Kisseler Theaterpreis

Lichthof Theater erhält mit 50.000 Euro dotierten Preis

Leiter Matthias Schulze-Kraft im Lichthof Theater (Archivbild)

Leiter Matthias Schulze-Kraft im Lichthof Theater (Archivbild)

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Die nach der verstorbenen Kultursenatorin Barbara Kisseler benannte Auszeichnung hilft der Bahrenfelder Bühne beim Überleben.

Hamburg. „Das hatten wir auch noch nie: Seemannslieder im Resonanzraum!“, stellte Tobias Rempe fest, und es war nicht ganz klar, ob der Geschäftsführer des Ensemble Resonanz es jetzt charmant fand oder total unpassend, dass das Quintett Albers Ahoi fröhlich trötend die Verleihung des Barbara Kisseler Theaterpreises begleitete.

Dabei waren Albers Ahoi hier schon richtig: Den Preis nämlich erhält das Bahrenfelder Lichthof Theater, bei dessen Produktion „Söhne“ die Musiker einst auf der Bühne standen. Außerdem spielten sie Schunkler wie „Das letzte Hemd hat leider keine Taschen“, die sich auch ganz unironisch als Kommentar auf die wirtschaftliche Situation der freien Theaterszene lesen ließen.

Lichthof Theater soll besseren Standort bekommen

Das Lichthof immerhin steht nun finanziell ein wenig besser da: Der nach der vor zwei Jahren verstorbenen Kultursenatorin Barbara Kisseler benannte Preis ist mit 50.000 Euro dotiert. Zumindest ein bisschen Luft zum Atmen verschafft das, zumal das Haus voriges Jahr schon den Theaterpreis des Bundes erhalten hatte. Was Kisselers Amtsnachfolger Carsten Brosda (SPD) motivierte, eine Verbesserung des Lichthof-Standorts in Aussicht zu stellen – aktuell arbeitet das Theater eingequetscht zwischen Kleingewerbe und Kampfsportstudio.

Ansonsten erwies sich Brosda wieder einmal als Komplize der Kunst und so als würdiger Nachfolger Kisselers, die nach ihrem Amtsantritt 2011 als erstes den Kontakt zu den Off-Theatern gesucht hatte. Brosda bewies hier ehrliches Interesse am Thema, andererseits Fähigkeit zur Selbstironie. „Wir müssen die Produktion von Kunst fordern, nicht nur die Repräsentation“, beschrieb er die Aufgabe solch einer Finanzierung mittels Preisgeldern, nur um dann mit leichter Ruhrgebiets-Stimmfärbung zu konkretisieren: „Das muss man in Hamburg manchmal so aussprechen.“

Würdigung der gesamten freien Szene Hamburgs

Dass das Lichthof ein würdiger Preisträger ist, zeigten im Anschluss Szenen aus der Eigenproduktion „Staging Democracy“. Allerdings hatte der künstlerische Leiter Matthias Schulze-Kraft natürlich Recht, wenn er betonte, dass dieser Preis zwar konkret ans Lichthof mit seinem zweifellos innovativen Programm gehe, tatsächlich aber eine Würdigung der gesamten freien Szene Hamburgs sei.

Und diese freie Szene schaffe einen Mehrwert, der weit über die eigentliche Produktion hinausgehe, beschrieb Schulze-Kraft – um dann in einer selbstironischen Volte vom Kindertheater zur Globalisierung zu springen, die weite Welt, die auf der versteckten Bühne in Bahrenfeld kulminiert.

Der anonyme Juror, der dem Lichthof den Preis zusprach, konzentrierte sich allerdings tatsächlich auf einzelne Produktionen: „Söhne“, „Staging Democracy“ und „Schwester Richmute“ hob er in seiner (von Brosda vorgelesenen) Laudatio hervor. Und Albers Ahoi spielten „Jeden Tag schwimmt das Glück übern Ozean“. Diesmal eben nach Bahrenfeld.