Altona

Streit um den millionenschweren Struenseecampus

Der ATV-Bau (r.) wurde gerade erst erneuert

Der ATV-Bau (r.) wurde gerade erst erneuert

Foto: HA

Schulbau Hamburg fordert von Sportverein 6,29 Millionen Euro Ablöse für ein Grundstück. Experte sieht "grundsätzliches Dilemma".

Hamburg.  Drei Architektenbüros stellen Mittwoch einer Jury aus Stadtplanern, Politikern und Verwaltung ihre Pläne zur Neugestaltung des Struenseecampus in Altona-Altstadt vor. Es ist die Endphase eines Wettbewerbs, den Schulbau Hamburg ausgeschrieben hat. Investitionsvolumen: 54 Millionen Euro. Auf dem 2,8 Hektar großen Gelände sollen bis 2023 für 1800 Schüler eine Grund- und eine siebenzügige Doppelschule entstehen aus Struensee- und Deutsch-Französischem Gymnasium, das das private Lycée Français in Lok­stedt ersetzt. Die alten Gebäude werden abgerissen, der Schulbetrieb in der Bauphase umquartiert.

Auf dem Gelände beansprucht auch der Altonaer Turnverband von 1845 (ATV) mit breiter Unterstützung der Bezirksversammlung Altona eine Erweiterungsfläche, die sein Sportzentrum an der Kirchenstraße ergänzen soll. Der Club, mit 8700 Mitgliedern einer der größten Breitensportvereine der Stadt, will auf dem Eckgrundstück eine deutsch-französische Bewegungskita mit Außenfläche, ein Schwimmbad, Sporträume und eine Tiefgarage bauen. Kosten: acht bis zehn Millionen Euro.

Schulbau fordert millionenschwere Ablöse

Sportvereinen stehen in Hamburg Grundstücke als „Sportrahmenvertragsflächen“ kostenfrei zur Verfügung. Umso erstaunter waren ATV, Bezirk und Hamburger Sportbund (HSB), dass Schulbau Hamburg eine „Ablösesumme“ von 6,29 Millionen Euro forderte, darunter 1,25 Millionen als Restbuchwert der dortigen Einfeldhalle, die den neuen Einrichtungen weichen soll. „Die Bauvorhaben des ATV sind politisch gewollt, Schulbau Hamburg entzieht sich aber wieder seiner Verantwortung für die Gestaltung von Sozialräumen“, klagt der Architekt Bernard Kössler, stellvertretender HSB-Vorstandsvorsitzender.

Bauexperte Sven Hielscher, stellvertretender Fraktionschef der CDU in der Bezirksversammlung Altona und Jurymitglied, sieht „ein grundsätzliches Dilemma, dass beim Bau von Sporthallen Vereinsinteressen in der Regel nicht angemessen berücksichtigt werden. Auf dem Struenseecampus könnte etwas Einmaliges entstehen, dafür müssten jetzt nur alle an einem Strang ziehen.“

ATV-Vorstand trifft Schulbau Hamburg

Die Behörden dagegen sehen das Projekt inzwischen auf einem erfolgversprechenden Weg. „Wir ermutigen die Vereine, Partnerschaften mit Bezirk und Schulbau Hamburg einzugehen und unterstützen die Clubs gern bei ihren Vorhaben. Das gilt auch für das wichtige Projekt des Altonaer Turnverbands. Dazu laufen derzeit Gespräche mit allen Beteiligten, die darauf abzielen, gemeinsam eine tragfähige Lösung zu finden, die allen gerecht wird“, hieß es auf Anfrage des Abendblatts. Immerhin: Am Freitagmittag reden ATV-Vorstand Dirk Hartmann, HSB und Schulbau Hamburg erstmals direkt miteinander.