Altona

Kita muss wegen Personalmangels schließen – Eltern in Wut

Evangelisches Kita-Werk gibt Einrichtung in Altona auf. Hoher Krankenstand und Fluktuation beim Personal sind nur ein Grund.

Hamburg.  Hoher Krankenstand bei den Erzieherinnen und bauliche Mängel – die evangelische Kindertagesstätte an der Billrothstraße (Altona) wird zum August nächsten Jahres geschlossen. Die betroffenen 36 Kinder würden in umliegenden kirchlichen Kitas untergebracht, heißt es beim Evangelisch-Lutherischen Kita-Werk Altona-Blankenese. Die Eltern wurden am Donnerstagabend über die Entscheidung informiert.

"Wir haben die Situation von allen Seiten beleuchtet und sehen keine Möglichkeit, die Kita weiter zu betreiben", sagt Karin Müller, Geschäftsführerin des Kita-Werks Altona-Blankenese. Als Gründe nannte sie die bauliche Situation sowie die finanzielle und personelle Lage. Der räumliche Zustand entspreche den Standards der 1970er-Jahre. Zudem fehle ein Pausenraum für die Mitarbeitenden. Für die Sanierung seien rund 300.000 Euro notwendig. "Die Summe lässt sich aus den Einnahmen der kleinen Kita nicht erwirtschaften", hieß es.

Schlechter Lärmschutz

Wie Karin Müller dem Abendblatt sagte, führten die baulichen Mängel zu schlechten Arbeitsbedingungen für die derzeit sechs Erzieherinnen. Auch der Lärmschutz sei "schlecht". Die mangelnde räumliche Situation sei ein "wichtiger Faktor für einen hohen Krankenstand der Erzieherinnen und Erzieher". Es gebe "viel Fluktuation im Team." Falls es im Sommer 2019 noch Kinder ohne einen Kita-Platz gibt, würden diese in einer kleinen Gruppe noch länger betreut.

Große Betroffenheit bei den Eltern

Die Eltern hätten auf dem Informationsabend mit "großer Betroffenheit" und schockiert reagiert, heißt es bei der Kita-Verwaltung. Das Kita-Werk werde für sie Ersatzplätze, unter anderen in der neuen Kita "Mitte Altona", anbieten. Den Erzieherinnen werde nicht gekündigt. Sie sollen einen Arbeitsplatz in einer anderen evangelischen Kindertagesstätte erhalten.

Eltern der von Schließung bedrohten Kita haben sich unterdessen an das Abendblatt gewandt. Sie äußerten scharfe Kritik am Vorgehen des kirchlichen Kita-Werkes. "Dass man uns vor vollendete Tatsachen stellt, irritiert und macht manche sogar wütend", sagte ein Vater. "Völlig unnötig wird einem sehr kinderreichen Stadtteil eine seit fast 40 Jahren bestehende Einrichtung genommen, ohne dass wir als direkt Betroffene uns überhaupt einbringen können." Noch im September habe eine Elterninitiative Gelder von den Kita-Eltern für ein neues Spielhaus auf dem Sandkasten gesammelt. Und nun die Schließung.

Ein Vater hofft nun, dass die Kita in der Billrothstraße erhalten bleibt. Sie sei ein "verstecktes Kleinod". Er schließt nicht aus, das sich Initiativen für den Erhalt der Einrichtung zusammenschließen.

Häufiger Personalwechsel

Eine Mutter kritisierte den häufigen Personalwechsel bei den Erzieherinnen. "Die Verantwortlichen sagten, dass die räumliche Situation der Kita am Personwechsel schuld sei. Wir dagegen fragen uns, ob die Räume für unsere Kinder eigentlich gesund sind, wenn sie es für das Personal nicht sind." Eltern verweisen darauf, dass die Begründung eines fehlenden Pausenraumes "zu einfach" sei. Das Gebäude, in dem sich die Kita befinde, sei groß genug. Dort hätte man einen geeigneten Raum für die Erzieherinnen finden können.

Nach Diakonie-Angaben ist die Einrichtung in der Billrothstraße nicht die erste Hamburger Kita, die geschlossen wird. "Unsere Mitglieder schließen aus unterschiedlichen Gründen immer wieder einzelne Kitas und eröffnen gleichzeitig neue Kitas an anderen Standorten", sagte Diakonie-Sprecher Steffen Becker dem Abendblatt. Die wichtigsten Gründe für Schließungen seien unter anderem die zu geringe Größe und keine Möglichkeiten zur Erweiterung und Modernisierung.

Keine weitere Schließung

Ein Trend lasse sich aus der Schließung der Kita Billrothstraße nicht ablesen. Becker: "Weitere Schließungspläne sind uns zur Zeit nicht bekannt."

Diakonie und Evangelische Kirche gehören mit 165 Kitas und über 11.000 Kitaplätzen zu den drei größten Anbieterinnen in Hamburg. Insgesamt gibt es in Hamburg und der näheren Umgebung rund 250 evangelische Kindertagesstätten. Auf dem Gelände der Hauptkirche St. Trinitatis in Altona plant das Kita-Werk eine neue Einrichtung.