Winterhude

Streit um Rollstuhlfahrer im Planetarium

Auf Facebook empört sich ein Vater, dass sein Sohn nicht in einem Liegesessel Platz nehmen durfte. Doch dafür gibt es gute Gründe

Winterhude. Es sollte ein schöner Nachmittag im Hamburger Planetarium werden: Drei Karten hatte der Wandsbeker Arnold Schnittger (66) für seinen geistig behinderten Sohn Nico, seine Frau und sich selbst gekauft. Das Musical „Tabaluga“ wollten sich die drei am Dienstag ansehen. Doch der Nachmittag endete im gewaltigen Streit mit dem Sicherheitspersonal. Wütend verließ die Familie das Haus.

Das Problem: Arnold Schnittgers Sohn Nico (24), der im Rollstuhl sitzt, wollte im Saal in einen der normalen, weichen Liegesessel wechseln. Diese lassen sich nach hinten klappen, damit die visuellen Effekte bequem betrachtet werden können.

Doch als Nico gerade in den Sessel umsteigen wollte, wurde er von einem Mitarbeiter des Planetariums gestoppt. „Er hat uns in sehr unfreundlichem Ton gesagt, dass Nico im Rollstuhl sitzen bleiben und auf die speziell eingerichteten Rollstuhlplätze wechseln muss“, so der Vater. „Als Grund nannte er den Brandschutz. Angeblich könnte mein Sohn bei einem Feuer nicht schnell genug gerettet werden, wenn er nicht im Rollstuhl bleibt.“ Den Einwand des Vaters, er selbst könne seinen Sohn doch im Notfall wieder in den Rollstuhl hieven und ihn nach draußen bringen, ließ der Mitarbeiter mit Verweis auf die Vorschriften nicht gelten.

„Wir waren schon häufiger im Planetarium, und da gab es nie solche Pro­bleme“, empört sich Arnold Schnittger. „Ich habe nichts gegen Brandschutz, aber einem Behinderten den Platz in einem der normalen Sessel zu verweigern, das geht nicht.“ Dabei gehe es auch um die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. „In seinem Rollstuhl hätte mein Sohn nichts von dem ,Tabaluga‘-Stück sehen können.“ Enttäuscht verließ die Familie das Planetarium. „An der Kasse haben wir noch nicht einmal unser Geld zurückbekommen“, schimpft der Vater.

Das Planetarium entschuldigte sich auf Facebook. „Es tut mir sehr leid, dass die Familie so ein negatives Erlebnis bei uns hatte“, sagte der Direktor des Planetariums, Thomas Kraupe, dem Abendblatt. „Behinderte sind bei uns willkommen, wir grenzen niemanden aus.“ In der Sache sei den Mitarbeitern allerdings nichts vorzuwerfen. Rollstuhlfahrer müssten aus Sicherheitsgründen auf speziell dafür ausgewiesenen Plätzen stehen. „Wir als Veranstalter müssen sicherstellen, dass die Fluchtwege frei bleiben und dass im Brandfall die Gäste schnell aus dem Gebäude kommen.“ Dabei könne man sich nicht darauf verlassen, dass Verwandte oder andere Personen diese Aufgabe übernähmen.

Der Eintrittspreis werde erstattet. Und Kraupe will mit der Familie über Verbesserungen ins Gespräch kommen – etwa ob Rollstühle auf einen drehbaren Untergrund gestellt werden sollten, um eine bessere Sicht zu gewährleisten.