Haushalt 2019/2020

Hamburg plant mit 1800 Euro weniger pro Lehrer

Eine Lehrerin in der Klasse (Symbol)

Eine Lehrerin in der Klasse (Symbol)

Foto: imago/photothek

Senat geht von sinkenden Verdiensten der Lehrer aus. Das Minus beträgt 1800 Euro pro Jahr und Lehrkraft. Darüber gibt es Streit.

Hamburg plant weniger Geld für die Bezahlung von Lehrern ein. So geht der Hamburger Senat im Doppelhaushalt 2019/2020 von abnehmenden durchschnittlichen Personalkosten in den Schulen aus. Der Aufwand für eine Lehrkraft liegt mit 53.800 Euro insgesamt 1800 Euro unter dem von 2017 – über diese Budgetplanung wundert sich die schulpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion, Birgit Stöver. Die CDU-Politikerin hatte das Thema in einer Kleinen Anfrage beleuchtet.

Jüngere Lehrer verdienen weniger

Wie kommt der Rückgang zustande? Auf die Kleine Anfrage Stövers hatte der Senat etwas bürokratisch geantwortet, dass für die Jahre 2019 und 2020 „wegen der schrittweisen Verjüngung des schulischen Personalkörpers und aufgrund von Prognoseunsicherheiten zwecks Vermeidung einer Überveranschlagung ein Risikoabschlag“ vorgenommen worden sei. Das heißt, dass mehr jüngere Lehrer mit geringeren Bezügen die älteren, besser bezahlten Kollegen ersetzen.

Tatsächlich differiert der Verdienst bei jüngeren und älteren Lehrern stark: An Grundschulen betragen die Einstiegsbezüge 3617 Euro plus Zuschläge, an Stadtteilschulen und Gymnasien 4045 Euro. Die Besoldung steigt an Grundschulen während der Laufbahn einer Lehrkraft auf bis zu 4553 Euro, an Stadtteilschulen und Gymnasien auf 5051 Euro.

Zusatzqualifikationen erhöhen die Besoldung

Wenn Lehrkräfte zusätzliche Aufgaben übernehmen, die zu Beförderungen führen, sind auch höhere Beträge möglich. Die allermeisten Lehrer würden im Laufe ihres Berufslebens höhere Besoldungen erreichen, etwa als Koordinator für Sprachförderung, sagt Peter Albrecht von der Schulbehörde. Auch so erklärten sich die geringeren Kosten, die für die Zukunft veranschlagt werden, denn jüngere, neu eingestellte Lehrer würden diese Zusatzaufgaben meist noch nicht übernehmen, begründet Albrecht.

Muss in Zukunft nachgebessert werden?

Es bestehe durch die Haushaltsplanung die Gefahr, so Stöver, „dass nachträglich zusätzliches Geld reingesteuert werden muss, wie es gerade erst für das Jahr 2018 bereits im Umfang von 123 Millionen Euro erfolgt ist“. Derzeit sei wegen sprudelnder Steuereinnahmen genug Geld da, „aber ob es in den Folgejahren auch noch da ist, ist mehr als ungewiss“. Zwar verjünge sich die Lehrerschaft tatsächlich, „aber nicht in so einem enormen Umfang“, bekräftigt Stöver ihre Kritik an der Haushaltsplanung.

Auch der Landesrechnungshof hatte kürzlich in seinem Monitoring zur Einhaltung der Schuldenbremse kritisiert, dass der geplante Personalzuwachs vor allem an den Schulen sich nicht schlüssig im Haushaltsentwurf des rot-grünen Senats abbilde.

Kritik von der Lehrergewerkschaft GEW

Kritisch sieht die Pläne auch die Lehrergewerkschaft GEW: Sie betont, dass in Bundesländern wie Berlin und Brandenburg die Grundschul- und Stadtteilschullehrer bereits so viel verdienen wie Gymnasiallehrer. "Wenn Hamburg bei der Lehrkräfteversorgung nicht den Anschluss verpassen will, sollte die entsprechende finanzielle Ressource jetzt mit in den Haushalt eingestellt werden", sagte Anja Bensinger-Stolze, Vorsitzende der GEW Hamburg dem Abendblatt. "Sonst werden wir auch in Hamburg den Lehrkräftemangel voll zu spüren bekommen. Hamburg will gute Bildung, dafür bedarf es gerade in den Grundschulen gut ausgebildete Lehrkräfte. Die werden es sich dreimal überlegen, ob sie nach Hamburg kommen oder in die benachbarten Bundesländer abwandern".