere als die immer wieder gestellte Frage, ob man sich als Mutter für den „Playboy“ ausziehen dürfe, so wie Nina Bott es insgesamt dreimal getan hat. „Die Fotos waren sehr ästhetisch“, sagt Nina Bott. „Und natürlich habe ich insbesondere beim letzten Mal meinen Sohn gefragt. Aber der fand das auch total in Ordnung.“

Dass ihr Blog so gern gelesen wird, freut sie. „Damit habe ich gar nicht gerechnet. Ich schreibe einfach nur auf, was mich ehrlich bewegt.“ In diesen Tagen ist das natürlich die bevorstehende Geburt.