Albert Darboven

Warum das Thema Jacobs im „Jacobs“ tabu ist

Albert Darboven (r.) mit Klönschnack-Herausgeber Klaus Schümann im Restaurant des Hotel Louis C. Jacob

Albert Darboven (r.) mit Klönschnack-Herausgeber Klaus Schümann im Restaurant des Hotel Louis C. Jacob

Foto: Roland Magunia/Hamburger Abendblatt / ROLAND MAGUNIA/HAMBURGER ABENDBLATT

Kaffeekönig Albert Darboven talkt über alles – aber lässt die geplante Adoption eines Bremers aus. Der Familienzoff liegt bei Gericht.

Nienstedten. Schweigen kann vielsagend sein. So wie am Dienstagabend im Restaurant des Hotels Louis C. Jacob an der Elbchaussee. Bei der Premiere der Gesprächsrunde „Lebensläufe“ erwies sich Kaffeekaufmann Albert Darboven zwar als alles andere als auf den Mund gefallen – zum für viele Gäste wichtigsten Thema indes äußerte er sich nicht die Bohne: Zoff in der eigenen Familie und die geplante Adoption des gebürtigen Bremers Andreas Jacobs sowie dessen Rolle als Nachfolger.

Und so war bei dieser illustren Zusammenkunft an vornehmer Stätte alles eine Idee anders als erhofft. Die Dramaturgie verlief ganz nach dem Geschmack des Gastgebers Klaus Schümann. Der Chefredakteur und Herausgeber des in den Elbvororten stark verankerten Monatsmagazins „Hamburger Klönschnack“ bewies nicht nur bei der Auswahl des Premierengastes ein exzellentes Händchen.

Albert Darboven sitzt quasi im Wohnzimmer

Auch bei den Fragen bewies der unternehmerische Tausendsassa einen Monat vor seinem 70. Geburtstag Fingerspitzengefühl. Die Veranstaltung, mit einem Beitrag von 119 Euro nicht gerade geschenkt, verfügte über einen durchgehenden Spannungsbogen. Kein Wunder, dass die 71 Plätze flugs ausverkauft waren.

Was würde Albert Darboven zum Hickhack quasi im Wohnzimmer seiner Familie sagen? Die initiierte Adoption des promovierten und geschäftstüchtigen Unternehmerkollegen Andreas Jacobs hat der 82 Jahre alte Patriarch „Atti“ bestätigt, indes kategorisch zur „Privatsache“ erklärt. Ebenso wie Jacobs, von Haus aus ebenfalls ursprünglich dem Kaffee verbunden, lehnt Darboven jeden weiteren Kommentar strikt ab - auch dem Abendblatt gegenüber. Hinweise auf ein öffentliches Interesse und die für alle Seiten dienliche Klärung diverser offener Fragen änderten an dieser Abwehrhaltung nichts.

Von Familienbande stand nichts auf dem Programm

Vielleicht ganz gut also, dass im Restaurant „Jacobs“ zur Stärkung erst einmal formidabel gespeist wurde – im Anschluss an einen Champagnerempfang im Hotelfoyer. Sternekoch Thomas Martin und seine Küchencrew bewiesen, dass auch Fingerfood und ein „Flying Buffet“ vom Feinsten sein können. Roastbeef-Canapés, Schaumsüppchen, Entenleberpralinés mit Sauternesgelee sowie Boeuf Bourgignon nahmen die Premierengäste für sich ein.

Zur hochkarätigen Klientel zählten neben dem früheren Montblanc-Chef Lutz Bethge und Bruno Iversen, dem Geschäftsführer der Schümann-Stiftung, auch der Kaufmann, Mäzen und ehemalige Senator Ian Karan. Letzterer wird am 26. November Hauptperson der zweiten „Lebenläufe“-Runde sein. Auflage Nummer drei soll im Frühjahr stattfinden. Die Idee entwickelte Klaus Schümann gemeinsam mit dem Unternehmer Christian Dunge aus Wedel bei zwei Schoppen Wein. Beide begrüßten jeden Gast persönlich per Handschlag. Auch das hatte Note.

Nachdem ausreichend Grauburgunder Tertiär aus der Pfalz und chilenischer Cabernet Sauvignon kredenzt waren, nahmen Albert Darboven und Klaus Schümann auf zwei Sesseln auf dem Podest Platz. Vis-à-vis. Das Motto des Abends war Programm: „Motivation, Hindernisse, Erfolge“. Von Familienbanden, Vater-Sohn-Verhältnissen oder Nachfolgeregelungen bei der Traditionsfirma J. J. Darboven stand in der edel gestalteten Einladung nichts. Geschickt eingefädelt.

Klönschnack mit einem Pferde-Narr

Und es wurde darüber auch nicht gesprochen. Kein einziges Wort, zumindest nicht beim offiziellen Teil. Mit Minimikrofon am Revers ausgestattet, ließ das Duo „Attis“ Leben Revue passieren – im Sauseschritt. In einer Stunde gestreift wurden Kindheit und Jugend, der Betrieb, Gestüt und Pferde, Kunst, hanseatische Lebensart sowie privates Engagement für Gott und die Welt. Gewohnt eloquent bewältigte Darboven diesen Klönschnack. Von Verunsicherung war, zumindest äußerlich, nichts zu bemerken. Da waren zwei ausgeschlafene Profis unter sich.

Als die Spannung stieg, sorgte Schümann für finale Klarheit. Das Thema, „auf das wahrscheinlich alle warten“, sei die familiäre Situation. Der Adoptionsantrag beim Amtsgericht Blankenese sei gestellt. „Und weil es sich um ein schwebendes Verfahren dreht“, sagte Schümann mit passender Betonung, „möchte Herr Darboven dazu keine Stellung nehmen.“ Man erbitte Verständnis. Ob das erbetene Verständnis tatsächlich vorherrschte, blieb ungewiss. Bei der abschließenden Reihe kurzer Nachfragen war das Thema tabu.

Zeit zum Rückzug. An der Bar wurden Kostproben aus einer Bremer Privatbrennerei ausgeschenkt. Zum Sortiment der kleinen, feinen Destillerie gehört das Produkt „Bitter-Süße Wahrheit“. Der angepriesene Geschmack: „Im Abgang leicht wärmend und brennend.“ Passte perfekt.