Hamburg

Ein neues Kinderkrankenhaus für Hamburgs Norden

Die Chefärzte Susanne Schmidtke und Markus Kemper in der neuen Kinder-Intensivstation in der AK Heidberg

Die Chefärzte Susanne Schmidtke und Markus Kemper in der neuen Kinder-Intensivstation in der AK Heidberg

Foto: Roland Magunia/Hamburger Abendblatt

Asklepios eröffnet Intensivstation für Neugeborene. Damit nähert sich die AK Heidberg einem großen Ziel.

Langenhorn.  Im Norden Hamburgs soll ein weiteres Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin entstehen, das sogenannte Kinder-Heidberg. Die Asklepios Klinik Nord hat am Montag zusammen mit Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks einen ersten Neubau hierfür eröffnet, die Neonatologie, eine Intensivstation für Früh- und Neugeborene. „Hamburg ist eine wachsende Stadt mit einer hohen Geburtenzahl. Damit einher gehen immer mehr Risikoschwangerschaften und Frühgeburten. Auch für diese kleinsten Patientinnen und Patienten und ihre Familien wollen wir eine Gesundheitsversorgung auf modernstem Niveau“, sagte Prüfer-Storcks. „Die neu konzipierte Neonatologie ist ein Meilenstein für eine bessere Versorgung im Norden Hamburgs.“ In wenigen Wochen, wenn die letzten technischen und hygienischen Prüfungen bestanden sind, sollen die ersten kleinen Patienten einziehen.

Zur Verfügung stehen dann elf geräumige Einzelzimmer für Mutter und Baby. Und drei Mehrbettzimmer. „Wir haben versucht, alles nicht nur auf die medizinischen Bedürfnisse abzustimmen, sondern auch die der Neugeborenen, der Mütter und Väter mit zu berücksichtigen. Für die Kinder und die Familien haben wir so besondere Umgebungsbedingungen geschaffen“, sagt Susanne Schmidtke, Chefärztin der Neonatologie. Dazu gehöre die Einzelunterbringung. Die Räume seien nach einem besonderen Schallschutzkonzept gebaut worden. „Wir sind der Meinung, dass der Lärm auf einer klassischen Kinder-Intensivstation für die Entwicklung der Kleinen nicht gut ist.“

Auch an die Eltern wurde gedacht

Spezielle Lichtkonzepte, bei denen die Lampen tagsüber anders angesteuert werden als nachts, sollen für eine weniger belastende Atmosphäre sorgen. „Wenn wir im Dunkeln jetzt beispielsweise Blut abnehmen, gibt es kleine Pulsstrahler, damit Mutter und Kind möglichst wenig gestört werden.“ Ein Kühlschrank ermöglicht es jeder Mutter, die Muttermilch direkt in ihrem Zimmer aufzubewahren. „Das ist auch aus hygienischer Sicht von Vorteil, wenn nicht alle Milchflaschen in einem Kühlschrank gelagert werden.“ Schmidtke ist sich sicher: „Das macht für alle den durchaus anstrengenden und schweren Aufenthalt ein wenig erträglicher.“ Und: „Hier können die Kleinen jetzt eng mit ihren Eltern zusammen sein. Wir glauben fest daran, dass das sowohl für die körperliche als auch für die geistige Entwicklung wichtig ist.“ Auch an die Eltern wurde gedacht. Sie bekommen einen Aufenthaltsraum, in dem morgens und abends ein Büfett gereicht wird. Mittags gibt es warme Mahlzeiten. Dazu eine Lounge-Ecke zum Fernsehen. „Schließlich sind die Eltern ja teilweise 13 Wochen Tag und Nacht hier. Und brauchen auch einmal eine Auszeit von den Maschinen im Patientenzimmer und einen Raum für Gespräche mit anderen Eltern“, so Schmidtke.

16 Millionen Euro hat der gesamte Neubau gekostet, in derem ersten Stock die Neonatologie untergebracht ist. Im Erdgeschoss befindet sich die Abteilung für neurologische Behandlungen. Die Kosten dafür hat die Stadt Hamburg übernommen.

Und es gibt weitere Pläne

Die Neonatologie ist Teil einer neuen Strategie für das Krankenhaus in Langenhorn. Hier soll nach und nach ein weiteres Zentrum für Kinder-Medizin entstehen, das Kinder-Heidberg. Schmidtke, die 2014 aus Barmbek in die Klinik wechselte, setzt dieses Konzept zusammen mit Prof Dr. Markus Kemper um, der seit 2016 Chefarzt für die Kinder- und Jugendmedizin ist. „Wir sind beide gekommen, weil wir hier gemeinsam etwas Spannendes aufbauen können“, sagt sie.

So habe man zuerst Stück für Stück ein größeres Team an Ärzten und Krankenschwestern aufgebaut. In den vergangenen fünf Jahren wurde allein die Zahl der Mediziner in der Kinderklinik und in der Neonatologie auf 27 Männer und Frauen verdoppelt. „Jeder von ihnen hat ein Spezialgebiet, dadurch decken wir jetzt eine große Bandbreite für die Familien ab“, sagt Schmidtke.

Alles wird perfekt auf Familien abgestimmt sein

In einem weiteren Schritt ist vor eineinhalb Jahren eine Tagesklinik für die Kinder in Langenhorn entstanden. „So können wir jetzt all die Fälle schnell bearbeiten, die eigentlich nur ein paar besondere Untersuchungen brauchen, die wir aber nicht über Nacht hierbehalten müssen“, sagt Schmidtke. Und nun die Fertigstellung der Neugeborenen-Intensivstation, „damit die Kleinen endlich nicht mehr mit anderen Kindern zusammen untergebracht sind.“

Und es gibt weitere Pläne, um das Kinder-Heidberg komplett zu machen. „Wir werden die bisherige Kinderklinik komplett sanieren und renovieren“, so Schmidtke. Die Tagesklinik soll dann ebenfalls dorthin umziehen. „Die ist im Moment zumindest von den Räumlichkeiten her noch recht provisorisch.“ Die Pläne sehen derzeit vor, dass die Bauarbeiten 2020 beginnen sollen. Ein zweistelliger Millionenbetrag soll hier noch einmal investiert werden. Details zu der Planung und den Kosten werden nun nach und nach erarbeitet.

Solange das Gebäude kernsaniert wird, soll die Kinderklinik dann in einem Modulhaus untergebracht werden, das immer für Umbaumaßnahmen vor Ort zur Verfügung steht. „Wenn wir diese Pläne umgesetzt haben, soll hier im Kinder-Heidberg wirklich alles unter einem Dach und perfekt auf Familien abgestimmt sein. Und die niedergelassenen Ärzte haben dann eine weitere Anlaufstelle für ihre kleineren und größeren Fälle“, sagt Schmidtke.