Hamburg

„Stern“ zeigt erstmals falsche Hitler-Tagebücher

„Stern“-Reporter Gerd Heidemann präsentiert 1983 auf einer Pressekonferenz des Hamburger Magazins „Stern“ die angeblichen Hitler-Tagebücher

„Stern“-Reporter Gerd Heidemann präsentiert 1983 auf einer Pressekonferenz des Hamburger Magazins „Stern“ die angeblichen Hitler-Tagebücher

Foto: Chris Pohlert / dpa

Der Skandal um die für Millionen angekauften Fälschungen ist Thema beim „Tag der offenen Tür“. Das Hamburger Magazin wird 70.

Hamburg.  Das Hamburger Magazin „Stern“ zeigt am Samstag erstmals öffentlich sieben der gefälschten Hitler-Tagebücher, die vor gut 35 Jahren einen großen Skandal auslösten. Die Zeitschrift hatte die Bände von dem Fälscher Konrad Kujau angekauft und dafür Millionen gezahlt. Doch aus der medienwirksam angekündigten journalistischen Weltsensation wurde ein Megaflop, der die Zeitschrift in den Abgrund zu stürzen drohte. Seitdem lagern die Kladden im Safe des Verlagshauses von Gruner + Jahr, bei dem der „Stern“ erscheint.

Von den 62 Bänden wurden einzelne abgegeben, zum Beispiel an die Stiftung Haus der Geschichte und das Hamburger Polizeimuseum und waren dort schon zu sehen. Der Filmemacher Helmut Dietl verarbeitete die Posse um Sensationsgier und Sorglosigkeit bei der Recherche in der satirischen Komödie „Schtonk“. Höhepunkt des Films wie auch des echten Skandals um die Tagebücher ist die internationale Pressekonferenz, die 1983 unter Beteiligung von mehr als 15 Kamerateams und Hunderten Redakteuren anderer Zeitungen bei Gruner + Jahr abgehalten wurde. Die damalige Stern-Chefredaktion erläuterte mit breiter Brust, sie sei „vom Eishauch der Geschichte angeweht“ worden und weite Teile eben jener Geschichte müssten „neu geschrieben werden“.

Stern führt Aufarbeitungsdebatte

Tatsächlich wurde nur Pressegeschichte geschrieben. Beim Tag der offenen Tür am Samstag (15. September, ab 10 Uhr) unterhält sich der stellvertretende Chefredakteur Thomas Ammann mit den Autoren Malte Herwig und mit Michael Seufert über das dunkelste Kapitel der Stern-Geschichte, wie der Verlag mitteilte. Neben der Ausstellungen gibt es auch Führungen durch das Verlagshaus und die Redaktion.

Das Magazin lädt aus Anlass seiner Gründung vor 70 Jahren in die Redaktionsräume ein. Der Journalist Henri Nannen hatte seine oft „Wundertüte“ genannte Illustrierte am 1. August 1948 auf den Markt gebracht. Zu Hochzeiten hatte sie eine Millionenauflage. Aufgrund veränderter Lesegewohnheiten durch die Digitalisierung und mobile Endgeräte verzeichnet das Heft wie andere Zeitschriften der Branche Auflagenrückgänge. Im 2. Quartal lag die verkaufte Auflage des „Stern“ bei 528.860 Exemplaren.