Hamburg

Fredenhagen wird Harburgs Bezirksamtschefin

Die Kandidatin von SPD, Grünen und Linkspartei wurde mit vier Stimmen Vorsprung in ihr Amt gewählt

Hamburg. Genau um 19.55 Uhr war die Wahl entschieden, das Ergebnis denkbar knapp: Mit 26 zu 22 Stimmen – bei einer Enthaltung – wählte die Harburger Bezirksversammlung gestern Sophie Fredenhagen (53, parteilos) zur neuen Bezirksamtsleiterin.

Der Wahl vorausgegangen war ein monatelanges Gezerre um die Nachfolge des im November 2017 gestorbenen Thomas Völsch (SPD), der seit Anfang 2012 Bezirkschef in Harburg gewesen war. Seine Aufgaben übernahm seither kommissarisch Verwaltungsdezernent Dierk Trispel.

Bereits im Juni begann ein Kandidatenchaos, das nicht nur immer wieder für Schlagzeilen sorgte, sondern am 23. August schließlich zum Bruch der Großen Koalition führte. Weil die SPD keinen willigen oder geeigneten Kandidaten in den eigenen Reihen fand, wurde die Stelle öffentlich ausgeschrieben. Aus 18 Bewerbern wählte die Behörde fünf aus, die formal geeignet waren und sich den Fraktionsvorsitzenden vorstellten. Danach blieben drei übrig, die sich jeweils den gesamten Fraktionen präsentierten.

Die SPD, größte Fraktion in der Bezirksversammlung, entschied sich einstimmig für Sophie Fredenhagen. Doch die CDU als Koalitionspartnerin zog da nicht mit: Sie lehnte die Kandidatin ab.

Sophie Fredenhagen ist in Harburg keine Unbekannte. Elf Jahre lang leitete sie das Harburger Jugendamt. Als sie sich um das Amt der Bezirksamtschefin bewarb, hatte sie gerade bei der Stadt Buxtehude angefangen. Als Fachbereichsleiterin für Soziales, Familie, Jugend und Senioren befand sie sich jedoch noch in der Probezeit. Als ihre Bewerbung publik wurde, verlängerte Buxtehude ihren Vertrag nicht. Das Kandidatenchaos war komplett, als sich Ende August überraschend ein SPD-Genosse selbst ins Spiel brachte. Der Marmstorfer Klaus Thorwarth, Vorsitzender Richter am Hanseatischen Oberverwaltungsgericht, erklärte, er werde kandidieren, wenn seine Partei ihn darum bitte. Tat sie aber nicht.

Mit der Wahl von Sophie Fredenhagen liegen nun zwei der sieben Bezirksamtsleitungen in weiblicher Hand. Die Geschicke des Bezirks Altona leitet schon seit 2013 Liane Melzer. Eine dritte Bezirksamtsleiterin befindet sich derzeit im Wartestand. Yvonne Nische ist schon im April zur neuen Chefin des Bezirksamts Mitte gewählt worden, hat den Posten bislang aber nicht antreten können. Bei der Wahl hatte die Sozialdemokratin eine klare Mehrheit bekommen, 33 der 49 Abgeordneten votierten für sie. Dann aber stellte sich heraus, dass sie möglicherweise in die Freikartenaffäre verstrickt ist.

Nische, damals Sozialdezernentin, hatte wie andere Mitarbeiter des Bezirksamts und einige Abgeordnete zwei Freikarten für das Rolling-Stones-Konzert vor fast einem Jahr angenommen. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft.