Wetter-Blog

Meteorologen sagen für Hamburg wieder 32 Grad voraus

Neue Gewitter stehen bevor. 18-Jähriger von Baum getroffen und schwer verletzt. "Totale Verwirrung" am Hauptbahnhof.

Hamburg. Das Unwetter mit Sturmtief "Oriana" hat für erhebliche Beeinträchtigungen des Bahnverkehrs rund um Hamburg, aber auch im Rest Deutschlands gesorgt. Über 300 wetterbedingte Einsätze meldete die Hamburger Feuerwehr bis zum Freitagmorgen. Am Hauptbahnhof waren Tausende gestrandet.

Am Freitag waren noch zahlreiche Verbindungen von und nach Hamburg gesperrt. Bis zum Mittag sollte sich die Lage beruhigen. Dann "erweiterte" die Bahn auf ihrer Internetseite die Wartezeit bis 14 und 15 Uhr. Die Feuerwehr war noch mit dem Aufräumen der Sturmschäden beschäftigt. Lesen Sie hier die Entwicklungen nach dem Unwetter im News-Blog.

Am Montag herrscht in Hamburg wieder Hitze

„Wir sind mit dem Gröbsten durch“, kommentiert Dominik Jung vom Institut für Wetter und Klimakommunikation in Hamburg die Wetterlage nach dem Unwetter am Donnerstagsabend. Zwar rechnet der Meteorologe noch mit einzelnen Gewittern am Freitag, aber mit keinen Unwettern.

Für Sonnabend sagt Jung 20 Grad Celsius vorher, am Sonntag werde es dann wieder mit 24 bis 25 Grad etwas wärmer. Zu Beginn der nächsten Woche rechnet das Institut dann wieder mit Hitze. Für Montag erwartet der Wetterexperte 32 Grad. "Doch womöglich noch am Abend kühlt es wieder ab". Die Prognose für den Rest der Woche: um die 25 Grad. "Dann haben wir wieder Wetterverhältnisse wie vor der Hitzewelle."

"Totale Verwirrung" am Hauptbahnhof

Die häufigste – und nervigste – Ansage am Hamburger Hauptbahnhof war am Freitag bis mittags die, dass auf den Strecken Hamburg-Bremen und Hamburg-Hannover mit erheblichen Verspätungen zu rechnen sei. Andere Verbindungen oder Ausweichmöglichkeiten wurden nicht angesagt. In Richtung Berlin gab es kaum Probleme. Dafür umso mehr in Richtung Stuttgart und Zürich (zum Teil mehr als zwei Stunden Verspätung), Lüneburg (70 Minuten Verspätung) und nach Köln (120 Minuten Verspätung).

Die Bahn teilte mit, die Verbindung nach Hannover (über Lüneburg) werde ab 14 Uhr wiederaufgenommen, die nach Dortmund (über Bremen und Osnabrück) ab 15 Uhr.

Es herrsche „totale Verwirrung“, sagten Reisende. Die Schlange von Ahnungslose vor dem DB Reisezentrum reichte bis zu den Gleisen. Der Umstieg auf einen Mietwagen war auch schwierig. Die meisten Vermieter waren ausgebucht.

Bahn hebt Streckensperrungen bis Mittag auf

Die Deutsche Bahn rechnet damit, dass bis zum Mittag die meisten Streckensperrungen wegen des Unwetters aufgehoben sind. Bei Sturm und Starkregen am Donnerstagabend sind vielorts Bäume auf die Gleise gestürzt, Oberleitungen wurden beschädigt. Laut Bahnsprecher Egbert Meyer-Lovis soll um 10 Uhr die Strecke zwischen Hamburg und Bremen wieder freigegeben werden. Ferner rechnet die Bahn damit, dass ab 12 Uhr wieder ein Gleis auf der Strecke zwischen Hamburg und Hannover frei ist. Seit etwa 8 Uhr fahren laut Meyer-Lovis auch wieder Züge zwischen Lübeck und Lauenburg.

Reisende zwischen Hannover und Wolfsburg müssen hingegen noch bis Montag Umwege in Kauf nehmen. Dann sollen die Gleise dort wieder freigegeben werden. Bis dahin fahren die Züge einen Umweg über Braunschweig.

Unwetter richtet im Norden kaum Schäden an

Gewittertief „Oriana“ hat am Donnerstagabend im Norden Schleswig-Holsteins kaum Schäden angerichtet. Im Leitstellenbereich der Feuerwehreinsatz- und Rettungsleitstelle Nord in Harrislee wurden insgesamt 58 witterungsbedingte Einsätze gezählt. Besonders ruhig war es in Nordfriesland. Dort mussten die Feuerwehren lediglich zu zwei etwas größeren Einsätzen ausrücken, wie der Kreisfeuerwehrverband Nordfriesland am Freitag mitteilte.

In Tönning drohten Bäume auf die Bundesstraße 5 zu stürzen. Und in Friedrichstadt wurden Dachziegel von einem Haus auf den Gehweg geweht. „Viele Einwohner haben die Warnung vor dem Unwetter wahrgenommen und im Garten die Sommermöbel, Sonnenschirme und Markisen gesichert, wir hätten sonst bestimmt mehr zu tun gehabt“, sagte Kreiswehrführer Christian Albertsen.

