HSV gegen St. Pauli

Vor dem Derby: Polizei stoppt HSV-Hooligans

Die Polizei kontrolliert einen mutmaßlichen HSV-Hooligan

Die Polizei kontrolliert einen mutmaßlichen HSV-Hooligan

Foto: Michael Arning / HA

War die Aktion ein gut geplanter Racheakt? Rund 100 „Fans“ zogen in Richtung Millerntor. Beamte entdeckten Sturmhauben.

Hamburg.  Seit Wochen bereiten sich HSV- und St.-Pauli-Hooligans auf ihre ganze eigene Art auf das Lokalderby zwischen den beiden Clubs am kommenden Sonntag vor: mit wechselseitigen Provokationen, Spaziergängen durch das „Revier“ des Gegners auf dem Kiez und Gewaltaufrufen im Internet. Am Freitag hätte es wieder fast geknallt.

Nach einem Aufruf zur Gewalt gegen St.-Pauli-Fans im Internet rotteten sich am Freitag gegen 22.30 Uhr rund 100 HSV-Hooligans vor dem Bismarck-Denkmal auf St. Pauli zusammen, auf der Suche nach gegnerischen Fans zogen sie dann in Richtung Millerntorplatz ab. Zivilfahnder beobachteten den Mob und forderten uniformierte Verstärkung an; rund 80 Polizisten rückten aus. Als die HSV-Anhänger die Beamten sahen, stürmten sie in Kleingruppen davon. In den Seitenstraßen nahm die Polizei sechs HSV-Anhänger in Gewahrsam, unter anderem in der Bernhard-Nocht-Straße und in der Hafenstraße. Bei ihnen fanden sie Sturmhauben, Mundschutz und spezielle schwere Handschuhe.

Situation hat sich zugespitzt

Die mutmaßlich geplante Massenschlägerei der HSV-Hooligans hat indes eine Vorgeschichte – offenbar hatten am Tag zuvor St.-Pauli-Fans einen Überfall auf HSV-Anhänger verübt. Wie die gewöhnlich gut informierte Internet-Seite „Faszination Fankurve“ meldet, sollen sechs HSV-Ultras am Donnerstag in einer Halle in Eidelstedt ihre Choreografie für das anstehende Stadtderby vorbereitet haben. Plötzlich sollen sie von 20 bis 25 gegnerischen „Fans“ angegriffen worden sein. HSV-Ultras seien verletzt und Teile der Choreografie beschädigt worden.

Der Konflikt zwischen beiden Fanlagern hat sich in den vergangenen Wochen zugespitzt. So wurde am 27. August während des Spiels HSV gegen Armina Bielefeld in der Nordkurve ein rotes Transparent mit der Aufschrift „Stellt euch endlich unsrer Gier/100 ihr: 100 wir“ hochgehalten – eine eindeutige Aufforderung zum Schlagabtausch. Drei Tage zuvor hatten HSV-Ultras das Lokal Menschenzoo in der Hopfenstraße belagert, ein Konzert zweier eng mit der St.Pauli-Ultra-Szene verbandelter Bands musste deshalb abgesagt werden. Danach hätte sich die explosive Stimmung beinahe gewaltsam entladen: Eine Schlägerei zwischen rund 200 St.-Pauli- und HSV-Hooligans auf dem Kiez konnte die Polizei Anfang September im letzten Moment verhindern. Die Offiziellen beider Clubs haben Gewalttaten im Zusammenhang mit dem Stadtderby bereits scharf verurteilt.