Hamburg

In Billstedt brauchen Radler gutes Sitzfleisch

Radwegetest Teil 9: Auf der Veloroute 8 von der City nach Bergedorf erwarten den Radfahrer Schlagloch-Slalom, zugeparkte Wege, aber auch einige Highlights

Zwar hat die Stadt auf weiten Teilen der Veloroute 8 ihre Hausaufgaben gemacht, Grund sich zurückzulehnen sei das aber noch nicht, finden Ulf Albrechtsen und Norbert Fleige. „Es gibt noch Lücken“, sagt der geborene Münsteraner Fleige, der schon seit 38 Jahren in Hamburg lebt. Er ist Energieberater und saß lange in verschiedenen Verkehrs- und Umweltausschüssen, um die Stadt fahrradfreundlicher zu machen. Sein ADFC-Kollege Albrechtsen ist vierfacher Vater aus Bergedorf und radelt mehrere Hundert Kilometer im Jahr. „Als Allererstes sollte man die Schlaglöcher in Billstedt beseitigen“, sagt Albrechtsen.

Vom Rathausmarkt führt die knapp 19 Kilometer lange Veloroute 8 am Hauptbahnhof vorbei über den Steintorplatz und entlang am Busbahnhof. Beim Strohhause wartet das erste Highlight: ein frischer, neuer Radweg mit knallrotem Belag und schneeweißen Spurmarkierungen. Er führt knapp einen Kilometer an den Hochhausfassaden Hammerbrooks vorbei. Radfahrer aus beiden Richtungen teilen sich den Weg – Platz ist für alle da.

Nach der Brücke am Berliner Tor biegt die Veloroute an der Ecke zur Klaus-Groth-Straße links auf die Bürgerweide ein. Jetzt geht es bergauf. Am Fuße des Hügels sorgt eine Verengung im Weg für Ärger. Norbert Fleige nennt diesen Punkt „eine heimtückische Schikane, die den Radfahrern das Leben schwermacht.“ Die Maßnahme soll Radfahrer zum Bremsen bringen und Zusammenstöße mit den Autos, die aus der Klaus-Groth-Straße kommen, verhindern. Die Schikane sei aber eher Fluch als Segen. „Radfahrer haben hier ohnehin Vorfahrt“, erklärt Fleige. „Die Maßnahme ist unnötig und wird eher zum Hindernis. Besonders im Dunkeln ist dieser Punkt gefährlich“, meint Ulf Albrechtsen dazu.

Der anschließende Weg über die Bürgerweide ist ausgezeichnet zu fahren. Auf einem zwei Kilometer langen und asphaltierten Stück können wir gemütlich radeln. Note: „Eins“ mit Sternchen. Der Weg verläuft oberhalb der dicht befahrenen Borgfelder Straße. Hier kann man die Aussicht auf die Autos genießen, die dort unten durch den dichten Verkehr schleichen. „Früher musste man über einen grauenhaften Weg an der Borgfelder Straße fahren“, erzählt Ulf Albrechtsen. „Der Weg über die Bürgerweide ist eine deutliche Verbesserung!“

An der U-Bahn-Station Burgstraße rollt sich ein roter Teppich vor uns aus: ein neuer und einwandfreier Fahrradweg in tiefem Rot. Die Signalfarbe weckt sogar die Menschen auf, die aus die Bahnstation herauskommen und mit ihrem Kopf noch in der U-Bahn sind. Rücksichtsvoll bleiben sie stehen und lassen die Radfahrer durch. Hinter dem Sievekingdamm wartet wieder ein hübsches Teilstück durch sattes Grün.

Vor dem Hammer Steindamm verlangsamen Bremsschwellen die Geschwindigkeit. Ulf Albrechtsen hält und sagt: „Die Schwellen sind eine gute und sichere Alternative zu den gefährlichen Schikanen an der Bürgerweide zuvor. Sie bremsen und sorgen für keinerlei Gefahr.“ Beim Weg über den Hammer Steindamm vereinfacht eine Insel zwischen beiden Autospuren das Überqueren. „Dieser Übergang ist gut gelöst“, findet Albrechtsen. Man kann die Straße somit in zwei Stücken überqueren.“ Am Horner Weg wartet das nächste Highlight der Veloroute 8: Eine brandneue Fahrradstraße. Der Weg ist erst seit kurzer Zeit für den Verkehr freigegeben. Der Asphalt ist einwandfrei. Die Baumaschinen stehen noch am Straßenrand. „Der Weg wird bereits gut angenommen“, hat Norbert Fleige beobachtet. „Es fahren hier sogar mehr Radfahrer als Autos.“ Ulf Albrechtsen erklärt: „Die gesamte Fahrbahn wird in der Fahrradstraße zum Radweg. Autos dürfen hier auch fahren, müssen sich aber zurückhalten.“ Rund zweieinhalb Kilometer führt der Weg vorbei an alten Horner Backsteinbauten. „Hier fährt es sich hervorragend“, lobt Ulf Albrechtsen.

