Bunter Protest

Große Anti-Rassismus-Demo durch die City endet friedlich

Rund 35.000 Menschen haben an der Parade gegen Fremdenfeindlichkeit und Abschiebung teilgenommen. Abschlusskonzert am Hafen.

Hamburg. Sie kamen mit kompletten Rettungsbooten, Fäusten aus Pappmaché und rosa Ballons: Rund 20.000 Menschen sind nach Polizeiangaben am Sonnabend in einer großen Anti-Rassismus-Demo durch die Hamburger Innenstadt gezogen. Unter dem Motto „United against Racism“ hatte dazu ein Bündnis von mehr als 450 Gruppen aufgerufen. Neben Initiativen wie Sea-Watch, Laut gegen Nazis und Women in Exile war auch die Gruppe „Seebrücke Hamburg“ bei der Demonstration vertreten.

Drei Demonstrantinnen in Tierkostümen bei der Parade

Die Veranstalter sprachen sogar von 30.000 bis 35.000 Teilnehmern. „Unsere Erwartungen sind übertroffen worden“, sagte Mario Neumann, Pressesprecher von den Organisatoren von „We'll come united“.

Die Parade glich einem bunten Karnevalsumzug mit 40 Trucks, aber auch mit Lastenrädern, Kinderwagen und Sambabands. Die Demonstranten forderten unter anderem, dass Hamburg zu einem sicheren Hafen für geflüchtete und gerettete Menschen erklärt wird. "Die Grenze ist das Problem" stand auf einem der zahllosen Plakate. "Toleranz ist für die CSU Neuland" auf einem anderen.

Kinder und Eltern demonstrieren gemeinsam

Viele Eltern kamen mit ihren Kindern zu der Demonstration, darunter auch der Thalia-Schauspieler Tilo Werner. Er trug seinen Sohn Jonathan auf den Schultern, der hatte ein Plakat mit dem Spruch "Nein zu Rassismus" in der Hand. "Unsere Gesellschaft hat nur eine Zukunft, wenn sie nicht monokulturell ist", sagte Werner. "Es wird Zeit, sich gegen die rechten Tendenzen in unserem Land zu wehren."

Dieser Meinung war auch die Sozialarbeiterin Sandra Weiss aus Altona. Mit Familie und Freunden kam sie auf den Rathausmarkt, sie trug eine bunte Perücke, auf ihrem Plakat stand "Wir sind mehr". "Wir müssen jetzt Flagge zeigen", sagte sie.

Leuchtraketen als Gruß im Gängeviertel

Als die Demo das Gängeviertel erreichte, wurden von den Dächern plötzlich Leuchtraketen in die Luft geschossen. Sie waren aber nicht auf die Menschen in der Parade gerichtet. "Das ist ein üblicher Gruß bei Demonstrationen", sagte ein Polizeisprecher dem Abendblatt. "Kein Grund zur Beunruhigung."

Am Millerntorplatz teilten sich die Demonstranten offenbar auf

Gegen 17 Uhr waren die Demonstranten am Hafen angekommen. Nach einer Abschlusskundgebung begann dort ein Konzert. Nach Angaben der Polizei soll es zu keinen nennenswerten Zwischenfällen gekommen sein, sodass die Beamten von einer friedlichen Demonstration sprechen.