Casa Alfredo

Neuer Prozess um einbetonierte Leiche im Restaurant

Die Polizei hatte in dem ehemaligen Restaurant Casa Alfredo an der Kirchenallee in St. Georg vor drei Jahren  die einbetonierte Leiche gefunden (Archiv)

Die Polizei hatte in dem ehemaligen Restaurant Casa Alfredo an der Kirchenallee in St. Georg vor drei Jahren die einbetonierte Leiche gefunden (Archiv)

Foto: Michael Arning

Eyüp D. (50) schlug den Ex-Betreiber des Restaurants Casa Alfredo und versuchte ihn zu nötigen. Zehn Monate auf Bewährung.

Hamburg.  Ein Wirt erschießt seinen Schutzgelderpresser, betoniert die Leiche im Fußboden seines Restaurants ein, und am Ende spricht ihn ein Hamburger Gericht frei. Dieser Fall, den man sich kaum hätte ausdenken können, hat deutschlandweit für Nachrichten gesorgt.

Bis Dienstag stand Alfredo M. (54), einst Betreiber des Restaurants Casa Alfredo im Souterrain eines Gründerzeit-Gebäudes an der Kirchenallee 27, erneut vor Gericht – allerdings nicht auf der Angeklagten-, sondern auf der Opferseite. Jetzt hat das Amtsgericht Eyüp D. (50), den Cousin des erschossenen Schutzgelderpressers Ercan D. (Spitzname CinCin) zu zehn Monaten Haft auf Bewährung und 600 Euro Geldstrafe wegen Körperverletzung, versuchter Nötigung und Sachbeschädigung verurteilt.

Kopfstoß und Faustschläge

Hintergrund: Während das Totschlag-Verfahren gegen Alfredo M. noch lief, versetzte Eyüp D. nach Überzeugung des Gerichts dem Wirt Ende Juni 2016 einen Kopfstoß und mehrere Faustschläge. Alfredo M. stürzte, erlitt eine blutende Kopfplatzwunde und Prellungen. Fünf Monate später riss er ein Metallgitter aus der Außenwand des damals wiedereröffneten Casa Alfredo. Am 8. Dezember dann trafen beide vor dem Restaurant an der Kirchenallee erneut aufeinander. Und wieder schlug Eyüp D. dem Wirt mit der Faust auf den Mund, diesmal bedrohte er ihn auch noch mit dem Tod. Wortlaut: „Wenn ich dich hier noch einmal sehe, bringe ich dich um. Verlasse diese Gegend!“

Nachdem Eyüp D. zum Prozessauftakt geschwiegen hatte, räumte er die Taten im weiteren Verlauf ein, mit den Worten: „Ja, ich habe ihm eine geknallt!“ In ihrer Urteilsbegründung fand die Richterin klare Worte: „Das waren drei Akte der Selbstjustiz. Das Urteil ist die Reaktion darauf“, so die Richterin. „Wir leben in einem Rechtsstaat.“

Entfesselter Mob in Lynch-Stimmung

Das kleine, gemütliche Restaurant mit der markanten Horror-Note im Abgang hat Alfredo M. längst aufgegeben. „Es machte keinen Sinn mehr“, sagte er im aktuellen Verfahren. Erst zog ein portugiesischer Gastronom ein, jetzt residiert dort ein asiatischer Imbiss. Aus nachvollziehbaren Gründen will der 54-Jährige nicht über seine gegenwärtige Situation sprechen – allein die Umstände der Urteilsverkündung im August 2016 ließen keinen Zweifel, dass auf Seiten der Hinterbliebenen von Ercan D. noch eine dicke Rechnung offen ist.

Als der Vorsitzende Richter Joachim Bülter den Wirt vom Vorwurf des Totschlags freisprach – es handele sich um eine Verzweiflungstat in Notwehr - hämmerten sie im Gerichtssaal gegen die Sicherheitsscheibe. Danach raste ein entfesselter Mob in Lynch-Stimmung durch das Strafjustizgebäude. Alfredo M. entkam unter Polizeischutz.

Leiche im Fußboden verscharrt

Gänzlich entschärft ist die Lage offenbar noch nicht. „Er muss einfach aus der Öffentlichkeit herausgehalten werden“, sagt sein Anwalt Tim Burkert. Den Freispruch hat der Bundesgerichtshof im vergangenen Jahr bestätigt. Nach Überzeugung des Landgerichts hatte Schutzgelderpresser Ercan D. den Wirt jahrelang ausgenommen - mehr als 25.000 Euro hatte Alfredo gezahlt. Am 30. September 2015 kam der 49-Jährige in sein Restaurant, wollte noch mehr Geld sehen. Doch Alfredo M. war nahezu pleite. Ercan D. legte darauf eine Pistole auf den Tisch und deutete an, Alfredo könne ja seine „ hübschen Töchter“ auf den Straßenstrich in St. Georg schicken – da rastete der Wirt aus. Es kam zu einem Gerangel, der Tisch kippte um, ein Schuss löste sich. CinCin, am Kopf getroffen, starb sofort.

Seine Leiche verscharrte Alfredo M. in einer Grube seines Restaurants, die Tafwaffe versenkte er angeblich in der Elbe. Säckeweise Kalk und Zement schüttete er über den Toten, verlegte zur Tarnung einen neuen Fußboden und ließ den Betrieb wie gewohnt weiterlaufen. Die Gäste, die später die vorzüglichen mediterranen Speisen in dem kleinen Lokal genossen, hatten natürlich nicht die leiseste Ahnung, was sich unweit ihrer Tische befand, 30 Zentimeter tief im Boden vergraben. Nach Hinweisen von Angehörigen schickte die Polizei im November 2015 Leichenspürhunde in das Lokal – und wurde fündig.