Hamburg

Kostenexplosion bei U 5?

Finanzierungsplan muss noch vor der Bürgerschaftswahl 2020 vorgelegt werden, fordert die CDU

Hamburg. Die CDU Hamburg hat den Senat in einem Bürgerschaftsantrag aufgefordert, die Kosten für den Bau der U-Bahn-Linie 5 offenzulegen – und zwar noch vor der Bürgerschaftswahl 2020. „Die U 5 ist ein Milliardenprojekt, das wir aus voller Überzeugung unterstützen“, sagte CDU-Verkehrspolitiker Dennis Thering. „Die Kostenfrage ist dabei aber wahlentscheidend und belastet dieses so wichtige Infrastrukturprojekt. Der rot-grüne Senat muss den Hamburgerinnen und Hamburgern zwingend vor der Bürgerschaftswahl reinen Wein über die finanziellen Belastungen einschenken. Alles andere wäre unredlich.“

Der damalige Hochbahn-Chef Günter Elste habe im Beisein von Ex-Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) 2014 die Kosten für den „Bau dieser rund 30 Kilometer langen Schnellbahntrasse auf 3,8 Milliarden Euro“ beziffert, heißt es in dem CDU-Bürgerschaftsantrag. „Ein Kilometer Stecke würden dann rund 120 Millionen Euro kosten.“ Seit der Bürgerschaftswahl 2015 aber halte der rot-grüne Senat alle Kostenschätzungen „unter Verschluss“. Das könne auch daran liegen, dass die Kosten höher ausfallen dürften, so die CDU-Vermutung. So beliefen sich Kosten des Zusammenschlusses von U­ 5 und U 55 zwischen Brandenburger Tor und Alexanderplatz in Berlin auf 238 Millionen Euro pro Kilometer – also „fast doppelt so hoch“ wie die erste Hamburger Schätzung. Dies lasse eine „Kostenexplosion“ befürchten.

Die Hochbahn aber mag derzeit noch keine Schätzungen vorlegen. „Eine belastbare Kostenangabe können wir erst mit Ende der Entwurfsplanung vorlegen. Erst dann haben wir alle notwendigen Informationen“, sagte Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum. „Das haben wir bei der U 4 erfolgreich gemacht, das machen wir auch bei der U 5.“

Die Zahlen von 2014 will man bei der Hochbahn auch nicht als Vergleichsmaßstab gelten lassen. „Ein Hochrechnen von Kilometerpreisen von abgeschlossenen Projekten mittels Dreisatz ist nicht zielführend, weil jedes Projekt seine eigenen Herausforderungen hat“, so Kreienbaum. „Das gilt vor allem für Projekte in dicht besiedelten Stadtteilen.“ Der Verlauf der U 5 ist derweil auch weiter unklar. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hatte in seiner ersten Regierungserklärung zwar von einer Anbindung des Siemersplatz gesprochen. Danach musste er sich allerdings von Verkehrsstaatsrat und Hochbahn korrigieren lassen. Der Streckenverlauf stehe noch nicht fest. Denkbar sei auch eine Abzweigung nach Westen bereits auf Höhe der Gärtnerstraße (siehe Karte).