Aktionen auch in Hamburg

Celina Kühl ist Finanzministerin für einen Tag

Celina Kühl vom Jugendbeirat des
Kinderhilfswerkes Plan.

Celina Kühl vom Jugendbeirat des Kinderhilfswerkes Plan.

Foto: picture alliance/dpa

Zum Weltmädchentag übernimmt Celina Kühl den Job von Olaf Scholz. Sie möchte aber nicht nur reden, sondern was bewegen.

Hamburg.  Einmal im Leben Finanzminister sein – davon träumen sicherlich viele Menschen. Für Celina Kühl wird dieser Traum Wirklichkeit. Die junge Frau aus der Nähe von Hannover teilt sich nämlich mit Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) einen Tag lang den Job. Anlass ist der Weltmädchentag am 11. Oktober, an dem rund um den Globus Mädchen und junge Frauen an die Stelle von Regierungschefs, Ministern oder Leitern globaler Konzerne treten. „Ich freue mich so“, sagt Kühl. „Das wird sicher ein großer Spaß.“

Dabei ist der 21-Jährigen eigentlich gar nicht zum Spaßen zumute. Sie hat einige ernste Anliegen, die sie in Berlin vortragen will, und weiß genau, was sie will. „Mir liegen Gleichberechtigung und politische Teilhabe am Herzen“, sagt sie. Und klar, sie sei aufgeregt, was da alles auf sie zukomme. Aber vor allem, weil sie wirklich etwas erreichen wolle mit der Aktion.

Entwicklung und Karriere

„Das ist eine tolle Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen, dass mehr Frauen in Führungspositionen gehören. Dass mehr jugendliche Teilhabe wichtig ist.“ Schließlich würden sie die Hälfte der Gesellschaft ausmachen. „Aber in den verantwortungsvollen Jobs sind wir viel zu sehr unterrepräsentiert.“ Auf dem Weg dahin sei auch eine Quote nicht verkehrt. Also habe sie sich genau auf ihre Aufgabe vorbereitet.

Beginnen soll der Tag mit einem Gespräch mit dem Staatssekretär Wolfgang Schmidt. Das Thema: Entwicklungspolitik und Gleichberechtigung. Es folgt eine Führung durch das große Gebäude. Danach trifft sie andere Frauen aus dem Ministerium zu einem Austausch über Entwicklungsmöglichkeiten und Karrierechancen von Frauen im Finanzministerium und in anderen obersten Bundesbehörden. Um schließlich eine Stunde lang mit Scholz persönlich zusammenzusitzen.

Auch hier soll es wieder um die Themen Gleichberechtigung und politische Teilhabe von Jugendlichen, Gleichstellung von Männern und Frauen in Politik und Gesellschaft gehen. Das Ziel der jungen Frau: nicht nur ein nettes Gespräch. Nein, Kühl möchte am liebsten dem Minister eine Zusage abringen. „Er kann in seiner Position etwas ändern. Es wäre doch eigentlich wichtig, dass er mir zusichert, dass er sich mehr für die Gleichberechtigung einsetzt.“

Kühl, die in Wernigerode im fünften Semester internationale Business Studies mit dem Schwerpunkt Finanzen studiert, engagiert sich schon lange für die Rechte von Frauen und Jugendlichen. Seit 2013 ist sie im Jugendbeirat des Kinderhilfswerks Plan International Deutschland aktiv. „Meine Mutter hatte ein Patenkind bei Plan“, sagt sie. So sei sie von Klein auf an mit dem Thema konfrontiert gewesen. Mit 15 Jahren habe sie sich dann für den Beirat beworben. „Hier ist auch die Idee entstanden, an das Finanzministerium einen Brief zu schreiben und sich für eine Übernahme zu bewerben“, so Kühl. Sie sei dann in einem internen Auswahlverfahren unter den 20 Beiratsmitgliedern bestimmt worden, nach Berlin zu reisen.

60 Gebäude erstrahlen in Pink

Der Weltmädchentag wurde 2011 von den Vereinten Nationen (UN) ins Leben gerufen. Initiator war das Kinderhilfswerk Plan International. Weltweit gibt es Aktionen, um auf die Rechte von Mädchen und Frauen aufmerksam zu machen. Dazu gehören rund 1000 sogenannte Takeover, die Jobübernahmen, in 70 Ländern, darunter Positionen wie das Amt des General Managers von eBay Canada, das Amt der Verteidigungsministerin der Niederlande oder das Amt des Vizepräsidenten von Indonesien. Zudem erstrahlen am kommenden Donnerstagabend in 30 Städten in Deutschland 60 bekannte Gebäude in Pink, wie der Funkturm in Berlin, das Neue Rathaus am Marienplatz in München und die St.-Petri-Kirche in Hamburg.

„Nur wenn Mädchen überall die gleichen Chancen haben wie Jungen, hat unsere Welt eine Zukunft“, sagt Maike Röttger, Geschäftsführerin von Plan International Deutschland. „Bis dahin müssen wir viel Überzeugungsarbeit leisten. Mit unserer Beleuchtungsaktion wollen wir darauf aufmerksam machen, wie wichtig es ist, dass auch Mädchen und junge Frauen führende Rollen übernehmen und mitmischen in allen Bereichen, die sie betreffen. In Deutschland – und überall auf der Welt. Denn Gleichberechtigung trägt zur nachhaltigen Bekämpfung von Armut bei – und zu einer sicheren Welt.“

Die vergangenen Aktionen des internationalen Weltmädchentages haben bereits einige Fortschritte gebracht. In Nepal übernahmen Mädchen 2017 unter anderem 300 lokale Radiosender. 20 von ihnen bekamen hinterher eine feste Anstellung bei den Sendern. In Ecuador gelang es 24 Mädchen nach dem Takeover der Nationalversammlung, dass eine Resolution gegen Gewalt an Mädchen eingebracht wurde.