18-Jähriger erleidet Knochenbrüche

Der 18-Jährige, der am Harburger Außenmühlenteich mit seiner Begleitung (15) unter einem Baum begraben wurde, hat mehrere Knochenbrüche erlitten. Wie die Feuerwehr am Freitag mitteilte, kam auch das Mädchen ins Krankenhaus. Zwei Jogger halfen, die beiden zu befreien.

Deutscher Wetterdienst warnt

Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom Freitagmorgen zieht ein Sturmtief von der Deutschen Bucht nach Norwegen. Deshalb wird kühlere Luft erwartet, aber Richtung Küsten eben auch orkanartige Böen bis 115 Kilometer pro Stunde (11 Beaufort). Selbst im Binnenland gibt es Sturmböen. Von der Nordsee her soll es am Nachmittag wieder krachen: Gewitter und Sturmböen sind angekündigt.

Im Video: Zug in Hamburg evakuiert

Unwetter: Feuerwehr-Sprecher Wesselly über Bahn-Einsatz
Unwetter-Torsten Wesselly zur Evakuierung der Nordbahn nach Unwetter

Sturm mit Tempo 140

Besonders heftig war der Sturm am Donnerstag im Raum Hannover und an der Nordsee, wie ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) am frühen Freitagmorgen sagte. An der Küste seien Windgeschwindigkeiten von bis zu 140 Kilometern pro Stunde gemessen worden. Zum Wochenende dürfte sich das Wetter beruhigen. Laut DWD ist die große Hitze dann zwar vorerst vorbei - sommerlich warm bleibt es trotzdem. Die Höchsttemperaturen sollen nach langer Zeit flächendeckend aber unter 30 Grad liegen. Hoch „Kevin“ bringt trockene Luft, außer dem Südosten Bayerns und Schleswig-Holstein.

ICE-Strecken gesperrt

Die ICE-Strecke Hannover-Hamburg-Kiel war am Freitagmorgen noch gesperrt. Die Strecken Bremen-Hamburg und Osnabrück-Löhne sind dagegen teilweise wieder befahrbar, es kann jedoch zu Verspätungen kommen. Auch auf den Straßen ist in Niedersachsen und Bremen mit Behinderungen zu rechnen. Unzählige Bäume seien umgefallen, teilte die Feuerwehr am Freitag mit. Betroffen sind auch noch die Regionalbahnen von und nach Hamburg aus Stade/Cuxhaven sowie Uelzen/Lüneburg. Metronom und Erixx fuhren ebenfalls unregelmäßig.

Deutsche Bahn: Hier kommen Sie zur Bahnhofstafel

Metronom: Hier klicken für Sperrungen und Infos

Erixx: Hier gibt es Strecken-Infos

Segler kentern auf der Alster

Im Hamburger Stadtgebiet fielen Bäume um, Menschen wurden leicht verletzt. Auf der Außenalster kenterten am Donnerstag zwei Segelboote und ein Ruderboot. Die Insassen retteten sich ans Ufer.

Hotelzüge im Hamburger Hauptbahnhof

Am Hamburger Hauptbahnhof herrschte am späten Donnerstagabend Hochbetrieb. Lange Schlangen standen am Abend um kurz nach 23 Uhr vor den Informationsschaltern. Für Hunderte von Fahrgästen gab es hier kein Weiterkommen. Um 23.30 Uhr kündigte die Bahn an, dass zwei Aufenthaltszüge bereitsgestellt werden.

U3 wieder komplett, S-Bahn gibt Teilentwarnung

Die Hamburger Hochbahn hat die Folgen des Unwetters weitgehend überwunden. Gegen 22.15 Uhr konnte auch der letzte noch gesperrte Streckenabschnitt zwischen Barmbek und Wandsbek-Gartenstadt wieder freigegeben werden. Damit rollt die U3 wieder auf ganzer Linie. Sie war wegen umgefallener Bäume zunächst stark eingeschränkt gewesen.

Auch die S-Bahn Hamburg hat zwei weitere Streckenabschnitte freigegeben. So rollte am späten Donnerstagabend die S1 zwischen Ohlsdorf und Poppenbüttel wieder an. Auch die Sperrung der S3 zwischen Hammerbrook und Wilhelmsburg wurde aufgehoben.

Die Streckensperrung zwischen Altona und Pinneberg wurde um kurz nach 23 Uhr aufgehoben.

Regionalzug evakuiert

Zwischen Pinneberg und Altona ist auch der Regional- und Fernverkehr von Unwetterschäden betroffen. Ein mit rund 300 Passagieren besetzter Zug der Nordbahn blieb etwa 300 Meter vor dem Bahnhof Elbgaustraße in Hamburg liegen, nachdem eine Oberleitung abgerissen war. Weil die Klimaanlage ausgefallen war, klagten laut Feuerwehr drei Menschen über Kreislaufbeschwerden. Noch im Zug wurden sie von einem Notarzt untersucht. Gemeinsam mit der Feuerwehr und dem Notfallmanager der Bahn entschied der Mediziner, die Menschen aus der Bahn zu befreien. Bevor die Feuerwehr den Zug evakuieren konnte, musste die heruntergerissene Oberleitung noch geerdet werden.

Bei der Evakuierung mussten Rollstuhlfahrer, gehbehinderte Menschen, Mütter mit Kinderwagen und ältere Menschen mit einer speziellen Rettungslore, durch das Gleisbett in den Bahnhof befördert werden. Die drei erkrankten Menschen kamen in umliegende Krankenhäuser.