Heldinnen des Alltags

Hamburgerin erhält die "Goldene Bild der Frau"

| Lesedauer: 6 Minuten
Ulrich Gaßdorf

"Goldene Bild der Frau 2018" – die Highlights

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Große Gala im Operettenhaus mit 500 Gästen. Sandra Mertzokat wurde für ihre Elfmeterstiftung geehrt.

Hamburg. Auf Preisverleihungen und glamourösen Events stehen meist die Prominenten im Mittelpunkt. Bei der festlichen „Goldenen Bild der Frau Gala“ im Operettenhaus am Hamburger Spielbudenplatz waren es die Heldinnen des Alltags. Sechs starke Frauen wurden am Mittwoch von der Zeitschrift, die wie das Abendblatt zu der Funke Mediengruppe gehört, für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet.

Janina Sommer (28) sitzt im Rollstuhl, seit sie 16 ist – die Folge eines Unfalls: „Ich wurde bei 180 Stundenkilometern aus dem Auto geschleudert.“ Als sie aufwacht, ist sie ab dem fünften Halswirbel gelähmt, kann nicht mal mehr die Finger bewegen. Der Alltag ist schwer, darum wünscht sich Janina einen Therapiehund – doch der kostet 30.000 Euro.

Hamburgerin Sandra Mertzokat hilft gelähmten Kindern

Lange hat sie auf einen vierbeinigen Freund gewartet, doch jetzt hat die „Elfmeterstiftung“ von Sandra Mertzokat ihren Traum wahr gemacht: Collin, ein Golden Retriever, ist bald durch die Ausbildung, dann wird er Janina Sommers bester Freund und Alltagshelfer. Wird ihr Türen öffnen, Hilfe holen, wenn ihr Kreislauf schlappmacht. „Mit ihm wird alles leichter“, sagt die junge Frau aus Lindlar, ihre Augen strahlen – und die von Sandra Mertzokat (45) gleich mit.

Mertzokat hat selbst erlebt, wie ein Moment alles verändert. Im Oktober 2008 verunglückt ihre Tochter Emma Rosa im Urlaub. Sie war damals gerade acht Jahre alt. Danach ist das Mädchen vom zweiten Halswirbel abwärts gelähmt. „Emma konnte sich nicht mehr bewegen, nicht allein atmen“, erinnert sie sich. „Aber als wir nach einem halben Jahr Bangen aus der Klinik kamen, mussten wir lernen, das Schicksal zu akzeptieren.“

So beschloss Sandra Mertzokat aus eigener Betroffenheit, nicht nur sich selbst, sondern auch anderen zu helfen. Im Oktober 2011 gründete sie mit ihrem Nachbarn Michael Weichler und zwei Freunden die „Elfmeterstiftung“ – die heißt so, weil Fußball Emmas liebstes Hobby war. Das Mädchen starb 2014 mit nur 14 Jahren an einer Viruserkrankung.

Mit ihrer Stiftung erfüllt sie Kindern und Jugendlichen, die bis zum 25. Geburtstag am Rückenmark verletzt wurden, große und kleine Wünsche. So half sie unter anderem einer Mutter beim behindertengerechten Umbau ihres Autos, spendierte einer anderen den dringend nötigen Urlaub.

Die weiteren Preisträgerinnen sind Diana Doko („Freunde fürs Leben e.V.“ aus Berlin), Nadja Benndorf und Nicole John („Kinderklinikkonzerte e.V.“ aus Magdeburg), Tanja Hock („Mobile Hilfe Madagaskar e.V.“ aus Aschaffenburg) und Lydia Staltner („Lichtblick Seniorenhilfe e.V.“ aus München)

Es hätte auch eine Filmpreisverleihung sein können

Die Preisträgerinnen hatten prominente Paten wie die Schauspielerin Suzanne von Borsody oder Francis Fulton-Smith an ihrer Seite. Wie beliebt diese Veranstaltung ist, zeigte das Schaulaufen der Prominenten auf dem roten Teppich. Mehr als 500 Gäste aus der Showbranche, Wirtschaft und Politik waren erschienen, um die großartigen Projekte der Frauen zu würdigen.

Zahlreiche Fotografen und Kamersteams warteten auf die Ankunft der Prominenz und wurden nicht enttäuscht. Es hätte auch eine Filmpremiere sein können, denn so viele bekannte deutsche Schauspieler bei einem Event haben Seltenheitswert. Zahlreiche Darsteller waren aus München angereist: Michaela May saß gemeinsam mit Jutta Speidel, die sich mit ihrem Verein Horizont für obdachlose Kinder und ihre Mütter engagiert, im Flugzeug von der Isar an die Elbe: „Ich bin hier Stammgast, für mich ist das das beste Event in der ganzen Republik. Denn hier stehen tolle Frauen im Rampenlicht, die mit ihren großartigen Projekten viel bewegen“, sagte Speidel. Auch Sängerin Katja Ebstein kam aus München: „Ich bin sehr gern bei dieser Veranstaltung. Hier werden Menschen geehrt, die sonst nicht in der Öffentlichkeit stehen.“ Aber auch die Hamburger Prominenz gab sich ein Stelldichein: Komiker Otto Waalkes wurde herzlich von Lindenstraßen-Star Marie-Luise Marjan begrüßt, die in Hamburg und Köln lebt. Schauspielerin Andrea Lüdke sagte: „Bei diesem Event sind Emotionen und Gänsehautmomente garantiert.“

Bei diesem besonderen Ereignis durften auch Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und seine Frau Eva-Maria nicht fehlen. Der Spitzenpolitiker lobte: „Mit dieser Preisverleihung wird das ehrenamtliche Engagement von Frauen in besonderer Weise gewürdigt. Dies ist ein wichtiges Signal, denn auch in Hamburg übernehmen viele Bürgerinnen und Bürger Verantwortung in Ehrenämtern und leisten damit einen wichtigen Dienst an der Gemeinschaft.“

Die Aufsichtsratsvorsitzende der Funke Mediengruppe, Julia Becker, betonte: „Eine festliche, sehr berührende Gala, die wir als Funke Mediengruppe gerne unterstützen. Weil sie mutige Frauen ins Scheinwerferlicht stellt. Weil sie dafür sorgt, dass deren Initiativen eine noch größere Aufmerksamkeit erhalten.“

Goldene Bild der Frau bereits zum zwölften Mal verliehen

Bereits zum zwölften Mal wurde die Goldene Bild der Frau verliehen, die eine Herzensangelegenheit von Chefredakteurin Sandra Immoor ist. Seit Anfang an moderiert Kai Pflaume charmant die Gala. Prominent waren die Laudatoren für die Preisträgerinnen an diesem Abend, darunter Sänger Johannes Oerding, der natürlich auch einen musikalischen Auftritt hatte. Auch Eislaufikone Katarina Witt überreichte eine Goldene Bild der Frau. Jedes der ausgezeichneten Projekte erhielt 10.000 Euro.

Aber es gab auch noch den Leserpreis der Goldenen Bild der Frau, der zusätzlich mit 30.000 Euro dotiert ist und von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) überreicht wurde. Die meisten Stimmen der Leser hatte Tanja Hock, erhalten, die auf Madagaskar schwangere Frauen mit ihrem Hebammen-Mobil unterstützt.

Für den musikalischen Höhepunkt der Gala sorgte der Auftritt von Rockstar Bonnie Tyler. Nach der Verleihung wurde noch bis nach Mitternacht auf die Heldinnen des Alltags angestoßen.

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