Teure Mieten

Hamburger Studentin muss auf dem Boden schlafen

Pendelt von Lübeck nach Hamburg: die Studentin Melanie R. auf dem Allende-Platz im Univiertel.

Pendelt von Lübeck nach Hamburg: die Studentin Melanie R. auf dem Allende-Platz im Univiertel.

Foto: Roland Magunia / HA

Wohnungsnot: Tausende Erstsemester finden keine feste Bleibe. Opposition fordert den Bau neuer Heime.

Hamburg.  Melanie R. (19) studiert im ersten Semester Erziehungs- und Bildungswissenschaften in Hamburg – und kommt dafür fast jeden Tag aus Lübeck. Das kostet sie trotz HVV-Semestertickets nicht nur 100 Euro extra pro Monat, sondern führt auch zu Zeitproblemen. Manchmal kommt sie deshalb bei Kommilitonen in Hamburg unter, bei denen sie wegen Platzmangels auf dem Boden schlafen muss.

Melanie R.: „Durch den für mich ungünstigen Fahrplan könnte ich sonst nicht an wichtigen Veranstaltungen der ersten Wochen teilnehmen.“ Die Studentin sucht wie viele andere Kommilitonen nach einer eigenen Wohnung oder einem Zimmer in einer Wohngemeinschaft in der Hansestadt. Derzeit hält Melanie R. sich mit zwei Nebenjobs über Wasser bis ihr BAföG-Antrag bewilligt wird. Dadurch würde sie eine Wohnkostenpauschale in Höhe von 250 Euro monatlich bekommen.

Kommentar: Mehr Wohnheime für Studenten!

Laut Studierendenwerk warten noch etwa 2200 weitere Studenten auf eine Unterkunft in der Hansestadt. Trotz der angespannten Wohnungs­situation haben einige der zugezogenen Studierenden das Glück, nicht lange auf eine Wohnung warten zu müssen. VWL-Student Aaron G. (20) aus der Nähe von Hannover bewohnt zurzeit ein WG-Zimmer in Rahlstedt für 455 Euro Kaltmiete im Monat. Sein Kommilitone Leon O. (20) aus Fulda zahlt ähnlich viel für eine Einzimmerwohnung in Harburg. Der VWL-Student: „Ohne die finanzielle Unterstützung meiner Eltern hätte ich nicht in Hamburg studieren können. Selbst das kleinste WG-Zimmer wäre zu teuer gewesen.“ Derzeit sucht er einen Nebenjob, um seine Eltern zu entlasten.

Heimatnahes Studium bevorzugt

Eine größere Zahl an Studien­anfängern entscheidet sich jedoch für ein heimatnahes Studium. Laut der Sozialerhebung aus dem Jahr 2016 des Studierendenhilfswerks stammen 38 Prozent der Studenten aus der Hansestadt selbst. Beispiele dafür sind Anne-Marie B. (18) und Lea M. (19). Die beiden Hamburgerinnen haben sich bewusst für ein Lehramtsstudium an der Uni Hamburg entschieden. Sie müssen also weder eine passende Unterkunft suchen noch diese mit einem Nebenjob finanzieren. Die Arbeitsbelastung erhöht sich dadurch enorm: Laut Erhebung beansprucht allein das Studium schon durchschnittlich 41,9 Arbeitsstunden pro Woche.

Wie langwierig die Suche nach einer bezahlbaren Bleibe sein kann, zeigt sich am Beispiel von Marcel W. (28): Erst nach einem Jahr Suche fand er in Altona eine Einzimmerwohnung. Für diese zahlt der VWL-Student 470 Euro Kaltmiete im Monat.

Wie schwierig es für ausländische Studenten ist, passenden Wohnraum zu finden, kann Suong N. (24) bestätigen. Die Vietnamesin begann ihr Psychologie-Studium in ihrem Heimatland und entschloss sich dann, dieses in Hamburg weiterzuführen. Mit Strom- und Wasserkosten zahlt sie momentan 250 Euro in einem universitätsnahen Studentenwohnheim. Sie habe viel Glück gehabt, sagt sie, denn die vom Studentenwerk zur Verfügung gestellten Zimmer seien sehr gefragt. Während ihrer zweimonatigen Wohnungssuche hatte sie aber immerhin die Möglichkeit, bei Freunden zu übernachten.

Kritik von der CDU

Für Studierende und Auszubildende, die auf Wohnungssuche sind, könnte die Förderung durch die Hamburgische Investitions- und Förderbank (IFB) interessant sein: Sie subventioniert Wohnungen und WGs in Mümmelmannsberg, Steilshoop, Wilhelmsburg, auf der Veddel und im übrigen Hamburger Süden. Dadurch zahlen Studenten rund 200 Euro weniger Miete als im Schnitt in Hamburg. Wer keine Unterkunft findet, dem bietet das Studierendenhilfswerk bis zum 15. November Kurzzeitunterkünfte für 15 Euro pro Nacht in einer ihrer Wohnanlagen an.

Die Opposition in der Bürgerschaft fordert angesichts der Wohnungsnot den Bau neuer Studentenheime. Der CDU-Abgeordnete Carsten Ovens: „Alleine die Zahl der Studenten in Harburg soll in den kommenden Jahren um mehr als 30 Prozent auf dann 10.000 steigen. Die Lage am Wohnungsmarkt wird sich damit weiter verschärfen, ein Studium in Hamburg wird immer teurer, ohne dass dadurch die Qualität der Abschlüsse steigt.

Rot-Grün handelt hier weder sozial noch clever.“ Die CDU werde deshalb in den anstehenden Haushaltsberatungen weitere Initiativen einbringen, um studentisches Wohnen in Hamburg zu fördern. Der FDP-Fraktionsvize Daniel Oetzel sagt: „Wenn Rot-Grün den Wissenschaftsstandort Hamburg voranbringen will, darf die studentische In­frastruktur nicht länger vergessen werden. Mehr als 2000 Interessenten auf der Warteliste für einen Wohnheimplatz sprechen eine deutliche Sprache.“