Glosse

Wenn eine Hüfte Schiffbruch erleidet

Gericht muss entscheiden: Frau fällt auf einer Kreuzfahrt bei stürmischer See vom Laufband – wer zahlt?

Hamburg. Auf Kreuzfahrt zu gehen ist das letzte Abenteuer unserer Zeit. Der Weg zur eigenen Kabine ohne Navigationssystem schult auf den schwimmenden Hotels den Orientierungssinn. Da werden umherirrende Gäste zu Pfadfindern. Mehr noch: Kletterwände locken in luftiger Höhe zu alpinen Erkundungen und forcieren den Adrenalin-Kick. Und ein Training im bordeigenen Fitnessstudio, besonders bei stürmischer See, macht Passagiere fit wie ein Turnschuh. Schließlich werden alle Muskelgruppen, inklusive das Brechzentrum des Gehirns, in Wallung gebracht.

Es sei denn, man hat Pech wie dieser weibliche Gast. Die Dame absolvierte bei schwerer See in der Muckibude ihre Trainingseinheit. Prompt stürzte sie vom Laufband und brach sich die Hüfte. Der Fall landete vor dem Oberlandesgericht Koblenz. Die Frau verlangte Schadenersatz und Schmerzensgeld. Begründung: Die Reederei habe die Verkehrssicherheitspflicht verletzt und nicht ausreichend auf die Gefahr hingewiesen. Das Gericht jedoch wies die Klage ab. Die Richter argumentierten, der Sturz gehöre bei einem schwankenden Schiff zum allgemeinen Lebensri­siko. Dass sich Passagiere bei schwerem Seegang vorsichtig bewegen müssen, liege auf der Hand (Az.: 5 U 351/18).

Seitdem dürften die Kreuzfahrtgesellschaften auf einer Woge der Rechtssicherheit schwimmen. Denn Schmerzensgeld und Schadenersatz könnten auch in anderen Fällen ausgeschlossen werden. Wer etwa Hummer satt verspeist und damit seinen Cholesterinspiegel komatös in die Höhe treibt, hat bestimmt keinen Anspruch auf Entschädigung.

Nur noch auf eine Diät.