Hamburg

Wann Merkel eintrifft: Der Fahrplan für den CDU-Parteitag

Angela Merkels Nachfolge als CDU-Chefin entscheidet sich in Hamburg.

Angela Merkels Nachfolge als CDU-Chefin entscheidet sich in Hamburg.

Foto: Imago/Christian Spicker

Hohe Sicherheitsstufe rund um das Hotel Atlantic. Julia Klöckner besucht Wochenmarkt. Spannende Zusammenkünfte in Heimfeld.

Hamburg.  Irgendwann am Freitag wird diese Glocke erklingen. Vielleicht schon am frühen Nachmittag, vielleicht auch erst später. Auf jeden Fall wird die Republik, werden viele Teile der Welt in diesem Moment auf Hamburg blicken: Wenn die Glocke erklingt, wird Ruhe einkehren beim CDU-Bundesparteitag in den Messehallen, und dann wird Versammlungsleiter Roland Heintze das Ergebnis verkünden: Wer wird Angela Merkel nach 18 Jahren als CDU-Bundesvorsitzende beerben? Und damit gute Chancen haben, spätestens 2021 auch das Kanzleramt zu übernehmen?

Die bisherige CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer? Oder der frühere Fraktionschef Friedrich Merz? Oder doch Gesundheitsminister Jens Spahn? Die Entscheidung in dieser Frage, die seit Wochen das Land bewegt, soll natürlich nicht von einer x-beliebigen Glocke eingeläutet werden: „Das muss schon eine Verbindung zu Hamburg haben“, sagte sich der Eimsbüttler CDU-Bundestagsabgeordnete Rüdiger Kruse und fragte bei Börries von Notz, Vorstand der Stiftung Historische Museen Hamburg, an, ob er nicht etwas Passendes zur Verfügung stellen könne. Von Notz wurde im Altonaer Museum fündig, und so steht auf dem Podium beim Parteitag nun die Original Schiffsglocke der „Geheimrat Just“: Dieser 1901 gebaute „Bereisungsdampfer“ war 1959 der erste Museumsdampfer Deutschlands. Das passt, findet Kruse: „Eine historische Glocke wird historische Veränderungen einläuten.“

Wer sollte den Vorsitz der CDU übernehmen?

Der Parteitag wird Hamburg drei Tage lang prägen. Schon am Donnerstag werden fast alle 1001 Delegierten, Gäste und mehr als 1000 Journalisten anreisen – sofern sie nicht selbst aus Hamburg kommen wie die vier Bundestagsabgeordneten um Kruse, Fraktionschef André Trepoll oder der Landesvorsitzende Heintze, der Kraft seines Amtes die Ehre hat, den Parteitag zu leiten.

Merkel hat Hauptquartier im Hotel Atlantic

Wie berichtet, wird die Parteiführung um Angela Merkel ihr Hauptquartier im Hotel Atlantic Kempinski aufschlagen. Die Bundeskanzlerin wird nach Abendblatt-Informationen am Donnerstagmittag in dem Luxushotel an der Außenalster erwartet. Dem Vernehmen nach sollen dann auch die weiteren CDU-Präsidiumsmitglieder eintreffen. Die Sitzung des Präsidiums ist für 15 Uhr angesetzt. Um 16 Uhr folgt die Bundesvorstandssitzung. Dem Präsidium gehören zahlreiche Spitzenpo­litiker an, die auch im Atlantic einchecken, darunter Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen und die Ministerpräsidenten Volker Bouffier (Hessen) und Armin Laschet (Nordrhein-Westfalen). Auch Kramp-Karrenbauer und Spahn gehören dem Präsidium an und werden ebenso im Atlantic zu Gast sein wie Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier als Mitglied des Bundesvorstands.

Von 18 Uhr an treffen sich die Delegierten der „Vereinigungen und Sonderorganisationen“, also etwa der Senioren-Union oder des Arbeitnehmerflügels CDA, separat voneinander. Anschließend finden am Abend über die ganze Stadt verteilt Treffen der Delegierten aus den Landesverbänden statt – eine der letzten Chancen, größere Allianzen zu schmieden. Mit Spannung erwartet wird das Verhalten der rund 300 Delegierten aus Nordrhein-Westfalen (NRW), die sich im schicken Privathotel Lindtner in Heimfeld treffen: Sie haben einerseits großes Stimmgewicht auf dem Parteitag, stellen andererseits mit Merz und Spahn aber gleich zwei der drei Kandidaten. Dass alle NRW-Delegierten für eine Person stimmen, gilt als unwahrscheinlich.

Parteitag beginnt mit Gottesdienst im Michel

Bevor sich die Delegierten am Freitag in den Messehallen einfinden, können sie zuvor bei einem ökumenischen Gottesdienst im Michel um Beistand von oben bitten. Wann genau feststeht, wer Merkel an der Parteispitze folgt, ist noch offen und hängt nicht zuletzt von der Diskussionsfreudigkeit der Delegierten ab.

Das Ziel ist jedenfalls, den Tag um 20 Uhr mit einem „Hamburg-Abend“ ausklingen zu lassen. Dort werde es eine Vielzahl regionaler Spezialitäten geben, hieß es auf Anfrage aus der CDU-Zen­trale in Berlin.“ Alles andere „werde nicht verraten.“ Nach Abendblatt-Informationen wird es Fisch auf dem Büfett und deutschen Wein geben. Mit dem Catering wurde Feinkost Käfer aus München beauftragt.

Bis zum Sonnabend wird die Politprominenz im Atlantic residieren. Das Hotel ist ausgebucht. Dem Vernehmen nach ist die Präsidentensuite der Bundeskanzlerin vorbehalten. Die kann bis auf fünf Räume mit insgesamt 245 Quadratmetern erweitert werden. Dort kann Merkel sich zu Besprechungen in kleiner Runde zurückziehen. Das Hotel wird auch zur Fernsehbühne. Die Sender ARD und ZDF bauen dort kleine Studios für Interviews auf.

Wenn die Kanzlerin und mehrere Minister in einem Hotel wohnen, dann herrscht auch eine hohe Sicherheitsstufe. Bereits vor Wochen haben Mitarbeiter vom Landeskriminalamt und Bundeskriminalamt das Atlantic gecheckt, die selbst vor Ort sein werden. Es wird ein größeres Polizeiaufgebot erwartet.

Nicht alle 1001 Delegierten können im Atlantic wohnen. Deshalb sind auch das Radisson Blu Hamburg und das Intercity Hotel in der Nähe des Messegeländes bereits ausgebucht, weil sich die Teilnehmer des CDU-Bundesparteitags dort einquartiert haben.

Die CDU-Spitzenpolitiker nutzen den Bundesparteitag auch für öffentliche Auftritte in Hamburg: So wird Bundesernährungsministerin Julia Klöckner am Donnerstag um 14 Uhr in Begleitung des Hamburger Bundestagsabgeordneten Christoph Ploß den Öko-Wochenmarkt am Marie-Jonas-Platz in Eppendorf besuchen und mit Händlern sprechen.