neustadt

Scheinhinrichtung: Täter bekommen Bewährung

Mitarbeiter eines Kiezclubs sollte für Diebstahl bestraft werden

neustadt. Keine Gewalt, kaum Druck. Es sei keine große Sache gewesen, nur die relativ unaufgeregte Klärung eines Diebstahls: So hatten es die beiden Angeklagten geschildert. Doch für einen anderen Mann war es eine Situation, in der er Todesängste ausgestanden hat, in der er in einen Wald entführt und mit einer Pistole bedroht worden sei – eine Scheinhinrichtung, um ihn zu einem Geständnis zu nötigen. „Ich hatte einfach echt mega Angst“, formulierte der 28-Jährige.

Jetzt wurden die Männer, die ihm nach Überzeugung des Landgerichts heftig zugesetzt und ihn bedroht haben, verurteilt: Die Kammer verhängte für einen 34 Jahre alten Betreiber eines Kiezclubs zwei Jahre Freiheitsstrafe mit Bewährung unter anderem wegen räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung. Ein 39 Jahre alter Türsteher erhielt 20 Monate Haft mit Bewährung. Der Kammervorsitzende sprach im Urteil davon, die Täter hätten an einer „Eskalationsschraube gedreht“, um das Opfer unter Druck zu setzen.

Die Tat ereignete sich am 1. März 2016 (wir berichteten). Laut Staatsanwaltschaft hatten die beiden Männer ihrem Mitarbeiter vorgeworfen, Bargeld aus der Kasse des Clubs auf der Großen Freiheit gestohlen zu haben. Deshalb sollen sie ihn zunächst zur Rede gestellt haben, ihn bedrängt, ins Gesicht geschlagen und ihn mit einer Schreckschusspistole bedroht haben. Schließlich hätten sie ihn mit dem Auto in einen Wald bei Schwarzenbek gefahren und vorgegeben, ihn töten zu wollen.

Zur Vorgeschichte der Tat: Der Clubbesitzer hatte seinen Mitarbeiter bei einem Diebstahl von 20 Euro erwischt. Nachdem er ihn später verdächtigte, weiteres Bargeld entwendet zu haben, entschloss er sich, den Mann unter Druck zu setzen; der Türsteher half ihm dabei. Die Angeklagten hatten vor Gericht behauptet, man habe sich mit dem vermeintlichen Dieb sehr schnell verständigt und gemeinsam und gewissermaßen als Freunde den Club verlassen. Doch das Gericht glaubte dem 28-Jährigen, der eine erzwungene Fahrt in einen Wald geschildert hatte und von einer Scheinhinrichtung sprach.

Für das Urteil war es entscheidend, dass nicht festgestellt werden konnte, dass die Waffe überhaupt mit ins Auto und in den Wald gekommen ist. Doch an den Ängsten und den psychischen Qualen des Opfers hatte die Kammer keine Zweifel. Nach den Bedrohungen im Club kündigten die Angeklagten ihrem Opfer nach Überzeugung des Gerichts an: „Ich glaube, wir müssen spazieren fahren.“ Zudem hätten die beiden Männer dem 28-Jährigen Angst vor einer vermeintlich bevorstehenden Tötung gemacht: Das Opfer fürchtete demnach, erschossen zu werden. Als die Männer ihn fragten: „Möchtest du es auf die schmerzhafte oder nicht so schmerzhafte Tour?“, verstand der 28-Jährige es so, dass er durch einen Kopfschuss getötet oder vorher noch gequält werde. Aus Furcht vor Erschießung räumte er ein, 300 Euro gestohlen zu haben. Die Täter fuhren weg und ließen den Mann im Wald zurück.