Am Ende des Horner Weges treffen sich mehrere große Straßen an der Horner Rennbahn. Lange hatten Radfahrer an dieser geschäftigen Kreuzung das Nachsehen. Dies hat nun aber ein Ende: Im Zuge der Bauarbeiten am Horner Weg wurde auch diese Ecke fahrradfreundlicher gemacht: So ermöglichen durchgängige Spuren es Radfahrern nun, innerhalb einer Ampelphase von einer Seite der Kreuzung zur anderen zu gelangen. „Vorher mussten Radfahrer eine Ampel nach der anderen überqueren und warteten dabei eine halbe Ewigkeit“, meint Fleige.

Es folgt die eineinhalb Kilometer lange Washingtonallee. Dort hält der gute Eindruck der Veloroute im Stadtteil Horn an. Auf einer frisch asphaltierten Straße führt eine Fahrradspur entlang. Einziger Aufreger: Viele Autofahrer nutzen die Fahrradspur dort als Parkzone. Vor einem Gewerbegrundstück parken gleich sieben Autos hintereinander und sorgen dafür, dass Fleige und Albrechtsen die geparkten Fahrzeuge umkurven müssen. Dabei geraten sie auf die Autospur und kommen den Fahrzeugen in die Quere.

Nach Verlassen des Stadtteils Horn sinkt die Qualität des Radwegs abrupt. Auf der Billstedter Hauptstraße sorgt ein schmaler Rumpelweg für lebhafte Bewegung auf dem Sattel. Eng und schwierig zu befahren ist der Weg vorbei am Billstedt Center. Dazu bricht er an mehreren Stellen aufgrund von Baumwurzeln sogar auf. Am Schlemer Bach führt die Billstedter Hauptstraße bergab. Im Wackelmodus manövriert man sich hier um Schlaglöcher und lose Pflastersteine herum. Erst auf der Höhe des Billstedter Mühlenwegs, wo der Weg rechts unter der Bundesstraße in ein grünes Stück einbiegt, hat der Schrecken ein Ende. „Dieser Abschnitt ist grottenschlecht“, findet Norbert Fleige. „Die Pflastersteine sollte man hier besser neu verlegen“, meint er. Auch die Wegführung sei hier in Billstedt nicht plausibel, betont Albrechtsen. „Wer hier häufig fährt, nimmt eher den Weg zwischen Bille und B 5. Die Veloroute ist aber so gelegt, dass sie durch möglichst viele Stadtteilzentren führt und viele Fahrradfahrer mitnehmen möchte.“

Anschließend fährt man über den Billhorner Bahnsteig parallel zu den Bahnschienen. Das dichte Grün Billstedts und die spärliche Bebauung an diesem Abschnitt lässt den Radler vergessen, dass er gerade aus der City gekommen ist. Ein stillgelegter Bahnhof nahe der Roten Brücke lädt zur Reise in die Vergangenheit ein. Die Südstormarnsche Kreisbahn hat hier bereits vor Jahrzehnten den Betrieb eingestellt.

Nur nach Schildern zu fahren ist unmöglich

Erst in Boberg führt die Veloroute unter der B 5 hindurch auf die Lohbrügger Landstraße. An der Ecke zum Rudorffweg beklagen Albrechtsen und Fleige eine unübersichtliche Stelle. „Die Ecke ist nicht nur schwer zu überschauen, für Fahrradfahrer gibt es auch keinen Vorrang obwohl hier kaum Radfahrer fahren“, meinen die beide Mitglieder des ADFC Bergedorf. Am Ende der abschüssigen Lohbrügger Landstraße biegt sie links in Richtung Bergedorf ab.

Schließlich führt die Strecke durch den Ludwig-Rosenberg-Ring, an Altbauten in der Alten Holstenstraße vorbei in den Weidenbaumsweg, wo die Veloroute im verkehrsberuhigten Bereich vor dem Bergedorfer Bahnhof endet.

Für Albrechtsen und Fleige gehören die Abschnitte durch die Parkanlagen in Borgfelde und Hamm sowie die Fahrradstraße im Horner Weg zu den Highlights der Route. Die Radwege in Billstedt seien dagegen verbesserungswürdig, meinen sie. „Ab Billstedt sind weitgehend bereits vorhandene Wege unterschiedlicher Qualität als Veloroute ausgewiesen worden“, sagt Fleige. Auch die Beschilderung könne noch verbessert werden, finden sie. „In den neu gemachten Bereichen sind Schilder für die Veloroute meist gut, in Billstedt fehlen sie aber. Generell gilt: Nur nach Schildern zu fahren ist auf der Veloroute 8 unmöglich“, sagt Ulf Albrechtsen.

Am Mittwoch lesen Sie: Veloroute 9 –
Vom Rathausmarkt über Rothenburgsort
und Billbrook bis nach Bergedorf