Verkehr

Warum Hamburg immer mehr Kreisel baut

Günstiger und weniger wartungsintensiv als eine Ampelkreuzung: Hamburg setzt verstärkt auf Kreisverkehre – wie hier am Heußweg in Eimsbüttel.

Günstiger und weniger wartungsintensiv als eine Ampelkreuzung: Hamburg setzt verstärkt auf Kreisverkehre – wie hier am Heußweg in Eimsbüttel.

Foto: Imago/Hoch Zwei Stock/Angerer

Zahl nimmt stetig zu. Jetzt sollen an Mittelweg und Krugkoppel zwei Rondelle hintereinander entstehen. Das sorgt für Kritik.

Hamburg.  Kreisverkehr statt Ampelkreuzung: Was in halb Europa üblich ist, wird nun auch in der Hamburger Verkehrsplanung verstärkt verfolgt. Mehr als 50 Kreisel gibt es bereits in der Stadt, in den vergangenen drei Jahren haben zehn neue Rondelle alte Ampelkreuzungen ersetzt. Die Rundbauten gelten als sicherer und günstiger für den Verkehrsfluss. Nicht grundlos kommen jetzt an der Schanzenstraße und am Harvestehuder Weg drei weitere hinzu. In Harvestehude plant der Bezirk Eimsbüttel gleich zwei neue Kreisverkehre hintereinander – einen an der Krugkoppel, den anderen am Mittelweg.

Vor allem der Umbau der Kreuzung Mittelweg wird kritisch gesehen. Laut Verkehrszählung passieren täglich 12.000 bis 17.000 Fahrzeuge den Knotenpunkt von fünf Straßen, für geschätzte 1,3 Millionen Euro soll er zu einem „großen Kreisverkehr“ umgestaltet werden, um den Radverkehr zu stärken. Die Veloroute 4 soll angebunden, die Lücke zwischen Klosterstern und Alster gekittet werden.

Für das Bezirksamt sei ein Kreisel die leistungsfähigste und sicherste Lösung. Denn bisher prägten Falschparker und im Nichts endende Radwege das Bild. Nach dem Umbau, der im März beginnen soll, werde die Kreuzung übersichtlicher und barrierefrei. Gewonnener Raum ermögliche sogar vier neue Baumpflanzungen.

Kritik von der CDU

Eine runde Sache? Nicht für die CDU. Dort ruft der Plan für den Mittelweg Kritik hervor. Mit einem Kreisverkehr auf dieser Kreuzung kann sich Michael Westenberger, CDU-Bürgerschaftsabgeordneter des Wahlkreises, jedenfalls nicht anfreunden. „Der Mittelweg hat eine überregionale Funktion für den Verkehr westlich der Alster“, sagt er. „Daher gilt eine Vorrangschaltung bei den Ampeln.“ Wenn diese Priorität verloren gehe, drohten Staus, in die auch der Bus 109 gerate. Die Folge sei mehr Verkehr in die Wohnstraßen. „Das ist eine politische Idee, die zulasten der Anwohner geht“, sagt Westerberger.

Erhebungen unterstreichen dagegen die Vorteile von Kreiseln. Eine Untersuchung der Unfallforschung der Versicherer (UDV) ergab, dass Kreisverkehre innerorts ein höheres Sicherheitsniveau bieten als Kreuzungen – egal, ob mit oder ohne Ampel. Denn die „Konfliktpunkte“ werden reduziert. Auch der ADAC Hansa begrüßt laut Sprecher Hans Pieper die Rundbauten, solange die Verkehrsmenge unter 25.000 Fahrzeugen bleibt und ein Kreisel-Arm nicht deutlich stärker frequentiert wird als alle anderen. „Sonst stockt es“, so Pieper. Im Fall des Mittelwegs empfehle der ADAC vorab ein Simulationsmodell.

Osterstraße, Carl-Cohn-Straße, Heußweg – seit 2011 ist die Zahl der Kreisverkehre von 33 auf mehr als 50 gestiegen. Doch trotz des sich aufdrängenden Eindrucks gebe es in der Verkehrsbehörde keine neue „Strategie“ oder ein „Leitbild“, das bei Kreuzungsumbauten den Kreisverkehr bevorzuge, sagt Sprecher Christian Füldner: „Im Zweifel wird das aber geprüft.“ Bei genügend Platz, gleicher Verteilung des Verkehrs und moderatem Fußgängeraufkommen bekomme der Kreisel den Zuschlag. Langfristig sei er weniger wartungsintensiv, ergo günstiger als Ampelkreuzungen.

Vorbild ist Frankreich

„Es gibt einige Bespiele, an denen sich Verkehrssicherheit und -fluss durch Kreisverkehre verbessert haben“, räumt CDU-Verkehrsexperte Dennis Thering ein. „Der Fall am Mittelweg zeigt aber, dass Kreisverkehre nicht immer die beste Wahl sind.“ Zumal während der Arbeiten an Krugkoppel und Mittelweg im Frühjahr erhebliche Staus drohen. Dabei hat der Aufbruch zu neuen Kreiseln Tradition in Hamburg. Der Horner Kreisel etwa wurde schon 1937 als Prestigeobjekt der Nazis eröffnet. Seit 1969 gerieten die Rondelle aber wegen der Rechts-vor-links-Regel in Vergessenheit. Das blaue Kreisverkehrsschild wurde verbannt, die Kreisel nicht mehr gebaut. 2001, als die Regel im Rund nicht mehr zwingend war, kam das Comeback.

Seither folgt Hamburg dem Vorbild Frankreichs, wo mehr als 20.000 „Ronds-Points“ die Straßen prägen. Unterschieden wird zwischen überfahrbaren „Minikreiseln“ (bis zu 12.000 Autos), kleinen Kreiseln mit Insel (20.000 Autos) und großen Kreiseln ohne Ampel (bis 25.000). Der Horner Kreisel mit 80.000 Autos ist die größte Form. Nach 650 Unfällen in vier Jahren hat er seit 2005 wieder Ampeln.

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