Hamburg

Elbtunnel für Fernwärme kostet 120 Millionen Euro

 FDP-Fraktionschef Michael Kruse kritisiert die Umweltbehörde

FDP-Fraktionschef Michael Kruse kritisiert die Umweltbehörde

Foto: Marcelo Hernandez

Rohre unter der Elbe sollen Wärme nach Bahrenfeld leiten. FDP fordert Anschluss des Kraftwerks Moorburg.

Hamburg.  Die Zukunft der Fernwärmeversorgung scheint von Tag zu Tag unklarer. Ob es überhaupt zu dem 2013 per Volksentscheid beschlossenen Rückkauf des Netzes und der Kraftwerke Wedel und Tiefstack kommt, ist schon seit Frühjahr unsicher – weil das Netz mittlerweile deutlich weniger wert ist, Vattenfall aber auf dem 2014 garantierten Mindestpreis von 950 Millionen Euro besteht. Nun wird klar, dass es auch bis heute keine konkrete Planung für die Elbquerung gibt, die für das Fernwärmekonzept von Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) nötig wäre. Denn bei der so genannten „Südvariante“ würde ein großer Teil der im Nordwesten der Stadt benötigten Wärme südlich der Elbe entstehen und müsste durch Rohre unter der Elbe geleitet werden.

Der Behörde lägen bisher keine „Antragsunterlagen“ für den Rohrbau unter der Elbe im Rahmen der „Südvariante“ vor, heißt es in einer aktuellen Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage des FDP-Fraktionsvorsitzenden Michael Kruse. Dafür sei das Planfeststellungsverfahren von Vattenfall (zur so genannten Moorburgtrasse) aber offiziell noch anhängig, so der Senat.

FDP kritisiert die Verzögerungen bei der Planung

Immerhin weiß der Senat schon jetzt, was der Wärmetunnel unter der Elbe kosten würde. „Für die Leitung inklusive der Einbindung von der Müllverbrennungsanlage Rugenberger Damm bis zum Anschlusspunkt in Bahrenfeld sind bisher Kosten von 100-120 Millionen Euro veranschlagt“, heißt es in der Antwort auf die FDP-Anfrage. „Diese werden von der Vattenfall Wärme Hamburg getragen.“

Die FDP kritisiert die Verzögerungen bei der Planung und fürchtet, dass dadurch die Kosten weiter steigen – und das alte Kohlekraftwerk Wedel noch länger in Betrieb bleiben muss.

Grüne lehnen Moorburg-Anschluss kategorisch ab

„Die Umsetzung des Senatskonzepts steht schon jetzt auf der Kippe“, sagte FDP-Fraktionschef Kruse. „Der Ersatz des alten Kraftwerks Wedel kann nur gelingen, wenn die Trassenplanung des Senats rechtzeitig fertig wird. Davon gehe ich nach heutigem Stand nicht aus. Denn während Umweltsenator Jens Kerstan mit seiner Behörde alles daran setzt, die Trassenplanung von Vattenfall zu behindern, sind die eigenen Planungen für eine Trasse nach wie vor nicht fertig.“

Die FDP fordert, wie auch die CDU und Vattenfall, einen Anschluss des neueren Kohlekraftwerks Moorburg an das Fernwärmenetz. Dieser würde helfen, die Kosten zu senken und eine Preisexplosion für Wärmekunden verhindern, so die Idee. Die Grünen lehnen einen Moorburg-Anschluss kategorisch ab, weil Kohleverfeuerung dem Klima schade. Sie wollen einen klimafreundlichen Umbau der Wärmeversorgung unter Nutzung regenerativer Energien.

Die FDP bezweifelt auch, dass die von Kerstan gewählte „Südvariante“ für die künftige Fernwärmeerzeugung ökologisch besser sei als andere Szenarien. Deswegen hat sie den Senat jetzt in einem Bürgerschaftsantrag aufgefordert, diese Aussage mit einer „Lebenszyklusanalyse“ zu belegen. Diese werde zeigen, dass der Moorburg-Anschluss nicht nur für die Fernwärmekunden, sondern auch für die Umwelt besser sei. Der Antrag steht am Mittwoch nächster Woche auf der Tagesordnung.