Statistik

In drei Hamburger Stadtteilen ist es enger als in Kreuzberg

Hamburg von oben – wer hier wo und wie wohnt, verraten die Stadtteilprofile.

Hamburg von oben – wer hier wo und wie wohnt, verraten die Stadtteilprofile.

Foto: Marcelo Hernandez

Interaktive Karten: Welche Gegenden am dichtesten besiedelt sind, wo die meisten Kinder wohnen und weitere Zahlenspiele.

Hamburg. Es gibt Zahlen rund um Hamburg, die kennt (fast) jeder: 755 Quadratkilometer groß ist die zweitgrößte Stadt Deutschlands, in ihren sieben Bezirken und 104 Stadtteilen leben 1,88 Millionen Menschen. Doch wo drängeln sich die Hamburger und wo hat jeder viel Platz – in der Wohnung und drumherum? Welcher Stadtteil wächst, welcher schrumpft – wo wohnen die jüngsten, wo die ältesten Hanseaten? 66 verschiedene Fragen rund um Hamburg und seine Einwohner beantworten die Hamburger Stadtteil-Profile, die das Statistikamt Nord am Dienstag herausgegeben hat. Für Zahlenjongleure als Tabelle und für alle Normalsterblichen als interaktiver Atlas zeigt die Statistik, wie sich Hamburg im vergangenen Jahr entwickelt hat.

Welche Stadtteile am dichtesten besiedelt sind – und welche am dünnsten

Wo die meisten Hamburger wohnen, auch das ist allgemein bekannt: in Rahlstedt. Mit seinen fast 92.000 Einwohnern ist der Stadtteil im Osten Hamburgs fast eine Großstadt im eigenen Recht. Doch wo drängeln sich die Menschen, und wo hat jeder – zumindest theoretisch – eine Menge Platz? Die am dünnsten besiedelten Stadtteile finden sich samt und sonders südlich der Elbe: Moorburg, Altenwerder, Reitbrook und Francop haben rechnerisch weniger als 100 Einwohner pro Quadratkilometer.

18.536 Einwohner pro Quadratkilometer ist nicht nur der Hamburger Spitzenwert. Hoheluft-West, Eimsbüttel (17.839) und Hoheluft-Ost (17.018) laufen, was die Anzahl der Menschen auf wenig Raum angeht, auch Schwabing-West in München (15.908) und Kreuzberg in Berlin (14.809) den Rang ab. Die Hafengebiete und großen Flächen im Süden der Stadt sorgen dafür, dass der Wert insgesamt deutlich niedriger liegt, als man vielleicht vermuten würde: 2491 Menschen leben im Durchschnitt auf jedem Quadratkilometer Hamburgs.

Wer am meisten Platz in der Wohnung hat – und wer am wenigsten

Platz im Stadtteil ist das eine, Platz in der Wohnung das andere: Während eine durchschnittliche Wohnung in Kleiner Grasbrook, in Steinwerder, Dulsberg und Borgfelde nur wenig mehr als 50 Quadratmeter hat, kommt man in Wohldorf-Ohlstedt auf fast den dreifachen Wert: 143,6 Quadratmeter beträgt die Durchschnittsgröße dort. Lehmsahl-Mellingstedt und Nienstedten belegen die Treppchenplätze (132/124,3 m²). Für die gesamte Stadt kommt man auf einen Wert von 76,1 Quadratmetern.

Vergleicht man die Anzahl der Einwohner mit der Größe der Wohnungen, zeigt sich ein etwas anderes Bild: Die Walddörfer und Elbvororte rangieren mit knapp 60 Quadratmetern pro Person auch weiterhin ganz vorn, am unteren Ende der Skala liegen nun Billbrook (8,9), Billwerder (13,9) und die Veddel (26,6). Der Durchschnittshamburger hat 38,3 Quadratmeter zur Verfügung.

