Hamburg

Kinder im Restaurant willkommen – wenn sie sich benehmen

Mit Kindern im Restaurant: Das kann schon einmal lauter werden – und andere Gäste stören. Gastronomen gehen unterschiedlich damit um

Mit Kindern im Restaurant: Das kann schon einmal lauter werden – und andere Gäste stören. Gastronomen gehen unterschiedlich damit um

Foto: AleksandarNakic / Getty Images/iStockphoto

Nach dem Restaurantverbot für Kinder auf Rügen: Auch in Hamburger Lokalen ist der Umgang mit dem Nachwuchs ein Thema.

Hamburg.  Die Gastronomen in Hamburg setzen auf Familien als Gäste. Kinder sind gern gesehen, aber es muss auch Rücksicht auf die Erwachsenen genommen werden. Da sind sich die Restaurantbetreiber und auch Dehoga-Landesgeschäftsführerin Ulrike von Albedyll einig: „Kinder sind generell in den Restaurants willkommen. Das sind die Gäste von morgen. Natürlich müssen sich alle Gäste wohlfühlen, und es liegt in der Verantwortung der Eltern, dass sich die Kinder entsprechend benehmen“, sagt von Albedyll dem Abendblatt.

In Binz auf Rügen hatte Rudolf Markl, Inhaber des Restaurants Oma’s Küche, für Schlagzeilen und Diskussionen in den sozialen Medien gesorgt. Denn in seinem Lokal haben seit dem 13. August ab 17 Uhr nur noch Gäste über 14 Jahren Zutritt. Markl hatte argumentiert, häufig fühlten sich Gäste durch „ungehorsame und schlecht erzogene Kinder“ gestört.

In Hamburg wäre ein solcher Vorstoß nicht denkbar. Das Abendblatt hat sich bei Gastronomen umgehört und die haben verraten, wie sie die kleinen Gäste unterhalten und was sie von den Eltern erwarten.

Im Henriks: Lebhaft, aber kein Spielplatz

Seit mehr als fünf Jahren betreibt Claas-Henrik Anklam das schicke Restaurant Henriks an der Tesdorpfstraße im feinen Stadtteil Rotherbaum. Hier kommen auch Prominente wie Moderatorin Sylvie Meis mit ihrem Nachwuchs zum Essen. Gastronom Anklam sagte: „Wir haben vor allem am Sonntag zahlreiche Familien zu Gast, manchmal sind dann bis zu 30 Kinder auf einmal im Restaurant. Da geht es lebhaft zu.“ An­klam ist wichtig: „Aber natürlich sollen sich bei uns alle Gäste wohlfühlen, und deshalb setzen wir darauf, dass die Eltern auf ihre Kinder achtgeben und sie auch entsprechend beschäftigen. Wir haben auch Malsachen da.“

Doch An­klam hat beobachtet: „Meist werden die Kinder unruhig, wenn die Eltern das Essen auf zwei Stunden ausdehnen, irgendwann wird es für sie langweilig. Ich bin selber zweifacher Vater, aber natürlich steht auch fest, dass ein Restaurant kein Spielplatz ist.“

Im Tschebull sind Kinder gern gesehen

Das österreichische Restaurant Tschebull im Levantehaus und das Rive an der Van-der-Smissen-Straße mit Elbblick stehen für gehobene Gastronomie. Auch Gastronomin Yvonne Tschebull hat keine Probleme mit der jungen Klientel. „Bei mir sind Kinder immer gern gesehene Gäste“, sagt sie, „schließlich brauchen wir ja immer Gästenachwuchs, und ab einem gewissen Alter sagen dann auch die Kinder, wo sie gern hingehen möchten. Wenn sich alle wohlfühlen, dann haben alle gewonnen.“ Im Tschebull wird für die Kleinen immer eine „Überraschung“ bereitgehalten, im Rive kann man „Schiffe versenken“ spielen.

Einer der umtriebigsten Gastronomen in Hamburg ist Peer Petersen, der unter anderen das Locks und das Wellingten im Alstertal sowie das Neumann’s am Grindelhof und an der Langen Reihe betreibt. „In meinen Restaurants sind Familien mit Kindern als Gäste immer gern willkommen“, sagt er. „Dies zeigen wir auch zu besonderen Anlässen wie zum Beispiel bei Einschulungsterminen oder zu Nikolaus, zu denen wir mit speziellen Angeboten für Familien aufwarten.“

Gastronomen wollen ein harmonisches Miteinander

Aber Petersen hat auch seine anderen Kunden im Blick. „Bei zu starker Lärmbelästigung, die andere Gäste stören könnte, behalten wir uns vor, die Eltern auf ihre Aufsichtspflicht hinzuweisen. Ein harmonisches Miteinander ist uns wichtig“, sagt er. Wer einmal Urlaub in Italien, in Spanien oder in Griechenland gemacht habe, wisse, dass in diesen Ländern Kinder auch in den späten Abendstunden noch mit an der Tafel im Restaurant säßen.

Das Beispiel von der Insel Rügen würde in südlichen Gefilden sicherlich nur Kopfschütteln auslösen. Auch Corrado Falco vom Nobelitaliener Gallo Nero an der Sierichstraße, der auch bei Prominenten beliebt ist, hat eine klare Meinung. „Bei uns in Sizilien gehören Kinder einfach dazu, in jedem Moment und an jedem Tag. Sie sind keine Belastung, sondern eine Bereicherung unseres Lebens.“ Der Wirt berichtet von seinen positiven Erfahrungen: „Kinder haben einen guten Geschmack und wissen freundlichen Service zu schätzen, sie sind nur selten schlecht gelaunt oder ungeduldig.“

Das sieht Lambrini Paschaloudi vom griechischen Restaurant Zeus am Stellinger Weg in Eimsbüttel ähnlich: „Bei uns Griechen geht es immer sehr offen und familiär zu. Nur ganz selten kommt es zu Beschwerden durch lärmende Kinder. Dann sagen wir, dass man bitte ein bisschen leiser sein möge – und das Problem ist gelöst.“