Angst vor Übernahmen

Hamburger Ärzte wollen Praxen vor Klinikketten schützen

Ein Arzt berät eine Patientin (Symbolfoto)

Ein Arzt berät eine Patientin (Symbolfoto)

Foto: picture alliance

Kassenärztliche Vereinigung plant, selbst Praxen zu übernehmen, damit diese nicht in die Hand von Konzernen und Großinvestoren fallen.

Hamburgs Kassenärzte sind besorgt: Nach einer großen Welle von Krankenhaus-Privatisierungen gibt es in der Branche nun das Problem, dass finanzstarke Klinikkonzerne und Großinvestoren dabei sind, auf dem ambulanten Markt Fuß zu fassen und Praxen aufzukaufen.

Vor diesem Hintergrund will die Kassenärztliche Vereinigung jetzt mit eigenen Maßnahmen den Markt besser vor Investoren schützen. "Wir erwägen, künftig selbst als Käufer aufzutreten und Praxen vorübergehend zu übernehmen", sagte ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg dem Abendblatt.

Praxen wieder in die Hand von Ärzten geben

Im Anschluss will die Ärzte-Organisation nach Lösungen suchen, wie die Praxis wieder in die Hand eines Arztes kommen kann und nicht in die Hand einer Kette. Zuerst hatte der Sender NDR 90,3 über das Vorhaben berichtet. Die Pläne sollen in den kommenden Monaten umgesetzt werden und werden derzeit in verschiedenen Gremien diskutiert.

Übernahmen durch Klinikketten finden in der Regel dann statt, wenn ein niedergelassener Arzt in den Ruhestand geht und keinen direkten Nachfolger findet. Eine Praxis im Alter zu verkaufen ist meist Teil der Altersvorsorge eines Mediziners nach einem langen Berufsleben.

"Konzerne wollen vor allem Geld verdienen"

Der Chef der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg, Walter Plassmann, sagte im Gespräch mit NDR 90,3, den Investoren gehe es nicht in erster Linie darum, für Patienten zu sorgen, sondern darum, Geld mit den Praxen zu verdienen. Es müsse außerdem verhindert werden, dass mehr Praxis-Ketten entstehen. Unter anderem bei Zahnarzt-Praxen gebe es diesen Trend bereits, so Plassmann.

Vor einem zunehmenden Handel mit Arztpraxen hatte zuletzt auch Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) gewarnt und sich damit dem höchsten gesundheitspolitischen Berater-Gremium Deutschlands angeschlossen – dem Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen. Die Experten sehen insbesondere die Gefahr, dass sich normale Ärzte keine Praxis mehr leisten können, weil Investoren die Preise in die Höhe treiben.