Welche Stadtteile wachsen – und welche schrumpfen

Insgesamt gesehen wächst die Stadt, doch längst nicht überall gleich stark: Der Wanderungssaldo, die Zahl also, die herauskommt, wenn man die Zahl derjenigen, die einen Stadtteil verlassen haben, von der abzieht, die neu in ihn gezogen sind, reicht von 2182 Menschen mehr in Billwerder bis 947 weniger in Wilhelmsburg. Damit ist Billwerder allein stärker gewachsen als gleich zwei ganze Bezirke: Altona und Harburg verzeichneten einen Zuwachs von 1819, beziehungsweise 1784 Einwohnern. Im vierstelligen Bereich zugelegt haben auch Rahlstedt (1165) und Wandsbek (1093).

Weniger Einwohner verzeichneten 2017 nur 16 Stadtteile (neben Wilhelmsburg verloren Harburg, Lohbrügge und Hammerbrook am stärksten), in dreien (Moorburg, Altenwerder, Tatenberg) blieb die Zahl stabil. Insgesamt wuchs die Zahl der Hamburger um 9571.

Wo die meisten Kinder wohnen – und die meisten Alten

Bevölkerungswachstum hat nicht nur mit Zuzügen zu tun, sondern auch mit Geburten: 21.253 Kinder wurden 2017 in Hamburg geboren, die meisten in Rahlstedt (939), Billstedt (873) und Eimsbüttel (838). Den höchsten Anteil der Hamburger unter 18 Jahren haben Billbrook (31 Prozent), Billwerder (30,9) und Sinstorf (23,9). Nur jeder zehnte Einwohner hingegen ist in St. Georg, Barmbek-Nord und -Süd noch nicht volljährig. Für ganz Hamburg liegt die Quote der Kinder und Jugendlichen bei rund 16 Prozent.

Der Anteil der Haushalte, in denen Kinder leben, ist in Billwerder (38 Prozent), in Neuallermöhe (33) und Duvenstedt (29,4) am höchsten. Kaum Kinder findet man hingegen am Kleinen Grasbrook und in Steinwerder (3,9 Prozent für beide zusammen), in Borgfelde (9,9) und Hammerbrook (10). Im Schnitt leben in 17,8 Prozent der Hamburger Haushalte Kinder.

Die anteilig ältesten Stadtteile findet man im Westen und Norden der Stadt: Ein Drittel der Einwohner von Poppenbüttel sind älter als 64, auch in Rissen ist die Quote mit 30,4 Prozent nur wenig niedriger. Mit Marmstorf kommt ein Stadtteil tief im Süden Hamburgs hinzu, wo die Quote der älteren Hanseaten besonders hoch ist. Insgesamt liegt der Anteil der über 64-Jährigen bei 18,2 Prozent.

Wo der Ausländeranteil am höchsten ist – und wo am niedrigsten

In Billbrook (78 Prozent), Billwerder (70,1), Hammerbrook (46) und auf der Veddel (45,1) leben die meisten Menschen, die eine andere als die deutsche Staatsbürgerschaft haben, in Spadenland (3,1 Prozent), Altengamme (4,1), Wohldorf-Ohlstedt (4,7) und Neuengamme (4,9) ist die Ausländerquote am niedrigsten. Zum Vergleich: Hamburgweit sind 17,1 Prozent aller Einwohner Ausländer.

Dass Billwerder in verschiedenen Kategorien auffallend hohe Zahlen verzeichnet, hängt laut Statistikamt besonders damit zusammen, dass dort die bundesweit größte Folgeunterkunft für Geflüchtete entstanden ist: Die Unterkunft "Am Gleisdreieck" erklärt unter anderem das starke Bevölkerungswachstum, den hohen Kinder- und Ausländeranteil dort. Insofern ist die Entwicklung Billwerders nicht direkt mit anderen Stadtteilen zu vergleichen.

Alle Zahlen aus allen Stadtteilen hat das Statistikamt in einer interaktiven Karte zusammengestellt.