Steilshoop

Wohnungskonzern Vonovia will weniger modernisieren

Eine Mieterinitiative demonstriert gegen Vermieter Vonovia.

Eine Mieterinitiative demonstriert gegen Vermieter Vonovia.

Foto: Correctiv

Drastische Kürzungen – was bedeutet das für Steilshoop? Müssen die Mieter nun weiter mit Mängeln, Schimmel und Feuchtigkeit leben?

hamburg.  Seit Monaten kämpft die Mieterinitiative Steilshoop gegen Mieterhöhungen durch den DAX-Konzern Vonovia, der mit 400.000 Wohnungen zu den größten deutschen Vermietern zählt. Allein in Steilshoop gehören Vonovia knapp 2100 Wohnungen, teilweise stiegen die Mieten nach Modernisierungen um 40 Prozent.

Jetzt fährt Vonovia seine Investitionen in Modernisierungen radikal zurück. Hintergrund sei eine „dramatisch zurückgegangene“ gesellschaftliche Akzeptanz für die in der Regel mit Mietsteigerungen verbundenen energetischen Modernisierungen, sagte Vonovia-Chef Rolf Buch am Donnerstag in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

„Es nutzt nichts, wenn die Leute das nicht wollen“, sagte Buch. Ab sofort sei eine Kürzung der energetischen Investitionen um 40 Prozent geplant. Vonovia hatte zuletzt angekündigt, im laufenden Geschäftsjahr rund eine Milliarde Euro vorwiegend in energetische Modernisierungen, aber auch in Neubau und Dachaufstockungen investieren zu wollen. Während die Modernisierungsquote bei Vonovia bislang bei rund fünf Prozent des Wohnungsbestands gelegen habe, soll sich dieser Wert nun auf rund drei Prozent reduzieren.

Werden besonders marode Bestände künftig nicht mehr umfassend saniert?

Die Mieterinitiative Steilshoop nahm die Nachricht mit gemischten Gefühlen. „Wenn dies dazu führt, dass die Mieten nicht mehr so stark steigen, ist das gut“, sagte Pierre Endries von der Organisation. Fatal wäre es allerdings, wenn die Vonovia sich nun aus „der dringend gebotenen Instandhaltung der Gebäude zurückziehen würde“.

Genau diese Befürchtung hegt Rolf Bosse, Vorstand vom Mieterverein zu Hamburg: „Die Mitteilung der Vonovia bedeutet, dass in Zukunft besonders teure Sanierungsmaßnahmen nicht mehr durchgeführt werden. Besonders marode Bestände dürften also künftig gar nicht mehr umfassend saniert werden. Die Mieter dort werden weiter mit Mängeln, Schimmel und Feuchtigkeit leben müssen.“

Das Thema bleibt auch wegen einer Gesetzesänderung brisant. Vom Januar an darf die Miete nach einer Modernisierung innerhalb von sechs Jahren um nicht mehr als 3 Euro pro Quadratmeter steigen, bei Wohnungen mit einer Miete bis 7 Euro pro Quadratmeter sogar nur um 2 Euro. Vonovia will künftig grundsätzlich die Miete nach Modernisierung um maximal 2 Euro pro Quadratmeter erhöhen.