Amelinghausen

Mit elf Lamas durch die Lüneburger Heide

Dietmar Preißler bietet Trekkingtouren mit den Andentieren. Wandern einmal anders. Was man lernt: Lama ist nicht gleich Lama.

Amelinghausen.  Kiwi ist eine Quasselstrippe, Louis verfressen, Rami verschmust, und Beppo will der Anführer sein. Aber alle gehen sie brav hintereinander her durch die Heide bei Amelinghausen. „Lamas sind Herdentiere“, sagt Dietmar Preißler, den heute alle Dietmar nennen. Beim Wandern ist man per Du. Herdentier bedeutet: einer geht voran, die anderen hinterher.

„Ihr seid die Anführer“, hatte Dietmar den elf Tourteilnehmern zu Beginn der vierstündigen Wanderung durch Wald und Heide noch gesagt. Jeder hat ein Lama am Führstrick. Geritten werden die Tiere nicht. Was aussieht wie ein Sattel ist der Trageriemen für die Rucksäcke. Anführer zu sein bedeutet auch, die Tiere nicht ständig fressen zu lassen. „Das müsst ihr konsequent unterbinden. Wir wollen wandern. Wenn die andauernd stehen bleiben, geht das nicht.“

Spaß mit dem Wanderpartner

Serrano lässt sich gut führen. Andere haben damit mehr Pro­bleme. Louis, der Verfressene, nutzt jede Gelegenheit, um an Bäumen und Sträuchern zu knabbern. Nadine aus Poppenbüttel hat mit Louis daher gut zu tun. Immer wieder streckt er seinen Hals aus und zieht sie hinter sich her. Wer führt hier eigentlich wen? Nadine hat dennoch Spaß mit ihrem Wanderpartner. „Ich finde Lamas so witzig und niedlich.“ Später werden die Teilnehmer davon sprechen, wie entspannend die Tour mit diesen Tieren ist. Entschleunigung pur. Ja, und niedlich.

Lamas sind keine Schmusetiere

Wie kann man diese Kameltiere mit ihren großen Augen, den langen Wimpern und dem weichen Fell auch nicht drollig finden? Am knuffigsten aber sind die Geräusche, die sie von sich geben. Lamas hören sich an wie Teddybären, die brummen. Kiwi ist im Brummen ganz groß. Er brummt die vier Stunden fast ununterbrochen. Warum? Das weiß auch Lama-Chef Dietmar nicht. Es ist einfach eine Form der Kommunikation, und Kiwi ist sehr kommunikativ. Bei aller Niedlichkeit: Lamas sind keine Schmusetiere. Mit Ausnahme von Rami, der gern gestreichelt wird. Fährt man dagegen Serrano mit der Handfläche über den Hals, passiert gar nichts. Es scheint ihn nicht zu stören, er verlangt aber auch nicht nach mehr. Eher gleichgültig trottet er neben einem her. Eine tiefer gehende Bindung wird sich in vier Stunden nicht aufbauen, aber immerhin: „Ziehen die Tiere nicht mehr an der Führleine, sondern hängt sie entspannt durch, stimmt die Chemie“, sagt Dietmar. Nach zwei Stunden hängt Serranos Führstrick locker durch.

Was es mit dem Spucken der Lamas auf sich hat

Die Lamatruppe ist eine reine Männergruppe und fast alle kastriert. Mit Stuten in der Herde gäbe es nur Unruhe. Nur den beiden Youngstern in der Gruppe, den einjährigen Filou und Pablo, steht die Kastration noch bevor. Sie sind heute mit dabei, um das Trekkinggefühl in der Gruppe kennenzulernen. Ein paar Tage zuvor waren sie auf dem Heideblüten-Umzug dabei. „Um sich an die vielen Menschen und Geräusche zu gewöhnen“, sagt Dietmar. Denn als Fluchttiere können Lamas ähnlich wie Pferde auch, schnell Panik bekommen und weglaufen. Filou und Pablo aber fanden den Umzug aufregend. Auch heute gucken sie neugierig in die Gegend und vergessen manchmal, das Tempo zu halten.

Abstand halten zu Pedro

Und die Wandernden haben zu Beginn der Tour nur Augen für ihre Tiere, weniger für die Landschaft. Dietmar möchte den Menschen die Tiere näherbringen. Und natürlich kommt bei jeder Tour die Frage nach dem Spucken auf. Lamas können spucken, dabei können sie die stinkenden Nahrungsreste aus ihrem Pansen hochwürgen. Das tun sie aber nur, wenn sie sich ärgern, sich bedrängt fühlen, „etwa dann, wenn bei einer Wanderung ein Tier seinem Vordermann zu dicht aufrückt“, so Dietmar. Pedro ist so einer, der gern an seinem Vordermann schnüffelt, es selbst aber nicht leiden kann, wenn ihm jemand von hinten zu nah kommt. Also, Abstand halten zu Pedro.

Touren für Schulklassen

Die Tour führt vorbei an der Freilichtbühne für die Krönung der Heideblütenkönigin, geht über einen engen, urwaldmäßigen Waldpfad, den die Lamas gern als Toilette benutzen. Auf halber Strecke gibt es eine Brotzeit. Dietmar, zertifizierter Natur- und Landschaftsführer, erzählt Wissenswertes über die Landschaft und dass er davon träumt, einmal mit 100 Lamas für den Erhalt dieser Kulturlandschaft zu sorgen. Denn was Heidschnucken können, die grünen Triebe der Heidepflanzen fressen und junge Bäume zum Erhalt der Heideflächen verbeißen, könnten Lamas auch. „Aber das wäre dann wohl zu revolutionär“, sagt er und lacht. Auch den richtigen Hütehund müsste man dafür noch finden. Denn Lamas können bis zu 50 Kilometer pro Stunde schnell laufen. Dass Lamas durch die Heide ziehen, damit hatte so mancher zu Beginn ohnehin seine Bedenken. Dietmar bietet Touren für Schulklassen an, seine Beobachtung: „Mädchen und Frauen kommen oft besser mit den Tieren zurecht.“ Andererseits stellen sich auch die Lamas auf ihre Partner ein. So sei Leon bei einer demenzkranken alten Dame besonders vorsichtig gewesen.

Als die Tour zu Ende ist und die Lamas auf den Hänger geführt werden, passiert es: Beppo fühlt sich von Pedro bedrängt und spuckt. Geht doch!

Lama-Trekking, www.heidwww.heide-lama-trekkinge-lama-trekking. Schnuppertour für zwei Stunden 25 Euro. Vier-Stunden-Tour 50 Euro.