Geflopptes Bike-Sharing

Obikes ausverkauft – nun kommt Nachschub aus Frankreich

Die Leihräder von Obike sind eher schlicht, verfügen über keine Gangschaltung

Die Leihräder von Obike sind eher schlicht, verfügen über keine Gangschaltung

Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Ansturm auf Leihräder der insolventen Firma enorm. Von Donnerstag an werden noch einmal 2000 Modelle für 69 Euro verscherbelt.

Barbüttel/Hamburg. Der Wahnsinn um die Leihräder der insolventen Firma Obike geht in die nächste Runde. Nach dem gewaltigen Ansturm auf die rund 3000 verbliebenen Modelle, die in einer Halle in Barsbüttel lagerten, hat der Eigentümer nun noch einmal einen Nachschub von 2000 Rädern aus Frankreich geordert. Die quasi fabrikneuen Räder sollen von Donnerstag an erneut für den Preis von 69 Euro pro Stück angeboten werden.

"Die Obikes haben sich mittlerweile zu richtigen Kultfahrrädern entwickelt", sagt der Inhaber der Barsbüttler Lagerhalle, Harald Ploß, dem Abendblatt. Bis zum Ende vergangener Woche seien alle Räder ausverkauft gewesen. "Die Leute sind aus ganz Norddeutschland nach Barsbüttel gekommen", erzählt. Ploß. Viele Firmen hätten sich für ihre Mitarbeiter gleich mit einem Dutzend Räder eingedeckt. Ein Hotelbesitzer aus Mecklenburg-Vorpommern habe mehrere Obikes für seine Gäste mitgenommen.

10.000 Leihräder für Hamburg

Die Firma Obike aus Singapur hatte im vergangenen Jahr versucht, auf dem hart umkämpften Bike-Sharing-Markt in Deutschland Fuß zu fassen. Städte wie München und Berlin wurden regelrecht mit den gelb-silbernen Modellen überschwemmt. In Barbüttel lagerte die Firma rund 10.000 Leihräder ein, die für den Einstieg in den Hamburger Markt gedacht waren.

Doch zum Start in der Hansestadt, wo es schon Tausende Räder des Platzhirschen Stadtrad gibt, kam es nie. Obike hatte sich mit der Logistik übernommen, geriet am Hauptsitz Singapur in ernste finanzielle Schieflage. Die für Hamburg gedachten Räder wurden zunächst von der Schweizer Firma Umzug24 übernommen und dann von dem Unternehmer Osman Tazik aufgekauft, der im Hauptberuf Imbissbuden betreibt.

Nachschub aus Frankreich

Für Tazik ist das Geschäft mit den Leihrädern nun offenbar so gut gelaufen, dass er noch einmal Nachschub beschafft hat. Laut Ploß hat er 2000 Räder aus Frankreich geordert, wo Obike ebenfalls vergeblich versucht hatte auf den Markt zu kommen. Diese werden nun erneut verramscht.

Laut Ploß soll es auch in Berlin Überlegungen geben, die dort vorhandenen Obikes im großen Stil anzubieten. Andere Städte wie Hannover haben mittlerweile damit begonnen, die dort noch vorhandenen Räder abzuräumen. Auch München plant dies. Dort hatte Obike fast 7000 Räder eingesetzt, von denen viele nun verbeult am Straßenrand vor sich hinrotten.

Zweifel an Qualität der Räder

Ob die neuen Eigentümer allerdings mit den Rädern glücklich sind, ist nicht bekannt. Die eher schlichten Modelle dürften einer der Gründe dafür gewesen sein, dass der groß angelegte Einstieg von Obike in den deutschen Markt gefloppt ist. Bei einem Test kamen die Redakteure des Portals heise.de zu dem Ergebnis, dass sich die Räder nur mit großer Kraftanstrengung bewegen ließen. Außerdem lasse der Komfort zu wünschen übrig, da die Modelle über keine Gangschaltung verfügten.

Obike, das Leihfahrrad aus der Hölle

Der Verkauf der Barsbüttler Obikes soll am Donnerstag, 23. August, um 8 Uhr an der Stemwarder Landstraße 15 beginnen. Geöffnet ist die Lagerhalle bis 18 Uhr.