Asklepios

Udo Lindenberg: Ohne Professor Kuck wäre ich tot

Kucki, mach kein' Quatsch: Udo Lindenberg unterstützt den Hamburger Herz-Spezialiisten Prof. Karl-Heinz Kuck (Asklepios St. Georg), der unter anderem ihn und Helmut Schmidt behandelte

Kucki, mach kein' Quatsch: Udo Lindenberg unterstützt den Hamburger Herz-Spezialiisten Prof. Karl-Heinz Kuck (Asklepios St. Georg), der unter anderem ihn und Helmut Schmidt behandelte

Foto: Roland Magunia

Prominenter Patient: Udo Lindenberg appelliert an die Gesundheitssenatorin, Prof. Kuck die Approbation zurückzugeben. Und wie!

Hamburg. Dieser Brief ist ein Kuriosum – und er berührt eines der heikelsten Themen aus Politik und Medizin in Hamburg. Es geht um den Fall des mit Preisen für seine Forschung und die klinische Praxis überhäuften Krankenhaus-Arztes Prof. Dr. Karl-Heinz Kuck (Asklepios St. Georg). Wie berichtet, hatte ihm die Gesundheitsbehörde von Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) die Approbation entzogen. Dagegen klagt Kuck. Und er weiß hinter sich eine Schar von Ärzten, Politikern, Anwälten und Prominenten, die gegen das faktische Berufsverbot für den Herzspezialisten protestieren.

In einem Brief, der dem Abendblatt vorliegt, wendet sich nun Udo Lindenberg an die Senatorin. „Hier Udo Lindenberg“, heißt es darin am Anfang. „Sie mögen sich wundern, dass ich Ihnen schreibe.“ Es ist ein überaus höfliches Entree in ein Schreiben, das argumentiert und einen Vergleich zwischen Künstlern und Ärzten zieht. Dann erläutert der Panik-Rocker (72) seine Beweggründe: „Ich bin froh, Ihnen heute schreiben zu können, ohne den Mann, um dessen Zukunft es hier geht, wäre ich nämlich schon längst tot. Dieser Mann hat mein Leben gerettet, als mir mal (im wahrsten Sinne des Wortes) sehr eng ums Herz war.“

Udo Lindenberg: Ärzte sind wie Künstler

Lindenberg erwähnt Kucks Verdienste um die Kardiologie, seine Erfindungen und den Einsatz für die Patienten im Krankenhaus St. Georg. In dessen Nähe lebt Lindenberg im Hotel Atlantic. Das gehört pikanterweise inzwischen dem Gründer von Asklepios, Bernard große Broermann. Kuck habe das Krankenhaus in St. Georg berühmt gemacht, habe Tausenden Patienten geholfen, nach der Behandlung oder Operation weiterzuleben.

Das Abendblatt dokumentiert hier den Brief Udo Lindenbergs:

„Sehr geehrte Frau Senatorin,

Sie mögen sich wundern, dass ich Ihnen schreibe. Hier Udo Lindenberg. Ich bin froh, Ihnen heute schreiben zu können, ohne den Mann, um dessen Zukunft es hier geht, wäre ich nämlich schon längst tot. Dieser Mann hat mein Leben gerettet, als mir mal (im wahrsten Sinne des Wortes) sehr eng ums Herz war. Nicht nur mir hat er geholfen. Er hat das Leben vieler Tausender gerettet – über die Jahrzehnte – und das Leben vieler, vieler Menschen wieder lebenswerter gemacht – über seine Neuerungen und Erfindungen in der Herz-Medizin, Ergebnisse seiner hoch engagierten Arbeit in Forschung und Wissenschaft für die moderne Kardiologie, die wir jetzt haben – und auch in besonderer Weise ihm zu verdanken ist. Die Rede ist von Prof. Dr. Karl-Heinz Kuck.

Prof. Kuck hat Patienten aus Hamburg und Deutschland wie auch international in Hamburg im St. Georg Krankenhaus behandelt, er hat die Asklepios-Kardiologie zu einer der weltweit angesehensten Herzkliniken gemacht. Er steht für den hohen Stand von Forschung und Wissenschaft in Deutschland. Er gehört zu unseren besten hierzulande und ich weiß, viele Tausende Menschen schätzen sich glücklich, ihn hier zu haben.

Nichts und niemand sollte diesem herausragenden Welt-Mediziner, dessen Patientenspektrum reicht von Helmut Schmidt über Günter Grass, von Henning Voscherau über David Bowie bis zu mir, der Hamburger Nachtigall Udo Lindenberg, die Würde und die Luft zum Atmen nehmen.

Darum möchte ich Sie bitten, diesem großartigen Menschen und Ausnahme-Arzt kein Berufsverbot aufzuerlegen und hier unter dem Aspekt des juristischen Grundprinzips der Verhältnismäßigkeit die Situation noch einmal zu überdenken.

Bedauerlicherweise ist vor Jahren in der Administration eines großen Krankenhauses ein Fehler passiert, eine Unachtsamkeit, ein Abrechnungsfehler, so wie er ganz offenbar in vielen Klinken landauf-landab mal passiert. Für den Fehler hat Prof. Kuck dann ja auch sofort die Verantwortung übernommen. Die Bestrafung ist erfolgt, die Finanzen wurden von Prof. Kuck wieder ausgeglichen, niemand hat Schaden genommen. Ich finde, dann sollte man jetzt auch wieder nach vorne schauen.

Der Beruf des Arztes ist mit dem von Künstlern und Kulturschaffenden durchaus vergleichbar. Nur mit absoluter Liebe zur Kunst (sei es in der Musik, sei es in der Medizin), mit größter Leidenschaft und auch der Bereitschaft, immer wieder an die Grenzen des Physischen wie Psychischen zu gehen – und darüber hinaus ... Immer weiterkommen, weiterforschen, Neues erfinden. Das gilt im Arzt-Beruf einschl. Wissenschaft und Forschung genauso wie beim Künstler, zum Beispiel in der Musik. Sich und dem Publikum treu bleiben, die profunde Basis erhalten, sich dennoch immer wieder neu erfindend. Ja, hier gehen Naturwissenschaft und Kunst Hand in Hand. Mit gleichem Maß!

Nimm niemandem die Kunst, die er liebt – sonst verstummt der Himmel!

Hier stehen wir: Ein begnadeter Arzt voller Hingabe an seine Berufung, seine Mission, seinen Lebensauftrag – und ein Sänger, einer aus der Hamburger Künstlerfamilie. Und wir stehen gemeinsam auch für dieses wundervolle Hamburg.

Und Hamburgs Ruf als Standort für alle hohen Künste sollten wir in Würde und Ehren halten.

Mit freundlichen Grüßen

Udo Lindenberg“

Die Klage Kucks gegen den Entzug der Approbation hat aufschiebende Wirkung. Er kann also weiterarbeiten. Sein Arbeitgeber Asklepios und Kuck haben sich auf ein Vertragsende zum 30. Juni 2019 geeinigt. Ob und wo Kuck darüber hinaus als Arzt arbeitet, ist ungewiss. Kucks Einspruch und das Verfahren vor dem Verwaltungsgericht kann theoretisch Jahre dauern.

Für den Abrechnungsbetrug war Kuck vor zwei Jahren zu einem Jahr Gefängnis und 100.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Er hat "Fehler" eingestanden, sich entschuldigt und das Geld zurückgezahlt. In einer internen Mail, die dem Abendblatt vorliegt, schrieb er zuletzt, dass er sich nie habe persönlich bereichern wollen.